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Nutzer skizzieren ein neues Lokschuppen-Konzept

Privatisierung Nutzer skizzieren ein neues Lokschuppen-Konzept

Die Waggonhallennutzer würden eine Klage des Fördervereins Lokschuppen unterstützen. In einer Arbeitsgruppe haben sie Grundsätze eines neuen Nutzungskonzepts für das Gelände in Marburg entworfen.

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Waggonhallennutzer bejahen Klage des Lokschuppenvereins, präsentieren konzeptionell neue Stoßrichtung.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Kein Aufschub, keine Aussetzung, sondern Abstimmung am Monatsende: Die Nutzer des Waggonhallenareals zeigen sich enttäuscht über das Pro-Bietergemeinschafts-Votum des Auswahlgremiums.

„Wir hatten bis zuletzt gehofft, die Mehrheit im beratenden Gremium von einem Moratorium überzeugen zu können“, sagt Marion Breu von der Waggonhalle. Ein wirtschaftlich tragfähiges Gegenkonzept zu entwickeln, dass eine „vielfältige soziale und kulturelle, museale und wissenschaftliche Nutzung“ vorsehe, hätte man sich mit Beteiligung von Bürgern perspektivisch vorstellen können. „Eine einmalige Chance wurde nun vertan“, sagt Matze Schmidt (Rotkehlchen) mit Verweis auf eine gegründete Arbeitsgruppe.

Diese unterstützt das Ansinnen des Fördervereins Lokschuppen, vor Gericht gegen die Vergabe, gegen das Ausschreibungsverfahren zu klagen. „Ansatzpunkte für eine Neubewertung des Verfahrens sind unseres Erachtens durchaus vorhanden“, heißt es von den Arbeitsgruppenmitgliedern.

Stadt und Gremien haben versagt

„Die Stadt und ihre Gremien haben in ihren Mehrheiten auf ganzer Linie versagt“ , sagt Nisse Kreysing (Rotkehlchen). Den Kauf-Rückzug des „Christus Treffs“ (CT) betrachte er „als rein taktisch“. Vermutlich werde der CT Haupt- und Dauermieter der geplanten Kongress- und Büroräume sein. Die Bietergemeinschaft sei „das U-Boot, der CT ist die Besatzung“. Und das geplante Hotel auf den Grundmauern des Werkstattgebäudes stelle angesichts der Gebäudehöhe „unseren Biergarten und die Waggonhalle im wahrsten Sinne in den Schatten.“

Sollte eine Klage angenommen werden und es somit Verzögerungen im Vergabeprozess geben, „könnte der Diskussionsprozess noch einmal von vorne beginnen“, sagt Breu. „Unendlich lange neu diskutieren“ wolle man nicht, bis Jahresende müsse alles erledigt sein.

Und das stellen sich die Waggonhallennutzer vor: Das Areal eigne sich vor allem für Angebote für Kinder und Jugendliche, in denen „interkulturelle Kompetenzen, Weltoffenheit und Strategien der Zukunftsgestaltung eingeübt und entwickelt werden“. Eine „Zukunfts- und Eine-Welt-Werkstatt“ könnte entstehen - etwa mit der Universität und Nichtregierungsorganisationen.

Verantwortung trägt OB Spieß

Doch selbst wenn die Privatisierung des Lokschuppens und des Werkstattgebäudes nicht abgewendet werden könne, müsse eine „Sinn- und Umstiftung“ des Industriedenkmals für soziale Zwecke „vertraglich gefordert und festgeschrieben werden“. Die Stadtverordnetenversammlung sei an der Reihe, die Alternativen zu erkennen. „Und man muss sie nur politisch wollen“, sagt Breu.

Laut FDP sei von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) im Hinblick auf die Rechtssicherheit auf „fahrlässige Weise“ auf einen Neubeginn des Verfahrens verzichtet worden, sagt Christoph Ditschler, Parteichef. Es gebe - wie schon Ende 2016 beim geplanten Kauf des „Marbuch-Verlags“ durch die Stadtwerke - Zweifel an der rechtssicheren Vergabe, daher habe man „Verständnis dafür, dass einige Beteiligte gerichtlich gegen die Vergabe vorgehen wollen“.

Die Verantwortung für das Verfahren und für etwaige Gerichtsverhandlungen trage OB Spies. „Wenn der Lokschuppenverkauf scheitert, scheitert auch der OB“, sagt Ditschler. Dr. Hermann Uchtmann (MBL) ergänzt: Als Stadt müsse man auch die Bereitschaft haben, die Bürger „tatsächlich in politische Entscheidungen einzubinden und nicht nach einem vielversprechenden Anfang letztlich doch politisch willkürlich handeln.“

von Björn Wisker

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