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Projektierer plant weiter mit vier Anlagen

Görzhäuser Hof Projektierer plant weiter mit vier Anlagen

Nicht vor Ende des Jahres wird die Firma Krug Energie aus Münchhausen ihren Antrag auf Errichtung von Windkraftanlagen ­nahe dem Görzhäuser Hof stellen.

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Thomas Riedel (links) und Kathrin Nowak-Wiedemann vom Vorstand der BI Windenergie Michelbach kämpfen gegen den Bau von Windkrafträdern auf dem Görzhäuser Hof.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Projektplaner Sven Kunze sagte der OP, Krug Energie plane intensiv und ­erörtere dabei auch die Entscheidung, ob drei oder vier Windkraftanlagen in der Nähe des Görzhäuser Hofs gebaut werden sollen.

Eine Vorentscheidung sei noch nicht gefallen, sagte Kunze. Damit widersprach er auch Berichten aus dem Ortsbeirat Wehrshausen, in denen es geheißen hatte, das vierte Windkraftrad sei vom Tisch. „Alle ­Bürger und die kommunalen Gremien werden aber vor Antragstellung umfassend informiert“, sagte Kunze. Berichte, nach denen ein zweiter Interessent, der Windkraft-Entwickler WKA aus Meißen, kein Interesse mehr an dem Projekt habe, wurden am Mittwoch von WKA nicht kommentiert.

Kunze ergänzte, auch eine endgültige Entscheidung für einen bestimmten Bautyp sei noch nicht gefallen. Krug Energie favorisiere aber Windkraftanlagen modernster Bauart, das heißt mit einer Gesamthöhe von mehr als 200 Metern. „Wir würden gerne mit Siemens planen“, sagte Kunze und begründete dies mit der Tatsache, dass Siemens eine der Standortfirmen am Görzhäuser Hof ist. „Siemens hätte dadurch eine Referenzanlage.“

BI zweifelt Wirtschaftlichkeit des Projekts an

Die Fläche ist überwiegend Eigentum der Pharmaserv GmbH. Nach gegenwärtigem Stand der Dinge bleibt es bei deren ­Bereitschaft, den Grund und Boden an einen Betreiber zu verpachten, sagte Pharmaserv-Geschäftsführer Thomas Janssen. Es gebe ein positives Votum des Michelbacher Ortsbeirats für das Projekt und die Zustimmung der Standortfirmen. Daran habe sich nichts geändert. Die Standortfirmen seien bei ihrer Zustimmung davon ausgegangen, dass eine Windkraftanlage aus dem Hause Siemens gebaut werde, sagte Janssen.

Derzeit, so Kunze, sei technisch unglaublich viel in Bewegung. Krug stehe nicht unter Zeitdruck. Die Zeiten, in denen man schnell bauen musste, um noch möglichst viel an Fördermitteln für die eingespeiste Energie zu erhalten, seien vorbei. „Aufgrund der Änderungen im EEG und in den Marktbedingungen kann man an vielen Stellschrauben drehen.“

Die „Bürgerinitiative Windkraft Görzhausen“ hat unterdessen an Krug Energie einen Brief geschrieben, in dem sie dringend darum bittet, dass der Projektierer Windkraftmessungen am Görzhäuser Hof vornehmen lässt. Bislang gebe es keine Beweise für die Wirtschaftlichkeit des Gebietes am Görzhäuser Hof, sagte BI-Vorsitzender Thomas Riedel der OP. Belastbare Aussagen über die Windhöffigkeit (Jahresmittel der Windgeschwindigkeit an einem bestimmten Ort in einer bestimmten Höhe) lägen nicht vor.

Krug kauft Winddaten 
von Stadtwerken

Kunze sagte der OP, dass die BI „zeitnah“ eine Antwort erhalten soll. Aussagen über Wirtschaftlichkeit könnten auch ­interpoliert werden. Krug Energie hat zur Bestimmung der Wirtschaftlichkeit des Standorts Görzhäuser Hof die Daten gekauft, die die Stadtwerke vor drei Jahren auf den nur sechs Kilometer entfernten Lahnbergen, am gescheiterten Standort Lichter Küppel und Bürgelner Gleichen, erhoben hatten. Das bestätigte auch Stadtwerke-
Sprecherin Sarah Möller. Auch andere Interessenten hätten diese Daten erworben.

Die Ertragsdaten der kleineren Windkraftanlagen in Wehrda seien nur bedingt verwertbar, sagte Kunze – aber mit den Daten, die am Lichten Küppel erhoben worden sind, könne eine hinreichend präzise Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellt werden. Dies sei nicht nur für die Teilnahme an der EEG-Ausschreibung, sondern auch mit Blick auf die Finanzierung des Vorhabens durch die Banken wichtig. Riedel hatte darauf hingewiesen, dass der Wind in Wehrda im Jahresdurchschnitt mit nur vier Meter/Sekunde bläst – „zu wenig, um eine Windkraftanlage wirtschaftlich zu betreiben“.

Die Kritik der BI zielt deswegen unter anderem auf die hohe Subvention von per Windkraft erzeugtem Strom, die auch Anlagen in Schwachwindgebieten trotz mangelnder Wirtschaftlichkeit rentabel mache, wie Riedel sagte.

BI bereitet sich auf 
Bürgerentscheid vor

Die neu gewählte zweite Vorsitzende der BI, Kathrin Nowak-Wiedemann, kündigte gegen­über der OP weitere Aktionen gegen die geplante Errichtung der Windkraftanlagen an. Die BI prüft derzeit einen Bürgerentscheid gegen die Genehmigung dieser Anlagen.

In einem ersten Schritt sind dafür rund 3000 Unterschriften nötig. Das Stadtparlament müsste anschließend das Bürgerbegehren für gültig erklären, kann dies aber unter bestimmten Voraussetzungen auch verweigern, wenn nicht alle formalen Voraussetzungen erfüllt sind. In einem zweiten Schritt würde dann über das von den Initiatoren formulierte Anliegen abgestimmt.

Nötig für den Erfolg wäre eine Wahlbeteiligung von mehr als 20 Prozent der Marburger Wahlberechtigten und die Zustimmung der Mehrheit der ­Abstimmenden.

Der Bürgerentscheid könnte dann möglicherweise mit der Landtagswahl im kommenden Jahr zusammenfallen. Die Kosten für die Vorbereitung des Bürgerentscheids schätzt die BI im hohen vierstelligen Bereich ein. Die Bürgerinitiative sei inzwischen als gemeinnützig anerkannt, berichtet in diesem ­Zusammenhang Riedel.

Zunächst sammelt die BI weitere Argumente gegen den Bau von drei bis vier Windkraftanlagen am Görzhäuser Hof. Unter anderem hat sie 34 Großvogelhorste in dem beplanten Gebiet nachgewiesen und sich neun von ihnen auch notariell bestätigen lassen, wie Nowak-Wiedemann berichtet.

von Till Conrad

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