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Sie liebt die Herausforderung

Neue Feuerwehr-Gruppenführerin im OP-Porträt Sie liebt die Herausforderung

Jenny Budke ist Gruppenführerin bei der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte und damit die zweite weibliche Führungskraft in der Geschichte der Wehr.

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Zwei Outfits, eine Frau: Jenny Budke (34) engagiert sich seit acht Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte. 

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es ist mitten in der Nacht, als der Funkalarmempfänger von Jenny Budke laut los gellt und sie aus ihrem Schlaf reißt. Jetzt muss alles ganz schnell gehen: Aufstehen, anziehen, aufs Fahrrad setzen und losfahren. So schnell wie möglich muss sie von ihrer Wohnung im Südviertel zur Hauptfeuerwache der freiwilligen Feuerwehr am Erlenring gelangen. Es kann ein Mülleimerbrand sein, oder aber ein Hausbrand – was sie erwarten wird, weiß sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Das ist Adrenalin pur“, sagt die 34-Jährige begeistert. Ob es Nächte gibt, in denen sie sich nicht lieber umdrehen und weiterschlafen möchte? „Es ist in diesem Moment unsere Verantwortung“, antwortet sie.

Jenny Budke liebt die Herausforderung. Vor zehn Jahren zieht sie nach einer kurzen Zwischenstation in Hamburg aus ihrer Heimat Greifswald in die Universitätsstadt an der Lahn, eine ihr bis dahin unbekannte Stadt. Schnell lebt sich die ausgebildete medizinische Dokumentarin ein.

„Hätte nie gedacht, dass ich irgendwann dazugehöre“

Eines Tages vor acht Jahren findet sie einen Werbezettel der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte in ihrem Briefkasten. „Da stand ‚Wir brauchen dich‘ oder so was drauf“, erzählt sie schmunzelnd. Budke fühlt sich angesprochen. Sie besucht einen Ausbildungsabend in der Wehr, lernt die Zugführung kennen und nimmt an ­einem Dienst teil.

Schnell wird ihr klar: Das ist genau mein Ding. Sie absolviert eine Grundausbildung zur freiwilligen Feuerwehrfrau, lernt alles über Abläufe und Aufgaben der Trupps in Lösch- und Hilfeleistungseinsätzen, Atemschutz, Umgang mit den verschiedenen Geräten auf den Fahrzeugen – Dinge, die ihr lange unbekannt waren.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann dazugehöre“, berichtet die sympathische Rothaarige, die bis dahin keine ­Berührungspunkte mit der Feuerwehr hatte.

Vor drei Jahren wird sie zur stellvertretenden Jugendfeuerwehrwartin ernannt. Im April dieses Jahres wird sie schließlich als Nachfolgerin für Tobias­ ­Henkelmann, der von da an zusammen mit Steffen Zeidler die Zugführung des 1. Zuges bildet, zur Gruppenführerin der 4. Gruppe gewählt und ist damit die zweite weibliche Führungskraft innerhalb der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte. Anders als zuvor kann sie nun eine Gruppe im Einsatz leiten, ist für die Organisation der Dienste und Ausbildung verantwortlich, Ansprechpartnerin für ihre Gruppenmitglieder und Bindeglied zur Zugführung.

„Das Mädchen kann man nicht raushängen lassen“

„Es nimmt viel Zeit in Anspruch, aber es macht auch viel Freude“, sagt sie mit strahlend blauen Augen über ihre neue Aufgabe, die ihr neben ihrer Arbeit bei Siemens Healthineers, wo sie für das Datenmanagement tätig ist und deshalb viel am Schreibtisch sitzt, sehr gelegen kommt. Doch es ist nicht nur die körperliche Arbeit, die sie reizt. „Ich finde es schön, ­neben meiner Arbeit etwas Freiwilliges zu tun und etwas an die Gesellschaft zurückgeben zu können. Es ist eine schöne Aufgabe, in der Not zu helfen.“

Als Frau in einem männerdominierten Bereich hat sie keine Schwierigkeiten. Im Gegenteil: „Im Prinzip sind wir hier alle gleichberechtigt. Der Umgang miteinander ist respektvoll, aber auch sehr locker. Das Mädchen kann man hier sowieso nicht raushängen lassen. Hier muss man mit anpacken.“ Das wird spätestens dann klar,  wenn Atemschutzgeräte und Schläuche transportiert werden müssen. Um körperlich mithalten zu können, geht sie regelmäßig ins Fitnessstudio – auch das Irish Dancing hat sie kürzlich für sich entdeckt. „Ich finde das Land und die Musik sehr reizvoll“, sagt sie über Irland, das sie schon mehrere Male besucht hat.

Zu Hause entspannt sie sich am liebsten an ihrer Nähmaschine. „Beim Nähen von Kleidern kann ich endlich mal kreativ sein“, sagt sie, die in ihrer Aufgabe als Feuerwehrfrau sonst strikten Vorschriften und Befehlen folgen muss – Abläufe, die im Notfall lebensrettend sind.

von Ruth Korte

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