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Schüler putzen ihre Schule selbst

Protestaktion an der Martin-Luther-Schule Schüler putzen ihre Schule selbst

Der scheidende Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Bündnis 90/Die Grünen) möchte, dass die Stadt mit der Einstellung zusätzlicher Reinigungskräfte auf die Unzufriedenheit reagiert, die an der Martin-Luther-Schule (MLS) mit der Sauberkeit im Gebäude herrscht.

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Schüler der Martin-Luther-Schule legten selbst Hand an und reinigten ihre Schule.

Quelle: Jan-Christoph Freybott

Marburg. Am Donnerstagvormittag blieben in der Martin-Luther-Schule die Schulbücher zugeklappt. Stattdessen legten Schülerschaft und Lehrende selbst Hand an, um ihr Schulgebäude auf Hochglanz zu bringen – und um ein Zeichen zu setzen gegen die aus ihrer Sicht untragbaren Bedingungen im Schulgebäude.

Über das gesamte Schuljahr hinweg gab es immer wieder Differenzen zwischen der Reinigungsfirma und der Schule,­ ehe die steten Beschwerden der Schule dazu führten, dass die Stadt Marburg mit der Reinigungsfirma aufkündigte.

Da die Martin-Luther-Schule­ jedoch auch mit der Leistung der neuen Firma nicht zufrieden war und das Beschäftigungsverhältnis nach kurzer Zeit gekündigt wurde, fehlt seitdem ein konsistentes Reinigungskonzept.

„Feh­lende Konstanz ist das ­Problem“

Mehr schlecht als recht werden nur noch die Cafeteria und die Sanitärbereiche regelmäßig gereinigt, die Klassenräume nur sporadisch. Kein Zustand also, in dem auf Dauer produktiv gelehrt und gelernt werden kann, befand schließlich der Personalrat der Martin-Luther-Schule und rief im Namen des Kollegiums zum Putz-Protest auf.

Gefordert wird unter anderem, dass der Anteil an städtisch beschäftigten Reinigungskräften, der seit Jahren sinkt, wieder erhöht wird. „Private Reinigungsfirmen sorgen für andere Arbeitsbedingungen als städtische“, erläutert Stefan Höhbusch, Vorsitzender des Personalrats der MLS, weshalb es beim Personal der privaten Reinigungsfirmen eine hohe­ Fluktuation gäbe. „Die feh­lende Konstanz“, schlussfolgert Stefan Höhbusch, „das ist das ­Problem.“

Dabei bräuchte es gerade ­eine langfristige Bindung der Reinigungskräfte an die Martin-Luther-Schule, damit diese „sich mit der Schule identifizieren und die Besonderheiten der Schule kennen.“

Höhbusch: Haben großes Vertrauen in die Stadt

Die Stadt sieht dies ähnlich und versucht seit Jahren, den Anteil eigener Reinigungskräfte­ für die Schulen zu erhöhen. Das sei zwar teurer, bringe aber an den Schulen durchschnittlich eine höhere Zufriedenheit mit sich, sagt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne).

Die Schülerinnen und Schüler brachten also Putzutensilien mit und legten selbst Hand an, ehe sie sich alle auf dem Schulhof versammelten, wo Höhbusch sich direkt an die Stadt wandte: „Die Reinigungskräfte müssten auf lange Sicht an die Schule gebunden werden“, forderte er. Man wolle die Stadt nun ihre Arbeit machen lassen, schloss Höhbusch seine Rede, immerhin habe man großes Vertrauen darin, dass der Stadt etwas an der Schule läge. „Aber wenn das nicht funktioniert, stehen wir im August wieder hier.“

Kahle teilte am Montag mit, dass sein Dezernat die Einstellung städtischer Reinigungskräfte beim Magistrat beantragt habe. Und der „Reinigungsrückstand“, den es an der Schule gebe, soll jetzt in den Sommerferien aufgeholt werden.

von Jan-Christoph Freybott
 und Till Conrad

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