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„Pubertierender Über-50-Jähriger“

Aus dem Landgericht „Pubertierender Über-50-Jähriger“

Ein Wohnortwechsel weg vom Südviertel sei zu empfehlen, meinte Richter Dr. Marco Herzog, wohnen dort doch noch einige der vom Angeklagten überfallenen Frauen.

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Der Angeklagte musste sich vor dem Landgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Einweisung in eine psychiatrische Klinik, die gegen strikte Auflagen auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird – so lautet das Urteil der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Marburg zu einem geistig verwirrten Marburger, dem fachärztlich bestätigt eine paranoide Schizophrenie attestiert wurde.

Am letzten Prozesstag schilderte eine Zeugin noch einmal eindrücklich, wie ein verwirrter Mann vor etwa einem Jahr am Hirsefeldsteg auf sie zugerannt kam, sie anrempelte, schüttelte und schließlich wegschleuderte. Sie habe sich nur mühsam an der Hecke vor der Kita festhalten können, um einen Sturz zu vermeiden. Der Schreck des unerwarteten Angriffs habe noch lange nachgewirkt, berichtete die Studentin.

Ausführlich gerieten anschließend der Bericht und auch die weitere Befragung von Dr. Angelika Marc, leitende Ärztin an der forensischen Psychiatrie in Haina. Sie berichtete, dass der 1965 Geborene als eines von drei Kindern in normalen Verhältnissen aufwuchs. Mit anfänglich guten schulischen Noten schaffte er sein Abitur gerade so. Nach der Bundeswehrzeit in Stadtallendorf nahm er ein Studium der Informatik in Darmstadt auf, wo er wohl einen ersten schizophrenen Schub erlitt.

Es folgte eine psychiatrische Behandlung und der Versuch, das Studium wiederaufzunehmen, welcher erneut scheiterte. Schließlich erlernte er den Beruf des Steuerfachgehilfen. Wenige Anstellungen endeten bereits in der Probezeit. Er sei ein schlechter Mitarbeiter gewesen, habe er von sich selbst behauptet, berichtete Angelika Marc.

Frauen ans Gesäß gefasst

Dann die ersten Vorfälle, wo er sich unbeholfen dem weiblichen Geschlecht genähert habe, den Frauen ans Gesäß fasste. Er wurde zum ersten Male verurteilt. Es folgte eine kurze stationäre Behandlung. Anschließend wohnte er wieder bei den Eltern. Gleich mehrfach bat er freiwillig um psychiatrische Hilfen. Alkohol spielte fortan eine  zunehmend größere, aber nicht suchtartige Rolle im Leben des inzwischen langjährig Arbeitslosen. Er habe schließlich mit 45 Jahren aufgegeben, gab der Marburger an.

Die Fachärztin attestierte ihm eine paranoide Schizophrenie, die bei den ihm zur Last gelegten Taten vorgelegen habe. Dies bedeute, dass er schuldunfähig gewesen sei. Hinzu käme noch der Alkoholeinfluss.

Wir sprechen hier von einem „pubertierenden Über-50-Jährigen“, sagte Dr. Marc. Zwar deuteten alle Prognoseentwicklungen in eine ungünstige Richtung, wenn ihm aber ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt würde, er seine Medikamente regelmäßig einnähme und er mit einer forensischen Fachambulanz zusammenarbeiten würde, wäre auch ein Leben außerhalb des Maßregelvollzugs möglich.

von Heinz-Dieter Henkel

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