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Sommerhitze macht leichtsinnig

Mediziner warnt Sommerhitze macht leichtsinnig

Kaum schlägt das Thermometer aus, gibt es von allen Seiten Tipps und Tricks zur Abkühlung. Dabei sind es die mittelbaren Schäden, die zu Problemen führen können.

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Hitze in Marburg – ein Mann kühlt sich im Brunnen am Friedrichsplatz ab. 

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Keine schweren körperlichen Belastungen, viel trinken, direkte Sonneneinstrahlung vermeiden, leichte Kost und luftige Kleidung tragen – die Liste der Tipps für das richtige Verhalten bei Sommerhitze ist lang. „Es gibt derzeit auch keinen Anstieg der wetterbedingten Notfalllage“, stellt Professor Dr. Clemens Kill, Leiter des Zentrums Notfallmedizin am Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM), auf OP-Nachfrage fest und fügt hinzu: „Allerdings können wir ja derzeit auch noch nicht von ­einer Hitzewelle sprechen, nach drei Tagen erhöhter Außentemperatur.“

Die Erkältungswellen­ in den kälteren Jahreszeiten ­belaste den Regelbetrieb in der Notaufnahme des UKGM mehr.

Dennoch mahnt der Mediziner, die Sonneneinstrahlung­ nicht zu unterschätzen: „Wir ­haben derzeit den höchsten Sonnenstand. Da braucht es keine hohen Temperaturen, um Verbrennungen oder einen Sonnenstich zu bekommen.“ Letzteres wäre mit einer Kopfbedeckung zu verhindern, die Verbrennungen mit Sonnencreme und Schatten.

Überhaupt sollte man sich bei strahlendem Sonnenschein eher im Schatten aufhalten. Das gelte vor allem für gesundheitlich ­Geschwächte und ­natürlich Kinder. „Der Bauarbeiter, der immer an der frischen Luft ­arbeitet, ist bei Weitem abgehärteter, als jemand, der nur im klimatisierten Büro sitzt“, sagt der Notfallmediziner. Auf jeden Fall sollte bei hohen Temperaturen viel getrunken werden, vor allem keine Kohlensäure. „Kohlensäure führt zur Limitierung der Trinkmenge, das ist kontraproduktiv. Auswirkungen auf den Stoffwechsel hat die Kohlensäure an sich aber nicht.“

Für Professor Dr. Kill sind es auch mehr die mittelbaren Schäden, die sich im Sommer in der Statistik vermehrt wiederfinden. Und die resultieren aus dem veränderten Freizeitverhalten der Menschen, wenn es draußen warm ist. „Man könnte sagen, dass die Sicherheitsbedenken schwinden, je höher die Sonne steht“, so der Mediziner augenzwinkernd. Denn auf einmal sind die Motorradfahrer in kurzer Hose und T-Shirt unterwegs, anstatt in richtiger Schutzkleidung. Die Unfallfolgen können sich da schon mal potenzieren, und die Verletzungen bei kurzer Kleidung schwerwiegender ausfallen. Gleiches gilt auf der Fahrradtour. „Im Winter scheint es selbstverständlicher zu sein, einen Helm zu tragen, weil es sowieso kalt ist. Aber auch im Sommer ist er unerlässlich“, betont Kill.

Hobbygärtner mähen in Badelatschen

Ein weiteres Beispiel ist die Nutzung landwirtschaftlicher Kleingeräte im Privaten. Jeder­ Bauhofmitarbeiter muss beim Rasenmähen eine Schnittschutzhose und einen Gesichtsschutz tragen. Der Hobbygärtner dagegen mäht mit Badelatschen und kurzer Hose. Da werden fliegende Steine gerne mal zu Wurfgeschossen, die nicht selten an den nackten Beinen abprallen und zu Verletzungen führen.

Insektenstiche bzw. das nicht mitgeführte Gegenmittel können ebenfalls zu Notfällen führen. Gerade an der Grillhütte, weit ab vom geparkten Auto, in dem beispielsweise die Handtasche mit dem Antiallergikum liegt, kann es brenzlig werden. Hier appelliert der Mediziner ans vorausschauende Handeln, denn der Krankenwagen kann unter Umständen einen längeren Anfahrtsweg haben.  

Sehr kritisch sieht er das nächtliche Baden in ungesicherten Gewässern unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Es wird gefeiert, es wird getrunken und später dann auch gebadet. Im schlimmsten Fall ertrinkt derjenige, weil er sich im Rausch überschätzt und die alkoholisierten Mitfeiernden am Ufer nicht reagieren können. Zum Problem kann der Sprung ins kalte Nass auch werden, wenn der Körper durchs Sonnenbaden stark überhitzt ist. „Der Kreislauf kann zusammenbrechen und man wird bewusstlos. Wenn das unter Wasser passiert, wird es sehr gefährlich“, mahnt der Professor zur Vorsicht.

von Katja Peters

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