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Stadt plant Anti-Schmiererei-Offensive

Graffiti Stadt plant Anti-Schmiererei-Offensive

Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) sagt Schmierereien und Graffiti in Marburg den Kampf an: Dienstleistungsbetriebe (DBM) und die Philipps-Universität sollen Kritzeleien und Parolen künftig umgehend entfernen.

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Manchmal Kunst, manchmal Ärgernis: Auf vielen Häuserfassaden oder Mauern in Marburg sind Malereien oder Schriftzüge angebracht. Einige kritisieren das verschandelte Stadtbild, andere sehen das als Teil der Studentenkultur.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Binnen weniger Tage sollen künftig an öffentlichen Gebäuden entdeckte Schmierereien entfernt werden. Und für Privateigentümer will Stötzel im Haushalt ein Anti-Graffiti-Förderprogramm auflegen, so dass es für deren Entfernung finanzielle Zuschüsse von der Stadt gibt. „Viele Betroffene haben angesichts der wiederkehrenden Verschandelung schon resigniert, weil es nervig und teuer ist“, sagt er.  Grundsätzlich: „Das Bild, das die Stadt derzeit mancherorts abgibt, ist alles andere als schön“, sagt Stötzel. Vieles sehe „furchtbar“ aus, habe mit Kunst nichts zu tun. Die Einbeziehung der Philipps-Universität in den Sauberkeitsplan sei entscheidend, da ein Großteil der Zeichnungen und Parolen an deren Gebäuden prange.

Wut über die Verschandelung des Stadtbilds: Ein Marburger hat eine Foto-Dokumentation über Hunderte Farb-Schmiereien in der Innenstadt erstellt. Die Behörden fordert er zum härteren Durchgreifen auf.

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Die FDP stellt einen ähnlichen Antrag an die Stadtverordnetenversammlung. Demnach soll eine „Anti-Graffiti-Task-Force“ mindestens alle drei Monate Schmierereien von allen städtischen Gebäuden, Trafostationen und Stromkästen sowie von Straßenmobiliar wie etwa den Sitzbänken am Trojedamm entfernen. Marburg habe ein „signifikantes Graffiti-Problem“, und man solle mit „gutem Beispiele vorangehen“, damit auch Hauseigentümer vermehrt zur Entfernung animiert werden.

In den vergangenen Jahren seien an der Philipps-Universität 16 beziehungsweise 17 Anzeigen wegen Sachbeschädigung gestellt worden, die Beseitigung geschehe stets so schnell wie möglich, heißt es von der Uni. Problem: Vor allem rund um die Philfak bringt die Entfernung nichts, „wir haben die Erfahrung gemacht, dass sofort wieder neue Schmierereien angebracht werden“, hieß es zuletzt von der Pressestelle auf OP-Anfrage. Die Entfernung von Schmierereien koste die Hochschule jährlich mehrere Tausend Euro.

Kameras zur Verhinderung an wenigen Standorten

Oberstadt, Erlenring, Ortenbergsteg: Die Stadtverwaltung, die nach eigenen Angaben zuletzt bis zu 15 Farbschmiererei-Fälle pro Jahr registriert, gibt jährlich zwischen 10 000 und 15 000 Euro für deren Beseitigung aus. 18 Anzeigen seien etwa 2015 gestellt worden – man lege aber Wert darauf, dass es viele kunstvolle Malereien, also Graffiti gebe, die eben keine Schmierereien seien.

Kameras zur Verhinderung solcher Sachbeschädigungen gebe es nur im Oberstadtaufzug oder Aquamar, dauerhafte Schutzsysteme wie etwa am Bazillensteg am Wehr seien teuer  und böten keinen hundertprozentigen Schutz. Und: Durch die Schutzschicht verändere sich zum einen die Oberfläche, zum anderen werde die Schutzschicht nach jeder Entfernung von Farbe angegriffen und benötige irgendwann eine Auffrischung. Grundsätzlich: „Aufgrund der hohen Kosten muss stets abgewogen werden, ob die zur Verfügung stehenden knappen Haushaltsmittel nicht sinnvoller in dringendere Maßnahmen investiert werden sollten“, hieß es 2016 auf OP-Anfrage.

Der Marbacher Friedrich Blackkolb brachte die Debatte vergangenes Jahr ins Rollen, als er eine fotografische Schmierereien-Dokumentation an den Magistrat übergab. Rund drei Viertel aller Teilnehmer einer anschließenden OP-Umfrage sagen, dass sich das Marburger Stadtbild in den vergangenen Jahren verschlechtert hat.

von Björn Wisker

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