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Parcours zeigt drei Stufen der Krankheit

Osteoporose-Patiententag Parcours zeigt drei Stufen der Krankheit

Osteoporose ist laut Welt-gesundheitsorganisation unter den zehn bedeutendsten Krankheiten weltweit. In Deutschland hat sich die Krankheit mittlerweile zur Volkskrankheit entwickelt.

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Adelheid Wagemann (vorne) und Adelheid Striewe zeigen, wie der Parcours funktioniert.

Quelle: Jaqueline Erlach

Marburg. Dem Deutschen Ärzteblatt zufolge erkranken jährlich 885 000 Menschen neu an Osteoporose. „Betroffen sind meist ­ältere Menschen, aber auch jüngere Frauen nach einer Schwangerschaft können erkranken,“ erklärte Dr. Volker Ziller während des Patiententages im Uniklinikum. Doch die Behandlung der Patienten wirft noch einige Schwierigkeiten auf.

„Nur ein geringer Teil aller Knochenbrüche im hohen Alter werden mit Osteoporose in Verbindung gebracht, obwohl die meisten als Folge der Krankheit auftreten“, erklärte Dr. Joachim Cassens. „30 Prozent aller Personen mit unbehandelter Osteoporose sterben nach drei Jahren durch die Vielzahl an Brüchen“, sagte Cassens weiter. Viele Allgemeinärzte seien mit dem Patientenandrang überfordert und könnten nicht genug Zeit für eine umfangreiche Beratung aufbringen. An dieser Stelle greife das wachsende Netzwerk Osteoporose ein.

„Die Idee eines Osteoporose-­Netzwerks in Marburg ist es, dass sich freiwillige Ärzte aus verschiedenen Osteoporose-­Fachbereichen zusammenschließen, um die Patientenversorgung besser zu gestalten“, erklärte Dr. Ziller. „Die Ärzte werden entlastet und dem Patienten hilft es, denn wir haben zusammen einen größeren Wissensschatz als jeder für sich allein“, pflichtet Dr. Benjamin Bücking seinem Kollegen bei.

Das Vorbild „Netzwerk-Osteoporose“ setzt sich seit mehreren Jahren ehrenamtlich in Paderborn für Erkrankte ein. „Wir bieten den Betroffenen die wichtigen Informationen über ihre Krankheit und beraten sie auch hinsichtlich einer Selbsthilfegruppe“, sagte Karin Mertel, die Vorsitzende der Organisation.

Sie hat einen Osteoporose-Parcours entwickelt, den die ­Besucher mit Unterstützung der Vereinsmitglieder Adelheid Wagemann und Adelheid Striewe durchlaufen konnten. „Der Parcours soll den gesunden Besuchern in drei Stufen zeigen, wie das Leben mit Osteoporose aussehen kann“, erläuterte Mertel.

„Betroffene sollten Umfeld sturzsicher machen“

Drei Stufen der Krankheit werden mit in den Parcours eingebaut. Die erste Stufe ist das ­sogenannte Handicap-Dress. Durch dieses Kleidungsstück lernt der Besucher die typische Osteoporose-Haltung kennen. Stufe zwei, der Parcours-Boden, besteht aus einem Bällebecken, unebenen Gummikissen und einer Scheibe, die auf Gläsern liegt.

„Stufe drei ist die Angst der Patienten. Die Gläser stehen für ihre Angst, in schwierigen Situationen einen Knochenbruch zu erleiden. Wir wollen damit erreichen, dass die Teilnehmer ein Gefühl für die Auswirkung der Erkrankung entwickeln“, erläuterte die Vorsitzende.

Wer interessiert war, konnte­ auch an einem computer­gesteuerten Balancetest teilnehmen. Dazu stellte man sich auf eine leicht wacklige Messplatte und versuchte, durch das Bewegen der Platte auf dem Computerbildschirm einen roten Punkt in die Kreismitte zu bringen.

„Im Test wird festgestellt, ob die getestete Person ein gutes­ Gleichgewicht hat oder eine Rechts- oder Linkslastigkeit besitzt. Wenn der Arzt das weiß, kann er die Behandlung darauf abstimmen“, sagte Martin Hayrapetian, ebenfalls Mitglied im Netzwerk-Osteoporose.

„Die wichtigste Erkenntnis des Tests ist, dass man im Falle einer Erkrankung diese immer positiv beeinflussen kann,“ erläuterte Mertel. Vorschläge dafür macht Dr. Cassens. „Betroffene sollten ihr Umfeld sturzsicher machen. Damit beugen sie einem Knochenbruchrisiko vor. Es ist aber auch wesentlich, dass die Patienten die Krankheit nicht leichtfertig hinnehmen“, betonte der Facharzt für Orthopädie.

Das noch junge Ärzte-Netzwerk bemüht sich um Zuwachs, um den vielen Patienten eine bessere Beratung und Behandlung bieten zu können. Die ersten Schritte sind bereits getan. Für die Patienten in Marburg haben sie einen kleinen Flyer entworfen, in dem eine kurze Erläuterung der Krankheit sowie die Ansprechpartner für ­Osteoporose in und rund um Marburg zu finden sind.

von Jaqueline Erlach

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