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Schütze hatte aufbrausenden Charakter

Familiendrama Schütze hatte aufbrausenden Charakter

Der 52-jährige Mann, der seine Tochter umgebracht hat und seine Ehefrau lebensgefährlich verletzt hat, bevor er sich selbst tötete, war einschlägig vorbestraft.

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Die Absperrung vor dem Tatort an dem Wohnhaus an der Stresemannstraße war am Samstagnachmittag dazu gedacht, die Arbeit der Spurensicherung zu ermöglichen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der 52-jährige Mann, der am vergangenen Samstagnachmittag mit fünf Pistolenschüssen das Leben seiner Familie zerstörte, war bereits mit einem gerichtlich verfügten Annäherungsverbot des Amtsgerichts Marburg aus dem Jahr 2016 belegt. Demnach war es ihm gegen Androhung eines Zwangsgeldes verboten, sich seiner Familie zu nähern, die aus Angst vor ihm in eine andere Stadt gezogen war.

Der Grund dafür waren anhaltende Bedrohungen, die er gegen seine Familie ausgestoßen hatte. Selbst als sich die Frau zusammen mit ihren Kindern in Frauenhäusern in weit entfernten Städten wie Lübeck aufgehalten habe, soll er sie aufgespürt haben, hieß es jetzt in einem Bericht der „Westfalenpost“. Jetzt kamen auch weitere Einzelheiten seiner Vorgeschichte ans Licht. Darüber berichtete die „Westfalenpost“ aus Hagen. Denn in der westfälischen Stadt stand der Mann, der dort seit 1993 lebte, unter anderem wegen gewalttätigen Übergriffen auf seine Familie vor Gericht und wurde auch zu einer Haftstrafe verurteilt.

Ein Strafrichter hatte zusammengefasst, dass sich der Mann durch einen „aufbrausenden und jähzornigen Charakter“ ausgezeichnet habe. Wegen mehrerer Gewaltübergriffe war der Familienvater schließlich zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Nach Informationen der „Westfalenpost“ hatte er zusammen mit einem kosovo-albanischen Landsmann auf offener Straße einen Kroaten misshandelt, den er für einen Serben gehalten hatte. Unter anderem sei es wegen an sich alltäglicher Vorfälle auch zu brutalen Übergriffen auf seine Ehefrau gekommen, beispielsweise weil diese vergessen hatte, Filtertüten für das Kaffeetrinken zu besorgen.

Täter soll Töchter schon früher misshandelt haben

In diesem Fall sei der Täter in Zorn geraten. Er habe dann seine gleichaltrige Frau an den Haaren gezogen und zu Boden gerissen und sie mit äußerster Brutalität auf Kopf und Gesicht getreten. Zudem habe er damals auch seine beiden Töchter misshandelt. Bisher gibt es noch keine Neuigkeiten von Polizei und Staatsanwaltschaft zum Gesundheitszustand der 52-jährigen Ehefrau des Täters, die mit Schüssen in den Kopf lebensgefährlich verletzt wurde und ins Uni-Klinikum eingeliefert wurde. Das teilte Staatsanwältin Sarah Antonia Otto, der OP am Freitag auf Anfrage mit.

Nach Darstellung der Polizei war der 52-Jährige am Samstag mit einem Mietwagen nach Marburg gefahren. In der Wohnung in dem Mehrfamilienhaus in der Stresemannstraße kam es zu einem heftigen und lautstarken Streitgespräch. Die 27-jährige Tochter hörte diesen Streit bereits beim Betreten des Gebäudes und alarmierte die Polizei mit einem Notruf. Wahrscheinlich weil sie eine Eskalation des Streits zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter befürchtete, hämmerte sie an die Wohnungstür. Der 52-Jährige öffnete die Tür, und erschoss mit zwei Schüssen seine Tochter. Danach müssen noch drei Schüsse gefallen sein: Der mutmaßliche Täter schoss in der Wohnung seiner Ehefrau in den Kopf und verletzte sie dabei lebensgefährlich und erschoss sich dann selber.

Polizei sucht weiter Zeugen

Im Zusammenhang mit den immer noch andauernden Ermittlungen rund um das Familiendrama mit zwei Toten im Südviertel suchen Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei nach einem bis dato unbekannten Mann. Ziel der Ermittlungen ist es, alle Tatumstände rund um die Schüsse vollständig aufzuklären. Der mit einer hellen Hose und dunklen Jacke bekleidete Mann rannte­ laut Mitteilung der Ermittlungsbehörden am vergangenen Samstag kurz nach der Tat gegen 14.22 Uhr von einem ­geteerten Verbindungsweg, der an dem Tatort vorbeiführt, auf die Friedrichstraße und von dort aus weiter in Richtung Wilhelmstraße und traf dabei auf zwei Passanten. Noch ist nicht klar, ob es Frauen oder Männer waren oder ein Pärchen. Diese Fußgänger bogen auf den Verbindungsweg in grobe Richtung Stresemannstraße/Altersheim ab. Einer der beiden Passanten war mit einer weißen Jacke oder einem weißen Mantel bekleidet. In der rechten Hand trug er zudem eine weiße Tragetasche.

Beide Zeugen führten einen blauen Regenschirm mit sich. Die Ermittlungsbehörden bitten jetzt um Mithilfe bei der weiteren Aufklärung der genauen Umstände der Gewalttat: Wem ist am Samstagnachmittag gegen 14 Uhr in Tatortnähe ein schnell laufender Mann aufgefallen?

Die Marburger Polizei bittet Zeugen um Hinweise an das zuständige Fachkommissariat unter der Nummer 06421/406-0.

von Manfred Hitzeroth

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