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„Nicht würdig“ für Auszeichnung

Ex-OB Walter Voß „Nicht würdig“ für Auszeichnung

Walter Voß, Ex-Oberbürgermeister Marburgs, soll die Verdienstmedaille der Stadt aberkannt bekommen. Eine entsprechende Magistratsvorlage wird der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt.

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In der Galerie der Oberbürgermeister im Rathaus fehlt ein Foto von Walter Voß, dem nun die 1960 verliehene städtische Verdienstmedaille aberkannt werden soll.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Voß wurde 1933 Mitglied der NSDAP und war laut der Studie „Nationalsozialismus und kommunale Selbstverwaltung. Institutionen. Personen. Wirkungen“ in der ­Folge der Machtübernahme für die ­Verfolgung der Marburger ­Arbeiterparteien verantwortlich. Zusätzlich ist Voß förderndes Mitglied der SS sowie des NS-Fliegerkorps gewesen.

1939 hatten die Nationalsozialisten ihn erneut für zwölf Jahre in seinem Amt als Bürgermeister bestätigt. Mit der Kriegsdiensteinberufung von Oberbürgermeister Ernst Scheller wurde Voß zudem Kreisamtsleiter für Kommunalpolitik der NSDAP.

Nach Schellers Tod 1942 wurde dann kein bewährter Nationalsozialist als neuer OB eingesetzt, Voß „leitete faktisch die Geschicke der Stadt“, was ein „deutlicher Indikator für das in Walter Voß gesetzte Vertrauen der NS-Führung“ sei, heißt es in der 2016 vorgestellten Studie der Philipps-Universität.

In den Nachkriegsjahren ­wurde Voß allerdings wegen der friedlichen Übergabe Marburgs an die Alliierten als „Retter der Stadt“ gefeiert, was auch im Entnazifizierungsverfahren zu seinen Gunsten ausgelegt wurde.

1960 wurde er für seine ­„außerordentlichen Verdienste“ geehrt, er habe sich zwischen 1922 und 1945 „um das Wohl der Stadt“ verdient gemacht. Doch sei er dieser „Auszeichnung nicht würdig“, heißt es vom heutigen Magistrat.

Der Walter-Voß-Weg am Ortenberg bleibt aber vorerst unberührt, jedenfalls wurde ein entsprechender Antrag der Linken auf Umbenennung seit August 2016 zurückgestellt, das Ansinnen findet auch in der Magistratsvorlage, über die am 30. Juni entschieden wird, keine Erwähnung.

von Björn Wisker

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