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Partikeltherapie gibt kleinem Emil Hoffnung

Hirntumor Partikeltherapie gibt kleinem Emil Hoffnung

Der knapp zwei Jahre alte Emil aus Schwalmstadt ist das erste Kleinkind, das in der Partikeltherapie-Anlage auf den Lahnbergen behandelt wird.

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Der kleine Emil wird im MIT behandelt.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Gemeinsam mit seinen Eltern Lena Quahl und Marc Hussmüller kam der kleine Emil gestern Morgen bereits zu seiner 27. Bestrahlung in das Marburger Ionenstrahlzentrum (MIT) auf den Lahnbergen. Für Emil sind diese Termine bereits Routine.

„Er kommt hierhin, wie wenn er in den Kindergarten geht“, erläuterte Professorin Rita Engenhart-Cabillic, Leiterin der Strahlentherapie in Marburg und Gießen, bei einer Pressekonferenz. Geduldig nahm der Zweijährige auch die weiteren Prozedur in Kauf wie die Narkose und die millimetergenaue ­Fixierung auf einer Liege, bevor dann in dem Behandlungsraum die präzise, punktgenaue Bestrahlung mit einer Kombination aus Protonen und Kohlenstoff­ionen auf ihn eingestellt wurde. Diese dauert dann pro Sitzung zweimal zwei Minuten.

Angesetzt war das Pressegespräch im MIT auf den Lahnbergen, weil die Fallgeschichte­ des bislang jüngsten Patienten dieser Einrichtung der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollte. Die Routinetermine sind überlebenswichtig für Emil, der an einem seltenen kindlichen Hirntumor (Sarkom) leidet, der besonders bösartig ist und in 50 Prozent aller Fälle zum ­Tode führt.

Entdeckt wurde dieser Tumor, als Emil im ­Oktober vergangenen Jahres bereits mit einer halbseitigen Lähmung als Notfall in das Marburger Uni-Klinikum eingeliefert wurde. Hinzu kamen als Symptome noch Schwitzen und starke Kopfschmerzen.

Nach der computertomographischen Untersuchung durch den Neurochirurgen Professor Christopher Minsky musste dann alles sehr schnell gehen, denn dabei wurde eine Einblutung in den Tumor entdeckt. Ohne die sofort folgende Notoperation wäre Emil auf jeden Fall gestorben, erläutert ­Engenhart-Cabillic. Dabei konnte ein großer Teil des Tumors entfernt werden. Im Nachgang ist jedoch noch eine Kombination aus Chemotherapie sowie der Protonen- und Kohlenstoffionen-Strahlentherapie notwendig.

"Ein kleiner Kämpfer"

„Wir sind sehr dankbar, dass es bisher so gut geklappt  hat“, sagte Emils Mutter Lena Quahl im Gespräch mit den zahlreich erschienenen­ Medienvertretern. Dabei sei es­ allerdings auch sehr wichtig,­ dass ihr Sohn „ein kleiner Kämpfer“ sei und nicht aufgebe. Und mittlerweile sei auch eine Besserung eingetreten, so dass sie in den vergangenen sechs Wochen „ein bisschen ­Leben“ und ganz normalen Alltag mit ihm erleben konnte. Wir wünschen uns für die Zukunft, dass Emil ein ganz normales Kind wird“, ­sagte seine Mutter. Mit seinem ­Lebensmut scheint  Emil auch seine Eltern anzustecken. „Wenn wir nicht ein so tolles Kind hätten, dann hätten wir längst aufgegeben“, erläuterte Emils Vater. Und Emils Mutter fügt hinzu, dass es bei der Diagnose der schweren Erkrankung eigentlich nur geringe Heilungschancen gebe. Beide Eltern wollten mit dem Patientenschicksal ihres Sohnes auch deswegen an die Öffentlichkeit gehen, um anderen Eltern in vergleichbarer Situation zu zeigen, dass man diese anpacken und bewältigen könne.

Hirntumore im Kindesalter zählen eigentlich zu den eher häufigen gefährlichen Erkrankungen. Dass ein Hirntumor allerdings so frühzeitig auftritt und einen so bösartigen Verlauf hat, ist eher selten, erläutert Engenhart-Cabillic.

Das besonders Schwierige darin ist, dass die Entwicklung des kindlichen Gehirns erst ab dem 5. Lebensjahr abgeschlossen ist und man mit Eingriffen äußerst vorsichtig sein muss. „Durch zusätzliche Untersuchungen würden wir ihn außerdem noch weiter belasten“, erläutert Dr. Barbara von Zezschwitz, die behandelnde Ärztin des Jungen.

Behandelt wird der kleine Patient standortübergreifend in Marburg und Gießen.

Im MIT ist er bisher der jüngste Patient. Insgesamt seien in 18 Monaten bisher 270 Patienten in der hochmodernen Strahlentherapieanlage auf den Lahnbergen behandelt worden, erklärt Engenhart-Cabillic.

von Manfred Hitzeroth

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