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RP sieht keinen Grund für einen Baustopp

Klein-Windkraftanlage am Sellhof RP sieht keinen Grund für einen Baustopp

Mit der geplanten Klein-Windkraftanlage am Oberen Rotenberg wollen die Stadtwerke Marburg vor allem testen, ob sich kleine Anlagen für den privaten Verbrauch rechnen.

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Die Klein-Windkraftanlage am Oberen Rotenberg in der Nähe eines Ausflugslokals kann gebaut werden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Bauteile sind bereits angeliefert, die Baugenehmigung ist erteilt: Die Stadtwerke Marburg stehen „Gewehr bei Fuß“ für die Errichtung einer Klein-Windkraftanlage am Oberen Rotenberg, 160 Meter Luftlinie von einer Ausflugsgaststätte entfernt.

Wie der technische Geschäftsführer der Stadtwerke, Rainer Kühne, erläutert, hat die Anlage vom Typ „Antaris 7.5“ eine Nabenhöhe von 21 Metern – das ist deutlich weniger als der direkt nebenan gelegene Sendemast auf der Wehrshäuser Höhe.

Ohnehin wird die Anlage die Energiewende nicht wirklich voranbringen: Mit einer Leistung von 7,5 Kilowatt kann sie, schätzt Kühne, ungefähr – natürlich je nach Windstärke und Betriebsdauer – den Verbrauch eines Vier-Personen-Haushalts decken. Die Stadtwerke investieren in die Anlage etwa 40.000 Euro, teilte Kühne der OP auf Anfrage mit – auch als Anschauungsobjekt, welche Möglichkeiten es bei der Energiegewinnung für Privatleute gibt.

„Wir wollten eine Anlage bauen, deren Genehmigung niedrigschwellig ist“, formuliert Kühne die Strategie der Stadtwerke. Der Bau musste nicht nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) geprüft werden. Ein einfacher Bauantrag reichte aus. Die Genehmigung liegt inzwischen vor, teilte Kühne mit. Voraussetzung war, dass die Stadtwerke eine zentrale Auflage erfüllen: nämlich dafür zu sorgen, dass in der Nähe beheimatete Fledermäuse durch den Betrieb nicht gefährdet werden.

Ortsbeiräte lehnen Projekt ab

Die Stadtwerke wollen dies durch einen sogenannten Abschalt-Algorithmus erreichen: ein Regelwerk also, das genau definiert, wann die Anlage sich automatisch abschaltet. Um zu gewährleisten, dass die nachtaktiven Kleinsäuger durch die Rotoren nicht gefährdet, gar geschreddert werden, werden die Rotoren immer dann abgeschaltet, wenn die Fledermäuse aktiv sein könnten: vom Frühling bis zum Herbst, bei Temperaturen von mindestens sieben Grad und einer Windstärke von weniger als sechs Metern pro Sekunde, und das in der Zeit von einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang. „Damit“, sagt Kühne, „ist gewährleistet, dass Fledermäuse durch unsere Anlage nicht gefährdet werden.“ In der restlichen Zeit soll die Anlage laufen.

Die Ortsbeiräte in Marbach und Wehrshausen hatten das Projekt abgelehnt, der Wirt des Ausflugslokals äußerte gleichfalls schwere Bedenken gegen das Vorhaben. Der Ortsbeirat Wehrshausen stellt den Bau grundsätzlich infrage. Er wirft als Argument in die Waagschale, dass in Wehrshausen eine Graureiher-Kolonie aufgetaucht sei.

Zudem argumentiert er mit der „garantierten Unwirtschaftlichkeit“ der Klein-Windkraftanlage aufgrund der häufigen Abschaltzeiten. Es handele sich daher um „ein Störobjekt, dessen Auswirkungen auf Natur und Landschaft unklar sind“, wie Andreas Bergmann, Ortsvorsteher von Wehrshausen, sagt. Beim Regierungspräsidium (RP) hat das Gremium deswegen Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt und einen Baustopp verlangt. Nach Auskunft von Bürgermeister Dr. Franz Kahle hat das RP die Stadt daraufhin um Unterlagen gebeten, aber telefonisch bereits mitgeteilt, dass es keinen Grund für einen Baustopp sehe.

von Till Conrad

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