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Notfälle bei Kindern - richtig reagieren

Bürgervorlesung Notfälle bei Kindern - richtig reagieren

Pseudokrupp, Fieberkrämpfe, Vergiftungen oder Knochenbrüche: Notfälle und Unfälle bei Kindern wirken beängstigend. Zwei Marburger Klinikdirektoren erklären, wie man richtig reagiert.

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Themenfoto:  Bei Kindern sollte man regelmäßig Fieber messen. Steigt die Temperatur über 39 Grad, gilt vor allem eines: Keine Panik! Das Kind sollte viel trinken. Wenn das Fieber nicht sinkt, sollte man zum Kinderarzt gehen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Der wichtigste Rat, den Professor Rolf Maier bei Notfällen mit Kindern gibt, ist zugleich der Rat, der am schwersten zu befolgen ist: Ruhe bewahren und nicht in Panik geraten. Der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKGM stellte in einer Bürgervorlesung die häufigsten Notfälle bei Kindern vor und erklärte, wie man richtig auf diese reagiert. Was bei Unfällen mit Kindern zu tun ist, trug Professor Guido Seitz vor, der Leiter der Kinderchirurgie. Grundsätzlich gelte der Rat: Wer sich um Kinder und Jugendliche kümmert, sollte regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse belegen, im Idealfall spezielle Kurse für Erste Hilfe am Kind.

Notfälle bei Kindern - richtig reagieren:

Fieber ist eine normale Reaktion und für sich alleine noch kein Alarmsignal. Steigt es über 39 Grad Celsius, gilt es viel zu trinken. Das Kind nicht wärmer anziehen oder zudecken. Die Dosis fiebersenkender Mittel muss auf das Körpergewicht des Kindes angepasst werden. Wenn das Fieber nicht sinkt oder das Kind verweigert zu trinken, zum Kinderarzt gehen. Ist der nicht erreichbar, den Kinderärztlichen Bereitschaftsdienst oder die Klinik aufsuchen.

Alarmsignale sind Bewusstseinsstörungen, Atemnot, Nackensteifigkeit, oder wenn das Kind blau wird. Sollten diese Symptome zum Fieber dazukommen, den Notarzt rufen.

Fieberkrämpfe wirken sehr beängstigend auf die Eltern und sind die häufigste Anfallsform bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren. Die Krämpfe werden durch hohes Fieber oder schnellen Fieberanstieg ausgelöst. Das Kind ist nicht ansprechbar und zuckt in der Regel mit Armen und Beinen. Dem Anfall folgt Müdigkeit. Auf die Uhr schauen, wie lange der Krampf anhält und auf jeden Fall danach zum Kinderarzt gehen, um eine Hirnhautentzündung auszuschließen. Bei Kindern, die bereits Fieberkrämpfe hatten, sollte Fieber bereits ab 38,5 Grad Celsius behandelt werden.

Pseudokrupp kommt bei Kindern im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren in den Wintermonaten nachts vor. Pseudokrupp geht nicht mit Fieber einher. Nach einem Infekt schwillt die Schleimhaut der Luftröhre an – das Kind hat Hustenanfälle (Krupphusten) und leidet an Atemnot. In dieser beängstigenden Situation ist es wichtig, Ruhe auszustrahlen und das Kind zu beruhigen. Es kann helfen, an die kalte, feuchte Luft nach draußen zu gehen oder in das kühle Badezimmer zu gehen und die Dusche laufen zu lassen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen.

Fremdkörper wie Nüsse, Münzen, Knopfzellen oder Nadeln können Kinder verschlucken oder in die Luftröhre geraten. Akut treten bei Verschlucken in die Speiseröhre Würgen, Schluckstörungen und vermehrter Speichelfluss auf. Für das Verschlucken gilt: Gegenstände, kleiner als zwei Zentimeter im Durchmesser, die nicht spitz oder scharf sind, scheiden Kinder in der Regel innerhalb einer Woche durch die Verdauung wieder aus. Knopfzellen sind gefährlich, weil die Magensäure sie angreift, hier sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei dem Verdacht, dass ein Kind etwas verschluckt hat, ruhig auch mal in Ohren und Nase nachschauen, ob das Kind den Gegenstand nicht dort hingesteckt hat. Hat ein Kind einen Fremdkörper in die Luftröhre bekommen, löst dieser einen Hustenanfall aus. Tritt Atemnot auf, oder läuft das Kind blau an, sollte der Notarzt gerufen werden. Verschleppt kann der Fremdkörper eine Bronchitis oder Lungenentzündung verursachen.

