Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Marburger Ärzte sind gewappnet

Narkosemittel-Knappheit Marburger Ärzte sind gewappnet

Der Wirkstoff Remifentanil wird besonders bei ambulanten Operationen häufig als Narkosemittel eingesetzt. Allerdings gibt es seit Monaten Lieferengpässe. Marburger Kliniken haben wohl ausreichend Vorräte - vorerst.

Voriger Artikel
Gewobau fordert Fokus auf Mittelschicht
Nächster Artikel
„Alle an einem Tisch“

Narkosemittel mit dem beliebten Wirkstoff Remifentanil sind derzeit knapp. Patienten müssen sich aber keine Sorgen machen: Operationen fallen deswegen nicht aus.Foto: Friso Gentsch/dpa

Quelle: Friso Gentsch/dpa

Marburg. Eine schnelle, tiefe Narkose, eine sehr kurze Aufwachzeit und wenige mögliche Nebenwirkungen - diese Vorteile schätzen Anästhesisten an dem Opioid Remifentanil. Daher wird der Wirkstoff vor allem bei ambulanten Eingriffen und bei Operationen an Kindern häufig eingesetzt. „Es ist ein relativ modernes Medikament, das sehr schön steuerbar ist“, erklärt die Anästhesieologin Dr. Ulrike Spies. Sie ist - zusammen mit Alexander Neelsen - Geschäftsführerin des ambulanten OP-Zentrums Schwecken­diek am Ortenberg.

Nun gibt es bundesweit Lieferschwierigkeiten bei Präparaten mit dem Wirkstoff Remifentanil - und das schon seit Ende 2016. Das bestätigte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). In einigen deutschen OP-Zentren reichten die Vorräte nur noch rund zwei Wochen. Patienten in Marburg müssen sich laut heimischen Kliniken jedoch keine Sorgen machen: Es gebe größere Vorräte und einige Alternativen, falls das Remifentanil tatsächlich ausgeht.

„Wir haben ausreichend Mittel auf Lager“, bestätigte Frank Steibli, Pressesprecher des Uniklinikums Gießen und Marburg. Dort werde der Wirkstoff regel­mäßig eingesetzt. Laut Steibli sei zudem mit den Leitern der Anästhesie ein „Plan B“ entwickelt worden - „um auf Alternativmittel umzusteigen, falls Remifentanil doch zur Neige gehen sollte“. Das Wichtigste für Patienten: „Operationen müssen deswegen nicht ausfallen“, betonte Steibli.

Auch OP-Zentrum Schweckendiek hat Vorrat angelegt

Auch im ambulanten OP-Zentrum Schweckendiek kommt Remifentanil als Narkosemittel zum Einsatz - täglich in allen Bereichen, in denen operiert wird, wie Ulrike Spies erklärte. „Wir sind sehr gut versorgt und haben ausreichend Vorräte, die vermutlich für das ganze Jahr ausreichen“, führte Spies aus. „Wir haben einen sehr fitten Apotheker“, erklärte sie im Gespräch mit der OP. Der habe bereits im vergangenen Jahr, als die Lieferschwierigkeiten langsam bekannt wurden, einen großen Vorrat für Schweckendiek angelegt.

Doch auch im ambulanten OP-Zentrum müssten keine Eingriffe ausfallen, wenn es keinen Nachschub an Remifen­tanil mehr sollte: „Es gibt natürlich Alternativen zu dem Wirkstoff, die wir problemlos einsetzen können“, führte die Anästhesiologin aus. Patienten müssten sich keine Sorgen machen, die Kliniken müssten allerdings Abläufe ändern - etwa weil bei anderen Narkosemitteln Aufwachzeiten und damit auch Beobachtungszeiten länger würden.

Anästhesist: Patienten müssen sich keine Sorgen machen

Der Wirkstoff Remifentanil wird als Originalpräparat unter dem Produktnamen Ultiva vertrieben. Das Narkosemittel hat laut BfArM einen Marktanteil von 80 Prozent. Produziert wird es von GlaxoSmithKline (GSK).

Daneben seien aber auch rund ein Dutzend Generika auf dem Markt, unter anderem von den hessischen Herstellern B.Braun Melsungen und Fresenius Kabi. Laut GSK kam es wegen der hohen Nachfrage und einer begrenzten Produktionskapazität zu den Lieferengpässen mit Ultiva.

Allem Ärger zum Trotz: „Patienten müssen sich keine Sorgen machen“, sagte der Präsident des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten, Götz Geldner. Weder müssten Operationen abgesagt werden noch würden Patienten Schaden nehmen. Durch eine eventuelle Umstellung auf andere Narkosemittel müsse man aber Abläufe ändern. „Das ist, wie wenn man gewohnt ist, einen Brief mit dem Computer zu schreiben. Wenn der kaputt ist, muss man eben wieder die Schreibmaschine nehmen.“

von Patricia Grähling

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr