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Sachlichkeit war sein Trumpf als Politiker

Nachruf Sachlichkeit war sein Trumpf als Politiker

Der Stadtälteste und langjährige CDU-Stadtverordnete Dr. Reimer Wulff ist am Dienstag im Alter von 84 Jahren gestorben.

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Dr. Reimer Wulff (rechts) von der CDU verstand sich über Parteigrenzen hinweg gut auch mit Heinrich Löwer (SPD).

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Er war eines der letzten politischen Urgesteine in der Stadt Marburg. Höflich und verbindlich im Auftreten und ausgestattet mit einer enormen Sachkenntnis prägte Dr. Reimer Wulff als Schulleiter, Vereinsvorsitzender und Kommunalpolitiker mehr als zwei Jahrzehnte des politischen und gesellschaftlichen Lebens in Marburg.

Von 1971 bis 2011 saß Wulff als Stadtverordneter für die CDU im Stadtparlament. „Er hat die CDU alleine durch die Art und Weise, wie er war, geprägt“, erinnert sich der langjährige Weggefährte Roger Pfalz – aktuell Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses.

Wulffs sachliche und konstruktive Art habe sich wohltuend vom heutigen Tagesgeschäft abgehoben. Besonders am Herzen gelegen habe dem im August 1933 in Meuselwitz (Sachsen) geborenen promovierten Historiker Wulff die Einrichtung der deutsch-deutschen Städtepartnerschaft Marburgs mit Eisenach kurz vor der Wende. Aber auch für die Wiedergutmachung für die Zwangsarbeiter in Marburg habe er sich sehr eingesetzt. Zudem habe Wulff als Haushaltspolitiker stets Sparsamkeit im städtischen Haushalt angemahnt.

Von 1976 bis 1999 leitete  Reimer Wulff als Direktor die Elisabethschule, eines der Marburger Gymnasien. „Die Schule verdankt ihm wegweisende Entscheidungen bei der Einführung des Kurssystems in der gymnasialen Oberstufe“, urteilt Tobias Meinel, derzeitiger Leiter der Elisabethschule. Zudem habe Wulff dazu beigetragen, dass  die bauliche Infrastruktur an die wachsende Schülerzahl angepasst worden sei. Meinel hat aber auch noch einige persönliche Erinnerungen an den Geschichtslehrer Wulff, bei dem er in den 60er-Jahren Schüler war.

"In jeder Epoche der Geschichte zu Hause"

„Er hat mit einer besonderen Sachkenntnis Geschichten aus der Geschichte erzählt und war in jeder Epoche der Geschichte zu Hause“, sagt Meinel im Gespräch mit der OP.

Bis zu seinem Rücktritt als Vereinsvorsitzender leitete er 22 Jahre lang die Geschicke des größten Marburger Sportvereins, des VfL Marburg.

Erste politische Schritte hatte Wulff schon 1957 als Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses in Marburg gewagt. In dieser Zeit setzte er sich unter anderem für den Bau der Mensa am Erlenring ein. Nach seinem Eintritt in die SPD Mitte der 60er-Jahre blieb er den Sozialdemokraten bis 1972 treu. Aus Verärgerung über die Schulpolitik des damaligen SPD-Kultusministers Ludwig von Friedeburg trat er aus und fand eine neue politische Heimat in der Marburger CDU.

Der Oberst der Reserve der Bundeswehr und promovierte Historiker und Politikwissenschaftler nahm als Osteuropa-Experte seit 2000 regelmäßig Lehraufträge an der Universität wahr.

„Ich habe an ihm immer geschätzt, dass er bei aller Auseinandersetzung in der Sache fair mit der Meinung der anderen umgegangen ist“, sagte der damalige Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) anlässlich der Verleihung des Titels Stadtältester an Wulff.

„Beharrlichkeit, Stil und Fairness“ waren laut dem ehemaligen Innenminister und heutigen hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) die hervorstechendsten Merkmale des Kommunalpolitikers Reimer Wulff.

Und für Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer (SPD) stand Wulff vor allem für „Pflichtbewusstsein und Sachlichkeit“ sowie als Paradebeispiel für die parteiübergreifende Zusammenarbeit.

von Manfred Hitzeroth

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