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Radleihsystem wird ausgewechselt

Verkehr Radleihsystem wird ausgewechselt

Das Fahrradverleihsystem "Call a Bike" steht in Marburg vor dem Aus. Nach dem 30. September wird der Anbieter, die Deutsche Bahn, das Angebot einstellen. Tausende Nutzer sind davon betroffen, aber Ersatz gibt es bereits.

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Bisher können in Marburg 150 Fahrräder an 22 Stationen, etwa in der Frankfurter Straße, ausgeliehen werden. Nun steht ein Anbieterwechsel an. Der Asta hatte zuvor den Vertrag mit der Deutschen Bahn, die „Call a Bike“ betreibt, nicht verlängert. Foto: Björn Wisker

Marburg. Der Radverleih in der Universitätsstadt boomt, zwischen Januar 2016 und April dieses Jahres ist die Zahl der „Call-a-Bike“-Kunden von 5100 auf 8000 gestiegen. In den Sommermonaten gibt es nach Angaben der Deutschen Bahn bis zu 25000 Buchungen. Trotzdem hat der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Philipps-Universität den Vertrag über den 30. September hinaus nicht verlängert. Die Kommune und die Stadtwerke haben sich mit 50000 Euro - was 50 Fahrrädern entspricht - am Ausbau der mittlerweile 200 Räder zählenden Flotte beteiligt. Diese Vereinbarung ist seitens des Magistrats ebenfalls bis Ende September begrenzt.

Bei der Betrachtung der „steigenden Akzeptanz seitens der Nutzer sei der Schritt „bedauerlich“, sagt Dominic Dehmel (SPD), Stadtverordneter und Verkehrspolitiker auf OP-Anfrage. Das Fahrradverleihsystem sei „ein wichtiger Baustein in der Marburger Verkehrspolitik“, deshalb hätten Stadt und Stadtwerke auch Geld investiert, um die Radflotte zu erweitern. „Wir haben ein großes Interesse daran, dass Bürger häufiger das Auto stehen lassen und das Fahrrad nutzen.“

Asta-Verkehrsreferent Cornelius Hansen sagt: „Es war von Beginn an ein befristeter Vertrag und damit klar, dass wir Konditionen neu verhandeln werden.“ Ursprünglich lief der Vertrag mit der DB bis 31. März, wurde für ein Semester verlängert, aber das Folgeangebot der Deutschen Bahn sei nicht mehr infrage gekommen. Da das Verleihsystem „super angenommen“ werde, sei „das Ob einer Fortführung nie das Thema gewesen, nur das Wie und mit Wem“.

Neuer Anbieter steht fest

Einen Ersatzanbieter gibt es bereits - als neuer Verleihanbieter soll „Nextbike“ ab Herbst DB ablösen. Das Leipziger Unternehmen, das in 23 Ländern auf vier Kontinenten Fahrräder vermietet, hat dem Marburger Asta - sowie anderen hessischen Universitäten - ein „preislich wie qualitativ besseres“ Konkurrenzangebot abgegeben. „Die Wirtschaftlichkeit ist ein zentraler Aspekt, immerhin geht es um das Geld der Studenten, die das System über ihren Semesterbeitrag bezahlen“, sagt Hansen. Für sie sinkt ab Herbst die Pflichtumlage von 2,38 Euro auf 1,50 Euro. Das Studierendenparlament hat dem Neuvertrag Mitte Mai bereits zugestimmt, nur die Uni-Genehmigung steht noch aus.

Durch den Anbieterwechsel fordert Dehmel eine „weiterhin große Zahl von zur Verfügung stehenden Fahrrädern“. Und diesen Erhalt von bisher verfügbaren 150 Rädern an 22 Stationen bestätigt Nextbike auf OP-Anfrage. Man sei an einer „Weiterentwicklung des Systems“ interessiert und werde das „eng mit Studenten und Stadt abstimmen“, sagt Unternehmenssprecherin Mareike Rauchhaus. Der Magistrat signalisiert ebenfalls bereits Gesprächsbereitschaft, um den Beitrag zur Flottenvergrößerung auf 200 zu erhalten.

Im Gegensatz zu DB, die in der Universitätsstadt wohl nur gebrauchte Räder einsetzen wollten, kündigt Nextbike den Betrieb mit neuen Modellen an. „Das ist ein Qualitätsaspekt“, sagt Hansen. Für die Nutzer solle sich - bis auf die Art des Buchungsvorgangs - nichts ändern. Eine bundesweite Nutzung etwa bleibe bestehen. Der Magistrat hält es überdies für „denkbar“, dass eine den Studenten gleichgestellte Nutzung für die städtischen Bediensteten ins kommende Tarifsystem integriert werde.

Bisherige Call-a-Bike-Nutzer überrascht der bevorstehende Betreiberwechsel, sehen diesen aber gelassen: „Solange es genauso einfach funktioniert und die Infrastruktur so erhalten bleibt, ist mir egal, wer die Fahrräder aufstellt. Hauptsache, man kann fahren“, sagt Edwin de Groer (21) bei einer OP-Umfrage. „Billiger ist selten besser. Ich hoffe, dass man dem bekannten und bewährten System nicht nachtrauern muss“, sagt Konstantin Lies (24).

„Jetzt habe ich mich gerade an die Benutzung gewohnt, da kommt schon was Neues. Aber ob das nun rote, blaue oder rosa Räder sind, spielt keine Rolle“, sagt Maja Anders (26).

von Björn Wisker

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