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Radlosigkeit

Typologie: Radfahrer in Marburg Radlosigkeit

Sie sind Opfer der Verkehrspolitik, aber wegen ihrer Ökobilanz ihren Peinigern moralisch überlegen: Fahrradfahrer. Von ihnen gibt es in Marburg viele und diese Typen kennt jeder – eine OP-Satire.

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Symbolfoto: Radfahrertypen in Marburg

Quelle: dpa

Marburg. Marburg. Eine Schande ist es, dass Regeln auch für Radfahrer gelten. Sie müssen an Ampeln auf das grüne Signal warten, um weiterradeln zu können. Sie dürfen nur mit Mindestabstand überholt werden. Sie müssen sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, unterliegen bald einer Helmpflicht und werden von Behörden genötigt, Kennzeichen vorne wie hinten an ihren Transportmitteln anzubringen. Ständig werden bei ihnen Kontrollen auf Drogenkonsum durchgeführt. „Freie Fahrt für freie Radler“? Davon kann in der Universitätsstadt nun wirklich keine Rede sein.

Vom Sattel zu steigen, auf den Bürgersteig zu wechseln und von dort hinter der Ampel nebeneinander wieder loszufahren – mit Kopfhörern und Musik auf den Ohren, dafür ohne Helm auf dem Kopf – Fußgänger schneiden, ist dementsprechend kein böser Wille, keine Rüpelei – es ist einfach Protest gegen diktatorische Verkehrsregeln.

Radfahrer, immer um das Gemeinwohl besorgt, kämpfen letztlich mit ihrem Alltags-Aufbegehren für uns alle. Ohne sie wären wir ... radlos.

von Björn Wisker

Anhänger-Insassen Die kleine Lavinia-Henriette wird mit einer rollenden Sänfte durch die Leopold-Lucas-Straße transportiert. Desinteressiert nimmt sie das Strampeln der Helikopter-Eltern zur Kenntnis, während sie in ihrem fahrbaren Zelt auf dem Smartphone herumdrückt. Der Mama ist es egal: Kinder müssen sich frei entfalten dürfen, Indidivuen werden.
Der E-Bike-Ruheständler Das unerotische Surren kündigt ihr Näherkommen vor allem auf Radwanderwegen an – gerne nebeneinander fahrend. Die Breite  des Weges blockieren sie dabei auch aufgrund ihrer Leibesfülle, die in ursächlichem Zusammenhang zur Wahl des motorisierten Verkehrsmittels stehen könnte.
Die Hollandrad-Ökos Bioprodukte von Denn‘s im Körbchen, Chai-Latte im Klimaschutz-Kaffeebecher, Batik-Klamotten am Leib und Apple-Produkte am Ohr: Da geht das Geld hin, nachdem man sich auf der semesterigen Marburger Fahrradversteigerung für 2,78 Euro ein aus der Lahn gefischtes Rost-Modell besorgt hat.
Der Liegeradfahrer Mama und Papa wussten es schon immer: Ihr Nachwuchs ist nicht wie all die anderen, hebt sich ab von der Masse. Drei Jahrzehnte später ist das zu dessen Verkehrs-Einstellung geworden, man möchte auffallen. Das gelingt dem Sattel-Sonderling besonders gut an Marburger Bergen, wo er sich wildem Gehupe erwehren muss.
Der Kampfradler Vorhin noch im Teilnehmerfeld der Tour de France, nun auf dem Lahnradweg: Der natürliche Feind des stets im Profi-Trikot daherkommenden Sportlertyps ist der gemeine Fußgänger. Diese Plage wird nicht weg-geklingelt, sie wird im Abstand von drei Zentimetern mit einem Überschallknall überholt.
 Promille-Pedaltreter Nachtaktiv, vor allem auf schlecht beleuchteten Kreisstraßen zugegen. Radmodell ist mangels Rad-Enthusiasmus eher ein Drahtesel aus Weltkriegszeiten. Bildet sich mit dem Verzicht auf die Autoanreise zum Vereinsfest ein, verantwortungsbewusst zu sein. Entdeckt am Folgemorgen mehrere unerklärliche Schrammen am Körper.
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