Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 1 ° Sprühregen

Navigation:
Parkautomaten geknackt

Aus dem Amtsgericht Parkautomaten geknackt

Beide Angeklagten räumten zu Beginn der Verhandlung die drei Fälle von Diebstahl ein.

Voriger Artikel
„Lachen verbindet Generationen“
Nächster Artikel
Mutmaßlicher Räuber vorläufig festgenommen

Die beiden Angeklagten mussten sich für den Aufbruch von drei Parkscheinautomaten verantworten.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die zwei angeklagten Halbbrüder hatten sich vor Amtsrichterin Annika Woltmann dafür zu verantworten, dass sie mehrere Parkscheinautomaten aufgebrochen und das darin enthaltene Geld gestohlen hatten. „Ganz ehrlich, bei uns war damals so ziemlich alles im Arsch, was unser Leben anging. Ich hatte mich von meiner Freundin getrennt, konnte­ meine Kinder nicht sehen und verlor den Job“, erinnert sich der heute 38-jährige Ältere der beiden Angeklagten. „Ich war damals auch arbeitslos und sah keine Perspektive und kam daher auf die Idee. Zusammen sind wir dann losgezogen, einfach auf die Autobahn und ­haben spontan entschieden, wo wir es versuchen“, berichtete der neun Jahre Jüngere der beiden gebürtigen Kölner.

Wirklich geplant oder ausgekundschaftet hatten die beiden keines der Parkhäuser, sie versuchten es auf gut Glück und fanden im Marburger Lahncenter einen seinerzeit noch leicht zu knackenden Automaten. „Das geht nicht bei allen Geräten so gut, aber wenn es noch das einfache System ist, braucht man da mit ‘nem Ziehfix, ‘nem Schraubenzieher und ‘ner Ratsche keine zwei Minuten“, ­bemerkte der Jüngere, der eine Lehre zum Metallbauer abbrach und mittlerweile wie sein Bruder als Gerüstbauer tätig ist.

Nachdem die Angeklagten bei ihrem ersten Versuch am 6. Oktober 2015 im Lahncenter immerhin 2 950 Euro erbeutet hatten, gelang ihnen ein weiterer Raubzug in Gießen, allerdings mit nur 845 Euro Beute. Als sie es daraufhin gleich am 12. Oktober noch einmal im Marburger Parkhaus probieren wollten, entdeckte sie dabei der Betreiber über die Videokamera. Der als Zeuge Geladene berichtete, dass er die Polizei rief und die beiden dann konfrontierte. „Naja, ich hab‘ halt gemerkt, dass die jetzt eher nicht gefährlich sind, sondern nur aufs Geld aus waren, da bin ich hin und hab‘ gleich gesagt: ,Jungs die Polizei ist schon informiert!‘“

Die Brüder flüchteten in einem geliehenen Smart, allerdings wurde das Fluchtfahrzeug bald von der Polizei eingeholt und die Diebe wurden in Gewahrsam genommen. Der bereits mehrfach wegen Diebstahls auf Bewährung vorbestrafte Jüngere der beiden berichtete, dass die Untersuchungshaft bei ihm schließlich den Willen geweckt habe, sein Leben entscheidend zu ändern.

Nur Scheine mitgenommen

Der Schaden war zwar nicht unerheblich, blieb aber aufgrund eines Details in einem gewissen Rahmen „Wir haben immer nur schnell die Scheine mitgenommen, für die Münzkassetten braucht man ‘ne Brechstange und dann ist alles im Eimer“, erklärte der Ältere. Für den Betreiber kam es allerdings trotzdem zu einer unliebsamen Veränderung im Geschäft, wie er feststellte: „Mittlerweile leeren wir die Automaten sicherheitshalber mindestens zwei Mal pro Woche, damit da gar nicht ausreichend Geld bleibt, was natürlich enorm aufwendig ist.“

Heute haben beide Angeklagte einen unbefristeten Arbeitsvertrag bei derselben Firma mit einem Nettoverdienst von je 1 600 Euro und der große Bruder sieht seine Kinder regelmäßig mehrfach in der Woche, zudem leben beide mittlerweile in einer geerbten Immobilie. Aufgrund der vergleichsweise günstigen Sozialprognose beließ es das Gericht daher auch bei dem einschlägig vorbestraften Jüngeren, der noch unter Bewährung stand, bei einer weiteren zusammengefassten Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, setzte aber eine Bewährungsfrist von fünf Jahren. Der Ältere wurde zu acht Monaten auf Bewährung und einer Frist von drei Jahren verurteilt.

von Marcus Hergenhan

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr