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Sprache als Grundlage der Integration

Neue Fortbildung Sprache als Grundlage der Integration

„Willkommen, Ankommen, Weiterkommen“ heißt das Konzept der Landesregierung, das sich auf dem Gebiet der ­schulischen Integration auf die Fortbildung von ­ausgewählten Lehrkräften konzentriert.

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Sprachbildung und Integration – Schulleiter Thomas Hesse und Deutschlehrerin Sila Erdem gehören zum Projektteam einer neuen Fortbildungsreihe der Landesregierung.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. An dem Programm nehmen derzeit 16 Schulen aus Hessen teil, darunter die Sophie-von-Brabant-Schule (SvB) als einzige Schule im Landkreis, berichtet Schulleiter Thomas Hesse. Ziel des neuen Programms ist die erfolgreiche Beschulung und Integration von sogenannten Seiteneinsteigern, sprich zugewanderten Kindern und Jugendlichen, in einen geregelten Schulalltag, in dem gleiche Bildungschancen für ­alle gelten.

Dazu braucht es erfahrene Lehrkräfte. In dem Programm beschäftigen sich einzelne Lehrer intensiv mit dem Umgang mit geflüchteten Kindern und werden zu Multiplikatoren geschult. Das Projektteam der SvB besteht aus Schulleiter Thomas Hesse, Sozialarbeiter Andreas Kiefer und Deutschlehrerin Sila Erdem. In der Fortbildungsreihe wird Erdem in den nächsten zwei Jahren an anderen Schulen hospitieren, an denen bereits erfolgreich schulische Integrationsprojekte umgesetzt werden.

Dabei gehe es um Denkanstöße und die Schaffung von Grundlagen für ein eigenes Schulkonzept, etwa die Sensibilisierung aller Lehrer zum Thema Spracherwerb in allen Fächern. Bausteine des Ganzen sind unter anderem Sprachbildung, Unterrichtsorganisation und psychosoziale Begleitung bis hin zu Netzwerkarbeit. „Es gibt kein pauschales Konzept, aber viele kleine Regelungen“, sagt Erdem. Neben der deutlichen Aussprache oder einer einfachen Satzbildung zählt auch die visuelle Unterstützung von Aufgaben im Unterricht dazu.

Grundlage bei allem sei stets die Sprachbildung: Zugewanderte Schüler besuchen schon jetzt in der Regel ein Jahr lang eine der drei Sprachintensivklassen der SvB, bevor sie in eine Regelklasse wechseln.

Vorurteile und ein gewisses Misstrauen

Dass es bei der Integration von Schülern verschiedener Herkunft und mit unterschiedlichem Bildungsstand auch Vorurteile und ein gewisses Misstrauen gebe, was das gleichbleibende Bildungsniveau angeht, dessen sei man sich bewusst, sagt Hesse. Eventuelle Bedenken will er ausräumen: „Das Niveau in der Klasse bleibt gleich, die Lerninhalte bleiben gleich“, betont der Schulchef. Im Klassenverband werde stets differenziert gefördert: Leistungsschwächere Schüler erhalten Lernhilfen, leistungsstarke Schüler dagegen mehr „Futter“, etwa in Form von Zusatzaufgaben. Der Schnitt bleibe erhalten. „Es ist eine Herausforderung, aber dazu werden Lehrer schließlich ausgebildet, das muss man als Lehrkraft können“, sagt Hesse.

Er freut sich, dass die Schule von der Hessischen Lehrkräfteakademie für das Programm ausgewählt wurde. Beides passe gut zusammen: Einerseits liege ein Schwerpunkt der Mittelstufenschule auf der Sprachbildung, andererseits habe die Beschulung von Migrantenkindern sowie Austauschprogramme zur Sprachförderung seit vielen Jahren schon Tradition. Derzeit lernen rund 45 Kinder von Geflüchteten an der Schule. „Das passt gut zu uns, wir haben schon viel Erfahrung auf diesem Gebiet“, betont Hesse.

Das Kooperationsprojekt wird von der Hessischen Lehrkräfteakademie und der Deutschen Schulakademie gefördert und läuft für zwei Jahre. In dieser Zeit will die SvB ein eigenes Konzept entwickeln und an den Marburger Raum anpassen. Bei der schulischen Integration mache man dabei jedoch nicht halt, plant Hesse voraus, „Integration in Schule ist nicht schwer, das ist nur der Anfang – das Ganze sollte gesamtgesellschaftlich laufen“. Dafür arbeite die SvB in einem Netzwerk mit Schulamt, Stadt, Behörden, Vereinen oder Vertretern aus der Wirtschaft zusammen.

von Ina Tannert

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