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Mord-Mahnmal im Marburger Südviertel?

Gedenken an Opfer von Mechterstädt Mord-Mahnmal im Marburger Südviertel?

Den Mordopfern von Mechterstädt soll in Marburg gedacht werden. Einen entsprechenden Antrag stellt die SPD an den Magistrat. Ein Forscher schlägt bereits mögliche Standorte vor – vor allem im Südviertel.

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Mitglieder des Studentenkorps Marburg waren für den Mord an 15 Arbeitern im März 1920 verantwortlich – verurteilt wurde in Zeiten rund um den„Kapp-Putsch“ niemand.

Quelle: Archiv

Marburg. In der Stadt soll, nach Absprache mit Philipps-Universität und Allgemeinem Studierendenausschuss, eine Gedenktafel installiert werden. Geschichtlicher Hintergrund: Im März 1920 erschossen Mitglieder eines nationalistischen Studentenkorps 15 gefangengenommene Arbeiter im thüringischen Mechterstädt, keiner von ihnen wurde je verurteilt, obwohl die gezielte Hinrichtung der Opfer durch die Studenten erwiesen war.

„Die Erinnerung an Gewalttaten, die von Marburgern ausgehen, ist eine Mahnung in die heutige Zeit zur Verpflichtung auf eine Kultur des Rechts und der Demokratie“, heißt es in der SPD-Antragsbegründung. Mehr denn je erscheine das in heutiger Zeit in Gefahr zu geraten, umso mehr brauche es öffentliche Orte, an denen „an vergangenes Unrecht erinnert wird“. Das könne einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich im Zuge einer lokalen Erinnerungskultur solche Ereignisse nie wiederholen.

Bruno Reimann, der zu den Morden von Mechterstädt jahrelang geforscht hat und kürzlich eine Ausstellung in der Universitätsstadt eröffnete, begrüßt den Plan für eine Gedenkinstallation. „So ein Zeichen ist längst überfällig“, sagt er auf OP-Anfrage. Am besten anbringen ließe sich eine Tafel im Bereich der Jägerkaserne oder im Bereich der Lutherstraße, wo sich viele Verbindungshäuser der an den Morden beteiligten Korporationen befunden haben.

Reimann kritisiert indes die Philipps-Universität. „Man schaut wie eh und je beiseite, drückt sich weg von der historischen Last, den ungesühnten Morden, die mit jedem Jahr nicht kleiner, sondern größer wird.“ Die Uni habe bis heute „kein inhaltliches und symbolisches Zeichen gesetzt“, sei – wie viele Hochschulen – „unfähig, sich mit den schwierigen Fakten und Fragen ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.“ Lediglich einzelne Äußerungen, welche die Tat als „verabscheuungswürdige Morde“ kritisierten, habe es gegeben, aber nie eine umfassende Aufarbeitung.

von Björn Wisker

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