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Riedels Traum: Marburg ohne Autobahn

Dezernentenstellen Riedels Traum: Marburg ohne Autobahn

Der Michelbacher Thomas Riedel möchte sich am kommenden Freitag im Stadtparlament zum Stadtrat wählen lassen. Im OP-Gespräch erläutert er seine politischen Vorstellungen.

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Thomas Riedel (kleines Bild) will Stadtrat und damit einen Schreibtisch im Marburger Rathaus bekommen. Er hofft, sich in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vorstellen zu dürfen.

Quelle: Grafik/Foto: Nikola Ohlen/ Thorsten Richter

Marburg. „Ich möchte für frischen Wind und neue Ideen sorgen“, verspricht Thomas Riedel (52). Er hat auf die öffentliche Ausschreibung der Stadt Marburg reagiert und seine Kandidatur für den Posten des Stadtrats eingereicht. Favoritin für die Wahl ist Kirsten Dinnebier (SPD), die von dem Bündnis aus SPD, CDU und Bürger für Marburg (BfM) unterstützt wird. Riedel weiß, dass er nur Außenseiterchancen hat, aber: „Ich hoffe, dass ich Gelegenheit haben werde, meine Ideen in der Stadtverordnetenversammlung zu präsentieren.

„Parteien sind in der Bundespolitik wichtig“, sagt Riedel, „im lokalen Umfeld sollte man ­jedoch weniger auf das Parteibuch schauen und mehr pragmatische Lösungen für anstehende Probleme finden. Kompromiss-Personalien aus politischem Kalkül und Machtstreben bringen die Stadt nicht voran.“ Als Parteiloser sei er „pragmatisch und unvoreingenommen“ und könne zudem seine berufliche Erfahrung aus Wirtschaft und Industrie einbringen.

Sollten die Stadtverordneten ihn am Freitag tatsächlich wählen, wird Riedel in Magistrat und Verwaltung „erst einmal zuhören und mir ein Bild machen.“ „Ich kenne die Marburger Politik nicht allzu intensiv“, sagt der Michelbacher, der Vorsitzender der Bürgerinitiative Windkraft Görzhausen ist.

Ansiedlung zusätzlicher Industriebetriebe in Marburg

Eines seiner wichtigsten Anliegen ist die Ansiedlung zusätzlicher Industriebetriebe in Marburg. „Wer langfristig Marburg entwickeln will, kommt um die Neuansiedlung von Industriebetrieben nicht herum“, sagt Riedel. Die Stadt dürfe nicht abhängig von einer Handvoll Industriebetrieben sein. „Die Stadt muss Anreize schaffen und geeignete Flächen zur Verfügung stellen“, sagt er - etwa in Gisselberg, dort sei noch Platz, und ein Anschluss an die B3 relativ problemlos möglich, um die Anwohner zu entlasten. Auch die Flächen der Umlandgemeinden Marburgs sollten in Form von interkommunalen Gewerbeparks kein Tabuthema sein. „Aber ich will keine verbindlichen Vorgaben machen, sondern Ideen im Gespräch mit allen Betroffenen entwickeln.“

Das gilt auch für Riedels zweites Zukunftsthema, der Altenpolitik. Riedel bezweifelt, ob die Stadt die Expertise hat, um hier eigenständig Konzepte für die Zukunft umzusetzen. „Vielleicht ist es sinnvoller, diese Aufgaben gemeinnützigen Trägern zu überlassen, die unabhängig von der Politik handeln und versorgen können“, sagt Riedel. Alten Menschen, die ihr eigenes Zuhause nicht mehr bewirtschaften könnten, müsse aber eine attraktive Alternative angeboten werden - auch baulich. „Die Leute müssen gerne umziehen wollen, ohne vor einer großen Institution Angst haben zu müssen.“

Schwerpunkte in der Haushaltspolitik will Riedel erst setzen, wenn er sich weiter in die Thematik eingearbeitet hat. ­Generell gilt für ihn, dass „man nur das Geld ausgeben kann, welches man auch eingenommen hat, in der Vergangenheit handhabte die Marburger ­Politik dies umgekehrt.“ Und in der Sozialpolitik solle die Stadt den Schwerpunkt darauf legen, „Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, zu helfen.“

FDP unterstützt die Bewerbung

Riedel sagt von sich, er wohne nicht nur gerne in Marburg, sondern er lebe auch gerne hier. Insofern hat das Thema Lebensqualität für ihn einen hohen Stellenwert, und deshalb teilt er die Vision, dass die Stadtautobahn irgendwann einmal eingetunnelt ist. „Stellen Sie sich einmal Marburg ohne eine oberirdische Stadtautobahn vor“, sagt er und träumt von kleinen Grünflächen und kleinteiliger Wohnbesiedlung dort, wo heute Lkw und Pkw über Beton rasen.

Die FDP unterstützt die Bewerbung von Thomas Riedel auf den Stadtratsposten. „Wir begrüßen die Bewerbung eines Unabhängigen und Parteilosen“, sagt Fraktionschef Christoph Ditschler. Er sei eine „wählbare Alternative“ für jene Stadtverordneten, die sich nicht an Parteidisziplin und Fraktionszwang halten wollen.“ Grünen-Fraktionschefin Dr. Elke Neuwohner begrüßt „im Grundsatz“ die Kandidatur eines parteiunabhängigen Bewerbers, der auf eine öffentliche Ausschreibung hin reagiert. Ihre Fraktion werde aber nur schwerlich einen Bewerber unterstützen, der den geplanten Bau von Windkraftanlagen am Görzhäuser Hof ablehnt. Die Marburger Linke will ihre Haltung in einer Fraktionssitzung Anfang der Woche festlegen, sagte Co-Fraktionschefin Renate Bastian.

von Till Conrad

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