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Nachbarschaft gegen Präsenz von Christus-Treff

Lokschuppen Nachbarschaft gegen Präsenz von Christus-Treff

Nachbarschafts-Votum für Gründerzentrum samt Hotel: Die Lokschuppen-Anrainer sprechen sich für eine Vergabe des Industriedenkmals an Christmann + Pfeifer (C+P) aus.

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Die Stimmung rund um das Waggonhallenareal richtet sich gegen die Bietergemeinschaft Firma Schneider und Christus Treff, das Konzept von Christmann + Pfeifer findet Anklang.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Das Modell von C+P ist flexibler und insgesamt ausgesprochen ehrlich“, sagt Pit Metz, Vorsitzender der Ortenberggemeinde. Auch die Perspektive, barrierefreie Vereinsräume für die Stadtteilgemeinde sowie „museale Anteile“ – etwa die Zurschaustellung alter Lokomotiven in Anlehnung an die Idee des Fördervereins – integrieren zu können, mache den Investor aus Angelburg zum Favoriten. Architektonisch sehe er keine gravierenden Unterschiede von C+P zum Konkurrenten, der Bietergemeinschaft Optik Schneider und „Christus Treff“ (CT).

Auch der Deutsche Alpenverein, der die Kletterhalle betreibt, favorisiert C+P: „Das Konzept erscheint uns baulich und von der Ausrichtung her sinnvoller“, sagt Christoph Altfeld, Vorstandsmitglied. Die Idee der Büroräume für Start-ups passe mehr zum restlichen Ensemble. Außerdem sei das Konzept so offen, dass die Nachbarn Ausstellungsräume, Büros und Veranstaltungsräume mitnutzen könnten – und C+P ­habe die Nachbarschaft bereits sehr früh eingebunden. Das lobt auch Chris Blömer von Radio Unerhört: „Sie haben sich im Vorfeld mit uns an einen Tisch gesetzt und gefragt was wir uns wünschen und was nicht.“ Außerdem passe das Konzept besser zu dem, was sich das Radio-Team für das Gelände wünsche:  Es sei offen, kreativ und in Bewegung.

Rotkehlchen-Betreiber fürchtet Konkurrenz

„C+P bringen kreative Leute hierher, machen das Areal zu einem Kompetenzzentrum“, loben auch Matze Schmidt und Marion Breu von der Waggonhalle. Es könne den Ort beleben und weiterentwickeln. Die Urbanität, die besondere Atmosphäre und die Diversität des Areals scheine erhalten zu bleiben. „Ich finde es sehr konkret, was da geplant wird“, sagt Schmidt. Zugleich sei das Konzept offen für die Nachbarn. Schneider hingegen sei mehr „wie eine geschlossene Box“, sagt Breu. Man wisse auch nicht so genau, wer da drin ist.

„Schneider ist meiner Meinung nach zu festgelegt auf CT“, führt auch Altfeld weiter aus. Gunter Schneider betonte hingegen gegenüber der OP, dass der CT als Partner in der Bietergemeinschaft „vollständig eigenverantwortlich“ für Sanierung und Betrieb des Werkstattgebäudes sei. Altfeld störe aber grundsätzlich, dass der CT „durch die Hintertür“ über den Investor auf das Gelände wolle. „Hier sind viele sehr weltoffene Organisationen angesiedelt. Ob da eine konservative Gemeinde reinpasst, wage ich zu bezweifeln“, sagt Altfeld.

Aus dem gleichen Grund spricht sich das Team von Radio Unerhört gegen das Schneider-Konzept aus: „Viele haben Bedenken, was den CT angeht. Die haben ein sehr rückwärtsgewandtes Geschlechterrollenbild“, sagt Chris Blömer vom Radio-Team. Ihm gebe es auch zu denken, dass CT sich nicht bei der Infoveranstaltung vorgestellt habe. Zur Einordnung: Bei der Konzeptpräsentation äußerte sich – nach Protesten – ein Vertreter der Glaubensgruppe im Auftrag des Vorstands, um sich gegen die anhaltenden Homophobie-Vorwürfe zu wehren.

„Es geht uns nicht darum, Religionen abzuwerten“, sagt Blömer. Jede andere, offene, tolerante Religion sei ihm willkommen. Breu will den CT nicht verurteilen – „aber hierher kommen viele Menschen unterschiedlicher Herkunft und Neigungen. Passt das zusammen?“

Metz kritisiert indes die Be­gründungen für die Anti-CT-Haltung: „Die Demonstranten haben mit ihrem anti-homophoben Gequake einen Lattenschuss. Der CT, wie auch andere – etwa Tabor – sind schon lange am Ortenberg. Zu behaupten, die passen nicht hierher, ist absurd“, sagt der Vorsitzende der Ortenberggemeinde. Dass der CT hingegen unter Raumnot leide, halte er angesichts mehrerer bereits vorhandener Standorte hingegen für „schwer nachvollziehbar“.

Egal wer letztlich den Zuschlag bekomme – laut Altfeld muss vor allen Dingen die Parkplatzfrage geklärt werden. Schließlich seien besonders die Kletterhalle und die Waggonhalle darauf angewiesen, dass es ausreichend kostenlose oder zumindest sehr günstige Parkmöglichkeiten gebe. Beide Lokschuppen-Investoren planen die Errichtung von Parkdecks. Derzeit bewirtschaftet die Waggonhalle als Pächter die Stellflächen auf dem Gelände.

Kritik gibt es auch daran, dass Schneider einen Gastronomiebereich plant: „Das ist nicht so toll, weil das Rotkehlchen schon da ist“, findet Althaus. Schmidt sähe es als Konkurrenz, wenn ein weiterer Betrieb täglich öffne, warme Küche und Catering anbiete: „Gastronomie ist eh nicht einfach und wir kämpfen hier immer am Limit.“

von Patricia Grähling
und Björn Wisker

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