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Nichts weniger als eine Verkehrswende

Bürgerinitiative stellt Forderungen Nichts weniger als eine Verkehrswende

Die neue Bürgerinitiative „Verkehrswende“ stellt nicht ganz neue, aber drastische Forderungen an die Verkehrspolitik. Mit dabei: Hans-Horst Althaus und seine „verkehrsethischen“ Thesen.

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Im Pilgrimstein ist nicht genug Platz für alle, sagt Verkehrs-Aktivist Hans-Horst Althaus. Ginge es nach ihm, würde die Straße für motorisierten Durchgangsverkehr gesperrt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die neue Bürgerinitiative „Verkehrswende“ fordert genau das, was ihr Name verspricht: Tempo 30 in der gesamten Stadt, die Elisabethstraße soll zur verkehrsberuhigten Zone werden, die Fahrradstreifen ausgeweitet und eine Grüne Welle für Fußgänger eingeführt werden. „Wir wollen das Autofahren nicht verbieten, aber Fußgänger, Radfahrer und der öffentliche Personennahverkehr sollen in Marburg Vorrang haben“, erklärt die Sprecherin der Bürgerinitiative, Dr. Sigrun Bennemann.

Diese Vorschläge zur Wende sind dabei nicht unbedingt neu und erinnern in vielen Punkten an Anträge der grünen und linken Fraktionen im Stadtparlament. Das könnte daran liegen, dass sich in der neu formierten Gruppe neben parteilosen Marburgern, Vertretern des Asta, einigen bekannten engagierten Bürgern wie Hans-Horst Althaus und Johannes M. Becker auch Bürger mit grünem oder linkem Parteibuch wiederfinden.

Zuletzt stellten die Linken in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Verkehr einen Antrag, in dem sie auch die Einrichtung der grünen Welle für Fußgänger nach Kölner Vorbild forderten. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) erläuterte dazu, die Ampeln dort schalteten auf Grün, sobald die dazugehörigen Kameras erkennen, dass 200 Fußgänger an der Ampel warten. Solche Zahlen werde man in Marburg nie erreichen.

Bennemann erkenne einen Teufelskreis

Auch wenn sie nicht neu sind, die Vorschläge könnten in der ohnehin schon emotional geführten Debatte weiter polarisieren. Bennemann begründet die Forderungen ihrer BI unter anderem mit der hohen Schadstoffbelastung. Marburg halte­ bei Feinstaubmessungen mit Großstädten mit. Diese Werte erheben Messstationen in der Universitätsstraße und der Gutenbergstraße. Um Grenzwerte­ zukünftig einzuhalten, gilt in Marburg seit vergangenem Jahr die Umweltzone.

Bennemann erkenne einen Teufelskreis, der sich unter anderem in Straßen vor Schulen zeigt, die regelmäßig überfüllt seien. Eltern hätten Angst, ihre­ Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad in die Schule zu schicken und würden sie deshalb mit dem Auto bringen. „So lernen Kinder von Anfang an, das Auto als erstes Mittel der Beförderung zu akzeptieren“, sagt Bennemann.

Dabei würde vielen Kindern die Bewegung an der frischen Luft gut tun und Übergewicht vorbeugen. Neben Fragen der Lebensqualität führt die BI gesundheitliche Aspekte wie den Bewegungsmangel vieler Menschen ins Feld. „Sieben Kilometer Gehen täglich wird empfohlen, um dem entgegenzuwirken. So gefährdet Autofahren nicht nur die Gesundheit der anderen, sondern auch die eigene“, sagt Bennemann.

Unabhängig davon, dass er sich auch der neuen Bürgerinitiative angeschlossen hat, wird Hans-Horst Althaus nicht müde, seinen wie er sagt „verkehrsethischen“ Forderungen Ausdruck zu verleihen. „Priorität soll immer der schwächere Verkehrsteilnehmer haben“, sagt Althaus. An verschiedenen Punkten in der Stadt sei dies nicht der Fall. So gebe es etwa an der Kreuzung Schwanallee und Leopold-Lucas-Straße sogenanntes „feindliches Grün“. Das bedeutet, Abbiegen ist dort erlaubt, obwohl Fußgänger und Radfahrer Grün haben, um geradeaus zu fahren.

Den Pilgrimstein solle man für den motorisierten Durchgangsverkehr schließen, fordert Althaus. „Der Platz reicht einfach nicht für Fuß- und Radwege in beide Richtungen und Autos.“ Anliegern und Parkhausnutzern sollte die Zufahrt und Bussen die Durchfahrt über Schwellen möglich sein. Vom Parkhaus solle man über die Wolffstraße ausfahren.

von Philipp Lauer

UMFRAGE: Soll der pilgrimstein für autos gesperrt werden?
Nikita Kudakov: Ich befürchte, dass die Biegenstraße nach einer Schließung des Pilgrimsteins überlastet wäre. Das könnte bedeuten, ich käme zu spät zur Uni aufgrund des stockenden Verkehrs. Die optimale Lösung wäre, dass das Autofahren reduziert werden sollte.
Kim Dung Pham Thi: Die Frage betrifft besonders Geschäftsleute am Pilgrimstein. Die Zulieferer haben es bereits schwer genug, ihre Ware zuzustellen, ohne den Verkehr aufzuhalten. Die Stadt sollte für mehr Parkplätze im Stadtgebiet sorgen, das würde die Situation am Pilgrimstein entschärfen.
Till Doermer: Der Verkehr in Marburg ist ein leidiges Thema, weil Marburg kein richtiges Zentrum hat. Was würde man im Falle einer Sperrung aus der Straße machen? Ich würde es befürworten, wenn aus dem Pilgrimstein eine Fußgängerzone mit Läden und Cafés entsteht. Dies wäre eine Bereicherung.
Birga Bohn: Für die Autofahrer aus Richtung Elisabethkirche würden keine Umwege entstehen. Auch die Radfahrer könnten profitieren, den Pilgrimstein ohne Autoverkehr zu durchqueren. Generell sollte das Radfahren leichter gemacht werden, weil das auch von Vorteil für die Fußgänger wäre.
David Schmucker: Ich habe am Pilgrimstein auch öfter Probleme mit dem Fahrrad, tendiere aber eher zu nein. Der Pilgrimstein kann als Umleitung dienen und reguliert somit den Verkehr. Eine Schließung würde die Situation nicht entspannen, sondern das Verkehrschaos vergrößern.

Umfrage: Duc Le, Sophia Stahl

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