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„Es geht darum, aufzufallen“

Straßenwahlkampf „Es geht darum, aufzufallen“

Sieben Wahlstände gab es anlässlich der Bundestagswahl am Samstag in der Oberstadt. Während die einen den „Wahl-Wal“ verteilten, versenkten die anderen Parteipro­gramme im Mülleimer.

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Der Wahlkampf in der Oberstadt spielt sich an den meisten Ständen vorwiegend samstags ab.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. „Familienpolitik ist ein großes Thema, Steuerentlastungen und Kitaplätze, gerade ganz aktuell in Marburg“, befand SPD-Pressesprecherin Alexandra Klusmann. Besonders viele Familien blieben am Stand der Sozialdemokraten stehen, manche Eltern ließen sich auf Gespräche ein, andere holten sich nur einen aufblasbaren „Wahl-Wal“ für die Kinder ab.

Jede Menge bunte Luftballons

Auch die CDU am Nachbarstand verteilte kleine Präsente und Flyer. Gerade aktuelle­ Themen aus der Stadtpolitik würden angefragt, erklärte Jens Seipp von der CDU-Stadtverordnetenfraktion. Dazu gehörten die Dar Al-Salem-Moschee und der Bürgermeisterwechsel.

Jede Menge bunte Luftballons kennzeichneten den benachbarten Stand der FDP. „Es geht darum, aufzufallen, wir wollen erkennbar sein“, sagte Direktkandidat Hanke Friedrich Bokelmann. Er lobte „ein gutes Feedback“ von den Bürgern, vor allem das Thema Bildung komme an. Im Gegensatz zum letzten Wahlkampf gebe es dieses Mal „keine aggressive Stimmung gegen die Parteimitglieder – wir sind anscheinend nicht mehr die böse wirtschaftsliberale ­Partei, zumindest hat man uns damals so gesehen“, befand Bokelmann.

"Rassisten mitten in Marburg"
Früher habe es da mehr kritische, bis beleidigende Wortwechsel gegeben. Die erhielten dieses Mal mitunter die Wahlhelfer der AfD, die sich Anfeindungen von Passanten und Schmährufen einer anscheinend linken Gruppe ausgesetzt sahen. Etwa ein halbes Dutzend junger Menschen bezog direkt neben dem Wahlstand Stellung und verwies lautstark auf „Rassisten mitten in Marburg“.

Gelassenheit bei AfD

Die Parteimitglieder versuchten das zu ignorieren, nahmen Rufe und Spuckerei vor den Wahlstand meist gelassen. „Wir haben Zuspruch“, teilte Wilfried Kissel, AfD-Kreistagsfraktion, mit. Besonders das Thema Rente werde von Passanten nachgefragt. Er wandte sich gegen die Vorwürfe aus der wachsenden Zuschauermenge. „Wir werden in eine rechtsextremistische Ecke gestellt. Das ist diffamierend, bei uns ist keiner rechtsextrem – unser Programm ist das CDU-Programm vor 20 bis 30 Jahren“, befand Kissel. Zeitweise drohte die Situation am Wahlstand zu eskalieren, zwei Polizisten schlichteten und stellten sich einige Zeit zwischen die beiden Fraktionen. Bis auf ein kurzes Gerangel sei nichts passiert, meinte Kissel. Nur die AfD-Flyer waren Ziel von Attacken, wurden zerrissen oder zu Boden geworfen, „einen von den Leuten habe ich dann weggeschubst“, erklärte er.

Bei der Linken geht's um die Rente

Am Stand der Partei „Die Linke“ ging es ruhiger zu, Hauptthema war der berufliche Ruhe­stand. Über die Zukunft der Rente sprach Direktkandidatin Elisabeth Kula mit Passanten. „Das ist ein wichtiges Thema, weil es uns alle betrifft“, so die 27-Jährige. Dennoch blieben nicht allzu viele Menschen stehen, die Resonanz sei „noch etwas verhalten“. Neben dem kühlen Wetter sah Kula den Grund dafür in einer Resignation der Bürger. „Viele glauben, es ändert sich sowieso nichts“, so die Direktkandidatin.

"Überflüssige Spaßparteien"

Mobiler unterwegs in der Stadt war die APPD, die lautstark von einem Stand der Konkurrenz zum anderen zog und Wahlprogramme einsammelte – um die Flyer in einer kleinen Mülltonne zu versenken. „Wir packen Programme von überflüssigen Spaßparteien ein“, erklärte Direktkandidat Richard Schmidtke. Als Spaßpartei werde man selbst häufig gesehen, das sei aber nicht zutreffend, trotz aller Parteisatire. An der Wasserscheide luden die Pogo-Anarchisten Passanten zu Gesprächsrunden mit Bier ein.

Grüne rücken EU in den Fokus

Die Resonanz an diesem Tag sei gespalten, fand Schmidtke. Passanten seien „teilweise total desinteressiert, andere sind voll interessiert. Das Thema Grundeinkommen zieht“.

Am Stand der Partei Bündnis 90/Die Grünen ging es eher um die Zukunft der EU, „das Thema Europa ist groß, wir konnten viele Leute erreichen“, meinte­ Direktkandidat Rainer Flohrschütz. Auf kommunaler Ebene überwiege der Verkehr und die Luftverschmutzung in Marburg. Das Interesse sei höher als üblich so kurz vor der Wahl – „es kommt Bewegung rein, die ­Leute werden jetzt aktiver“.

von Ina Tannert

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