Im Fall einer Vergiftung sollten Eltern nicht versuchen, Erbrechen herbeizuführen. Auf gar keinen Fall sollte zu diesem Zweck Salzwasser gegeben werden. Ist das Kind noch wach, sollte es viel trinken, um die Konzentration des Gifts zu verdünnen, jedoch keine Milch. Eventuell können sogenannte Kohlekompretten den Giftstoff binden. Der Kinderarzt oder die Giftinformationszentrale (Telefonnummer siehe Kasten) beraten im Fall einer Vergiftung – diesen Rat befolgen. Zum Arztbesuch die Packung oder Reste des verschluckten Mittels mitnehmen. Wird das Kind bewusstlos aufgefunden, sollte der Notarzt verständigt und das Kind bis zum Eintreffen des Arztes in die stabile Seitenlage gebracht werden. Prävention: Medikamente, Putzmittel, Alkohol, Zigaretten und andere giftige Substanzen in verschlossenen Schränken oder für Kinder nicht erreichbaren Höhen aufbewahren.

Unfälle bei Kindern  - richtig reagieren :

Bei Verletzungen im Bauchraum sind oft Leber und Niere betroffen, am häufigsten jedoch die Milz. Anzeichen für Verletzungen der Milz sind Schmerzen im linken Oberbauch, Atemnot und ein schneller Puls. Achtung: Diese Verletzung können Kinder lange kompensieren. Weitere Anzeichen für Verletzungen im Bauchraum sind blaue Flecke, ein ausladender, geschwollener und schmerzhafter Bauch sowie Erbrechen. Beim Verdacht auf diese Verletzungen sollte der Notarzt kommen. In den meisten Fällen kann die Verletzung in der Klinik konservativ behandelt werden.

Bei Knochenbrüchen kann eine erste Ruhigstellung und provisorische Schienung viel helfen. Außerdem sollte man darauf achten, dass das Kind nicht auskühlt. Häufig sind Schlüsselbein, Arme und Beine betroffen. Ist das Kind einigermaßen stabil, können Eltern es selbst in die Klinik bringen, ansonsten der Rettungsdienst. Offene Brüche sollten steril verbunden und der Verband erst durch den behandelnden Arzt wieder geöffnet werden.

Bei Verbrennungen das Kind an den betroffenen Stellen entkleiden, eingebrannte Kleidungsstücke jedoch nicht entfernen. Dann 15 bis 20 Minuten mit handwarmem Wasser kühlen. Dabei darauf achten, dass das Kind nicht unterkühlt. Bei schweren Verbrennungen ist rasches Handeln von erfahrenen Ärzten erforderlich – das Marburger Uniklinikum nimmt Kinder mit Verbrennungen jederzeit auf.

Ausgeschlagene oder abgebrochene Zähne transportiert man am besten in einer sogenannten Zahnrettungsbox, die in der Apotheke erhältlich ist. Alternativ kann man den Zahn in H-Milch einlegen. Ist keine H-Milch zur Hand, kann auch klares Leitungswasser den Zahn vorm Austrocknen schützen. Den Zahn auf keinen Fall in irgendeiner Art reinigen.

Bienen- und Insektenstiche schwellen bei Kindern oft schnell an. Kühlen kann helfen. Extrem gefährlich wird es, wenn ein Kind eine Biene schluckt und diese von innen zusticht. In diesem Notfall sollte sofort der Notarzt gerufen werden, weil dem Kind durch die Schwellung schnell Atemnot droht.

von Philipp Lauer

Telefonnummern

Notruf: 112
Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116117
Giftinformationszentrum: 06131/19240 oder 030/19240

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