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Rettung aus Riesenrad glückt

Probe für den Ernnstfall Rettung aus Riesenrad glückt

Schwindelfrei müssen sie sein die Höhenretter des Landkreises. Am Freitag trainierten sie den Ernstfall auf spektakuläre Weise: Die Rettung aus der Gondel eines Riesenrades.

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Dominik Riehl (großes Bild links) und Florian Haffer klettern in 38 Metern Höhe in die Gondel des Riesenrads, um „Patientin“ Michaela Schrodt zu retten.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Plötzlich Stop! Die Gondel des Riesenrads dreht sich nicht mehr. Gefangen in luftiger Höhe. Der Wind weht ihr eiskalt um die Nase, als Michaela Schrodt nach unten blickt. 38 Meter geht es in die Tiefe. Für viele Menschen ein Horrorszenario.

Doch die 26-Jährige lächelt. Es handelt sich „nur“ um eine Übung der Höhenretter des Landkreises.

„Wir mussten das Riesenrad einfach nutzen. Das ist ­eine einzigartige Chance“, erklärt Alexander Gröb. Der Einsatzleiter der Höhenretter steht unten vor dem Riesenrad und blickt nach oben zu seiner Freundin Michaela, die heute­ das „Opfer“ spielt.

Schwindelfrei müssen sie sein, die Höhenretter des Landkreises. Am Freitag trainierten sie den Ernstfall auf spektakuläre Weise: Die Rettung aus der Gondel eines Riesenrades.

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Er ist die Ruhe selbst, denn er vertraut seinem Team, das gerade noch einmal ihre zahlreichen Seile, Karabiner und Haken checkt. Dominik Riehl und Florian Haffer machen sich auf den Weg nach oben. Das erste Stück über ein paar Leitern am Fahrgeschäft ist kein Problem. Doch dann wird es knifflig. Der 28-Jährige und der 37-Jährige müssen am Gestänge des Riesenrads hinaufklettern. Hochkonzentriert setzen sie einen Fuß vor den nächsten, haken ihre Sicherungen immer ein Stück höher, bis sie schließlich in 38 Metern ­Höhe angekommen sind.

Wie Ameisen sehen die Schaulustigen unten am weit entfernten Boden aus. Die Gondel schaukelt, als Riehl und Haffer über den Rand klettern. Mit ruhigen Bewegungen sichern sie die „Patientin“, die zugibt, dass sie jetzt „doch ein bisschen Angst hat“.

Riehl und Haffer checken ihre Sicherungen doppelt, bevor sie die kleine Tür der Gondel öffnen und über Funk das „O.K.“ zum Abseilen geben. Dann geht alles ganz schnell: Sorgsam und vorsichtig lässt sich Dominik Riehl mit seiner an ihn gesicherten „Patientin“ in die Tiefe gleiten. Nach 38 Metern hat Michaela Schrodt wieder sicheren Boden unter den Füßen. Sie lacht: „Die Jungs wissen eben, was sie tun.“

Riesenradfahrer müssen übrigens keine Angst haben, dass sie einmal in eine solche Situation kommen. „Selbst falls mal der Strom ausfallen sollte, können wir die Bremse lösen, sodass alle Gondeln wieder sicher­ nach unten kommen“, versichert Ludwig Landwehrmann, Betreiber des Riesenrads auf dem Blochmann-Platz.

von Nadine Weigel

Hintergrund
Die Höhenrettungsgruppe­ des Landkreises Marburg-Biedenkopf wurde 2013 gegründet und besteht aus 16 Einsatzkräften, die sich zur Hälfte aus freiwilligen Feuerwehrleuten und aus Mitarbeitern der Rettungsdienste des DRK und der Malteser zusammensetzen. Das Team kommt zum Einsatz, wenn es um das Retten von Personen oder um technische Hilfeleistungen in Höhen oder Tiefen geht. Das sind Einsätze, bei denen Feuerwehr und Rettungsdienst mit herkömmlichen Mitteln wie Drehleitern und Fachwissen an ihre Grenzen stoßen.
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