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Nicht jedes Zittern bedeutet Parkinson

Bürgervorlesung am 15. März Nicht jedes Zittern bedeutet Parkinson

„Kranker Rhythmus im Gehirn – Parkinson, Zittern und Co“: Darüber spricht Professor Lars Timmermann am Mittwoch, 15. März, ab 18 Uhr im Hörsaal 00/0030 des Uni-Hörsaalgebäudes.

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Professor Lars Timmermann.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Mit seiner „Bürgervorlesung“ des Uni-Klinikums und des Fachbereichs Medizin will Timmermann die Aufmerksamkeit für die Bedeutung der Parkinson-Erkrankung schärfen, erläuterte er im Gespräch mit der OP. Der Direktor der Klinik für Neurologie am Uni-Klinikum stellt die wichtigsten „Parkinson“-Symptome dar und präsentiert aktuelle Behandlungs-Optionen. Ein auffälliges, wenn nicht sogar charakteristisches Zeichen der neurodegenerativen Erkrankung besteht im Zittern, das die Erkrankten befällt.

„Nicht jedes Zittern ist gleich Parkinson“, macht Timmermann jedoch deutlich. So gebe­ ­es das „familiäre­ Zittern“, das eben nicht mit ­einer Parkinson-Krankheit einhergehe.

Meistens sei in so einem Fall das Zittern über Jahre hinweg ausgeprägt und bei mehreren Mitgliedern einer Familie zu beobachten. Diese würde beispielsweise zittern, wenn sie aufgeregt sind oder alltägliche Arbeiten verrichten. Im Vergleich dazu seien die „Zitter-Symptome“ bei den Parkinson-Patienten auf andere­ Art ausgeprägt und könnten eher im Ruhezustand während des gemütlichen Sitzens auf dem Sofa zu Hause auftreten. Timmermanns Ratschlag: Wenn man unsicher in Bezug auf ein Zittern sei, solle man möglichst zu einem Neurologen gehen, um abzuklären, ob es sich um ein „gutartiges Zittern“ oder die Frühphase einer Parkinson-Krankheit handele.

Riechstörungen, Verstopfungen, Schlafstörungen

Auch über andere Frühsymptome werde diskutiert, erklärt Timmermann. Die Palette der Symptome reiche von Riechstörungen über Verstopfungen bis hin zu Schlafstörungen. Es sei jederzeit möglich, dass einzelne­ Symptome zufällig auftreten könnten. Alarmierend sei dann allerdings eine Kombination der unterschiedlichen Frühsymptome. In seinem Vortrag will Timmermann auch über aktuelle Behandlungsstrategien berichten. Der für die Steuerung der Körperbewegungen verantwortliche Botenstoff Dopamin ist bei Parkinson-Kranken zu wenig vorhanden. Dagegen gibt es Tabletten, die die Schmerzen lindern und Symptome verringern sollen.

Hierbei gebe es eine Reihe von neuen Präparaten, mit denen die ­Lebensqualität der Patienten gesteigert werden könne. Neben medikamentöser Behandlung kommen auch Physiotherapie und ­Ergotherapie zum Einsatz. Problematisch werde es, wenn die Tablettendosis nicht mehr wirksam sei. Dann kommen Medikamentenpumpen zum Einsatz.

Gute Therapieeffekte verspricht aber aus Sicht von Professor Timmermann die Tiefenhirn­stimulation. Dabei wird dem Patienten ein „Hirnschrittmacher“ eingesetzt, mit dessen Hilfe die Rhythmen im Gehirn angepasst und krankhafte Aktivitäten blockiert werden. Üblicherweise werden diese Hirnschrittmacher um das zwölfte Krankheitsjahr eingesetzt. Studien haben aber laut Timmermann ergeben, dass die Methode auch schon ab dem vierten Krankheitsjahr Erfolg versprechen könne. Eine ­Tiefenhirnstimulation bringe bei den ­Patienten nur ein Operations-­Risiko zwischen 0,5 Prozent und einem Prozent mit sich bringe, so Timmermann.
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Allerdings müsse im Einzelfall genau abgeklärt werden, ob die Hirnstimulation das Mittel der Wahl für die Patienten sei.

von Manfred Hitzeroth

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