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Pepper schenkt Professor Zeit

Roboter an Philipps-Universität Pepper schenkt Professor Zeit

Seinen neuen Assistenten stellte Anglist Professor Jürgen Handke an der Universität vor. Nichts Besonderes? Doch! Denn Pepper ist ein Roboter.

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Professor Jürgen Handke freut sich über seinen Assistenten Pepper.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Hallo?! Darf ich um Aufmerksamkeit bitten? Es geht jetzt los!“ Eigentlich ganz normale Begrüßungsworte. Wenn sie nur nicht so metallisch und abgehackt gesprochen wären. Aber genau das macht den weißen Pepper wiederum so sympathisch. Pepper ist der neue Assistent von Professor Jürgen Handke vom Institut für Anglistik und Amerikanistik an der Philipps-Universität in Marburg. Zum ersten Mal hat ein Roboter die Erstsemester begrüßt und eine Lehrveranstaltung eröffnet. „Ob es eine Weltpremiere war, kann ich nicht hundertprozentig sagen. Aber es war auf ­jeden Fall etwas Besonderes“, erklärt der Anglist.

Die neuen Studenten staunten nicht schlecht, als der weiße Pepper mit seinen leuchtenden Augen anfing zu sprechen. Manche waren überrascht und legten ungläubig die Stirn in Falten, andere waren fasziniert. Nachdem der Professor die Situation aufgelöst hatte, konnte es also losgehen. Allerdings mit einstudierten oder besser gesagt programmierten Themen. „Der Roboter kann nur Themenbereiche abrufen, die wir eingegeben haben. Er hat ein Standardrepertoire auf Englisch. Er kann sagen, wie er heißt und wie es ihm geht. Den Rest müssen wir vorgeben“, erklärt Jürgen Handke, der als Sprachwissenschaftler ein Faible für linguistische Applikationen hat. „Wir wollen für Pepper zum Beispiel ein phonetisches Programm schreiben, damit er deutsche Namen wie Katharina Weber richtig aussprechen kann. Wir sind noch dabei auszuprobieren und zu evaluieren, was humanoide Roboter für die Lehre bringen können“, blickt er schon mal ein bisschen in die Zukunft.

Prof. Jürgen Handke und sein Assistent Pepper ­begrüßten die Erstsemester. Foto:

Die erste Vorlesung von Pepper fand er „unglaublich unterhaltsam.“ Und das war sie auch, weil Pepper als Roboter eben Dinge sagen darf, die aus dem menschlichen Mund nicht mehr so lustig klingen. Er hat sich selbst vorgestellt mit den Worten: „Ich bin sehr intelligent und auch noch sehr hübsch.“ Die Studenten haben gelacht und später sogar Selfies mit Pepper gemacht.

Zwei Wochen hat ein Mitarbeiter Vollzeit diese Vorlesung für und mit Pepper vorbereitet. „Der Aufwand ist gigantisch“, beschreibt Jürgen Handke. Aber er fühlte sich wunderbar unterstützt. Denn während Pepper die Erstsemester mit einem Quiz beschäftigte und gleichzeitig die Zeit stoppen konnte, ist der Professor zu den Studenten und konnte ihnen beim Beantworten helfen. Das wäre ansonsten nur mit einer zweiten Lehrkraft oder Hilfskraft möglich gewesen, oder eben mit Pepper.

„Sechs bis sieben Minuten Zeit für die Studenten habe ich durch die Assistenz von Pepper gewonnen“, resümiert der Professor zufrieden und betont: „Genau darum geht es. Um Assistenz und Unterstützung und nicht ums Ersetzen von Menschen. Wie das allerdings in 50 Jahren aussieht, kann ich jetzt noch nicht absehen“, sagt Jürgen Handke mit einem Augenzwinkern. Nach dem Quiz stellte Pepper noch das Tutorium vor und es wurde wieder viel gelacht. Möglich gemacht hat das alles das Projekt H.E.A.R.T. (Humanoid Emotional Assistant Robots in Teaching), das den Komplex „Roboter im Alltag“ im Hochschulkontext qualitativ untersucht (die OP berichtete). Pepper funktioniert schon mal.

von Katja Peters

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