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„Schlag hätte zum Tod führen können“

Prozess wegen versuchten Mordes „Schlag hätte zum Tod führen können“

Am vorletzten Verhandlungstag im Prozess ­wegen versuchten Mordes ging es um die teils ­lebensbedrohlichen Verletzungen der Opfer.

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Der Angeklagte muss sich vor dem Landgericht Marburg verantworten.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Stellung zu der Ausführung der brutalen Überfälle wie zu den medizinischen Folgen nahm der gerichtsmedizinische Sachverständige, der den Prozess begleitet. Der Zeuge hielt fest, dass sowohl der Angriff gegen die schwangere Frau in der Frankfurter Straße wie  der Überfall auf zwei Frauen in der Wilhelmstraße von massiver Brutalität geprägt war.

Insbesondere die Attacken gegen die Köpfe der drei Opfer seien generell geeignet „das Leben einer Person zu beenden“. Die Intensität der Schläge war bei der ersten Tat noch vergleichsweise niedrig, ganz im Gegensatz zu dem nächtigen Angriff auf die beiden Frauen am 9. November vergangenen Jahres. Dabei schlug der Täter beiden Opfern unvermittelt mit einem Pflasterstein „wuchtig gegen den Kopf“. Bei der Haupt-Geschädigten entstanden eine klaffende Wunde und mehrere schwere Frakturen der Schädeldecke wie des ganzen Gesichts. In seiner Gänze „ein sehr, sehr schweres Verletzungsbild“, sagte der Mediziner.

Zum Vorwurf des versuchten Mordes stellte er daher klar, dass „keine akute, jedoch eine­ abstrakte Lebensgefahr“ für die Frau bestand. Ohne medizinische Versorgung wäre das Opfer sehr wahrscheinlich gestorben, „der Schlag hätte zum Tod führen können“, fasste er auf Nachfrage des Gerichts zusammen. Auch der zweite Angriff mit dem Stein gegen den Kopf der anderen Frau, hätte „mögliche tödliche Folgen haben können“. Sie hätte nur der reflexartig hochgerissene Arm vor schweren Verletzungen bewahrt. Damit stehe ein möglicher tödlicher Ausgang dieser Überfälle fest.

Weniger konkrete Angaben­ lassen sich dagegen zu der DNA-Analyse der Tatorte festhalten. Dazu wurden neben ­einigen Kleidungsstücken des Angeklagten auch die am Tatort gefundenen Steine molekulargenetisch untersucht. Die Ergebnisse stellte eine weitere Rechtsmedizinerin vor. Die Expertin berichtete von mehreren ermittelten DNA-Spuren, die jedoch kaum klare Ergebnisse erbracht hätten. Problematisch dabei: Die Spuren seien meist nur in geringem Maße vorhanden, was einen Abgleich mit den DNA-Mustern des Beschuldigten wie der Opfer erschwere.

So wurde etwa an einem Schuh des Angeklagten eine sogenannte DNA-Mischspur gefunden, die eine Zuordnung zu den Opfern nur vermuten lasse. Hinweise auf beide Frauen seien „nahezu vollständig in den Mischspuren detektierbar“, für eine eindeutige Typisierung reiche das dennoch nicht aus, sagte die Gutachterin.

Auf mehreren Kleidungsstücken wurden zudem Spuren unbekannter Personen gefunden, die weder dem Angeklagten noch den Geschädigten zuzuordnen waren. So fand sich etwa auf der Jacke des Mannes DNA von mindestens drei Personen, wobei der Beschuldigte selbst als „Hauptverursacher“ hervorsteche. Auf anderen Kleidungsstücken fanden sich dagegen überhaupt keine Hinweise auf Geschädigte oder Angeklagten.

Auch die Analyse der Steine, die als Tatwaffe in Betracht kommen, belastet den Mann nicht wirklich. Dieser sei zwar als Verursacher der Spuren „nicht auszuschließen, aber nachweisen kann ich es nicht“, sagte die Zeugin.

Kaum Blutspuren an Kleidung und Tatwaffe

Der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm fasste die Analyse so zusammen: „Man konnte keine Beziehung zwischen dem Angeklagten und der Tatwaffe herstellen.“ Wie Verteidiger ­Sascha Marks bemerkte, sei die Beweislast gegen seinen Mandanten „ziemlich dünn“. Angesichts der gewalttätigen Überfälle, bei dem die Opfer teils massiv verletzt wurden, hätte er zudem mit eindeutigeren Ergebnissen gerechnet.

Tatsächlich wurden kaum Blutspuren an Kleidung oder Tatwaffe gefunden, was jedoch nicht außergewöhnlich sei, sagte die Gutachterin.

Die Beweisaufnahme in dem Prozess ist nahezu abgeschlossen.

  • Am letzten Verhandlungstag soll noch der psychiatrische Sachverständige gehört werden. Der Prozess wird am Freitag, 5. Januar, fortgesetzt. Dann wird auch das Urteil erwartet.

von Ina Tannert

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