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Speiseplan muss Lust auf Essen machen

Schulverpflegung Speiseplan muss Lust auf Essen machen

Aufmerksamkeit und ein tiefes Bewusstsein für die gesunde Ernährung von Kindern zu schaffen – „das ist eine Sisyphusarbeit“, sagt Stadtelternbeirats-Vorsitzender Wolfram-Alexander Adam.

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Die Schul-Caterer boten den Gästen gesunde und schmackhafte Snacks an.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Ausgewogenes, gesundes Essen ist für Entwicklung, Gesundheit und Schaffenskraft von Kindern äußerst wichtig – darauf aufmerksam machte der Stadtelternbeirat mit einem informativen wie schmackhaften Abend.

Auf dem Podium in der neuen Cafeteria der Martin-Luther-Schule trafen sich Vertreter des Beirats, der Marburger Schulen, Ernährungswissenschaftler und Versorger. Ihr Ziel ist mehr Aufklärung, ein langfristiges Konzept rund um die gesunde Ernährung von Schülern. Das Thema fasse nur schwer Fuß in den Köpfen, sowohl von Kindern, wie Eltern – „viele Kinder sind schon von zu Hause aus nicht an gesundes Essen gewöhnt. Die Eltern verlassen sich dabei zu sehr auf die Schulen“, bemängelte Moderator Wolfram-Alexander Adam vom Elternbeirat der Sophie-von-Brabant-Schule.

Wie der ideale Essensplan an der Schule aussehen sollte, stellte Dr. Katja Schneider (Universität Gießen) von der Hessischen Vernetzungsstelle für Schulverpflegung vor. Oberstes Gebot sei die Ausgewogenheit, „das Verhältnis der Lebensmittelgruppen ist wichtig“, betonte die Referentin. Auf dem Mittagsteller landen sollten demnach täglich Gemüse, Obst, verschiedene Salat- und Getreideprodukte. Davon mindestens zur Hälfte bestehend aus Vollkorn, etwa Vollkornpizza oder Naturreis.

Vor allem Paniertes und Fertigprodukte wie Pommes oder Kroketten sollten vom Speiseplan lieber gestrichen werden. Mindestens acht Mal im Monat gebe es besser fettarme Milchprodukte. Für Fleisch und Wurst sollte die Acht dagegen als monatliche Maximalgrenze gelten, die Hälfte zudem aus magerem Muskelfleisch bestehen.

Mindestens vier Mal dürfe Fisch auf dem Teller nicht fehlen. „Fisch enthält wertvolles Jod und Omega-3-Fettsäuren – das ist voll im Sinne der Gesundheit der Kinder“, betonte Schneider. Anders als so mancher Schulkiosk, der diverse Zuckerbomben als Snacks bietet, die dem ganzen Gesundheitskonzept entgegenstehen. Auch dort gelte es, sich an eine „gelebte Ernährungsbildung“ anzupassen. Als Getränke in der Schulkantine bieten sich energiearme Getränke anstelle von kalorienstarken Softdrinks an.

Für mehr Genuss und Interesse sei generell auf viel Abwechslung und Attraktivität der Speisen zu achten: „Speisepläne müssen Lust machen auf Essen.“ Gemeinsam beratschlagten die Referenten, wie sich das Thema langfristig nicht nur für Erwachsene, sondern vor allem für Schüler schmackhafter machen lassen könnte. Ein Ansatz ist unter anderem ein langsamer Wandel des Angebots in kleinen Schritten und mit Kompromissbereitschaft von allen Seiten. Als Motivationsschub könnten Probieraktionen und die Beteiligung der Schüler an der Essensauswahl dienen.

Thema wird weiterverfolgt

Die Vielfalt von gesundem Schulessen – ob als Snack zwischendurch oder als ausgewogene Mittagsmahlzeit – konnten die Besucher an Ort und Stelle ausgiebig kosten. Die drei örtlichen Schul-Caterer – die Juko Marburg, Integral und Eßtragon – stellten ihre Arbeit vor und versorgten die Gäste mit ausgewogenen Leckereien. Auch die Rotary-Initiative „gesunde Kids“ informierte über ihre Arbeit.

Dass das brisante Thema dennoch nur wenig Interesse erzeugt, zeigte die mäßige Besucherzahl des Infoabends, sehr viele Stühle blieben leer. „In Marburg tut sich bei dem Thema noch zu wenig, viele Eltern haben kein Bewusstsein für eine gesunde Ernährung der Kinder“, stellte Adam fest. So manche voll beruflich tätigen Eltern machen es sich laut Adam zu einfach, überlassen es ausschließlich den Schulen, für gesunde Ernährung zu sorgen oder belassen es beim morgendlichen Essensgeld für die Sprösslinge. Damit nehmen sie in Kauf, dass diese das Geld für ungeeignete Fett- und Kalorienbomben ausgeben, noch begünstigt durch ein reiches Fast-Food-Angebot rund um die Schulstandorte. Umso wichtiger sei es, ein tiefergehendes Bewusstsein für gesunde Ernährung in der Gesellschaft zu stärken. Das Thema will der Stadtelternbeirat weiterhin auf seine Agenda setzen.

von Ina Tannert

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