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Mit „Blüten“ auf Einkaufs-Tour

Aus dem Amtsgericht Mit „Blüten“ auf Einkaufs-Tour

Erst besorgte er sich Falschgeld im Deep Web, kaufte schicke Handys, mietete einen heißen Schlitten und ward nicht mehr gesehen.

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Der Angeklagte orderte Falschgeld im Internet.

Quelle: Arne Dedert

Marburg. Auf großem Fuß lebte er nur kurze Zeit, jetzt muss sich der gebürtige Marburger wegen diverser Straftaten vor dem Schöffengericht verantworten. Darunter Inverkehrbringen von Falschgeld, das er in den vergangenen zwei Jahren im anonymen Teil des Internets kaufte. Insgesamt rund 3 000 Euro aus verschiedenen Chargen landeten in seiner Tasche. Die Blüten – Dutzende 20-,50- und einige 100-Euro-Banknoten – zahlte er mit dem im Netz üblichen Zahlungsmittel Bitcoins zu einen Bruchteil des angeblichen Werts. „Zwischen 10 und 20 Prozent“, gab er zu.

Der 44 Jahre alte Angeklagte zeigte sich mitteilsam vor Gericht, legte ein volles Geständnis ab. Ihm sei völlig klar gewesen, dass er im Web Blüten bestellte, ließ sich die Ware per Versand nach Hause liefern. Den tatsächlichen Namen des Verkäufers konnte er nicht nennen, „das waren alles fiktive Namen, keiner nutzt da seinen richtigen“. Mit dem Falschgeld ging er Shoppen, kaufte unter falschem Namen einige teure­ Smart- und IPhones und verkaufte die Geräte wieder, natürlich für echtes Geld.

Schließlich beschaffte er sich bei einer Marburger Autovermietung einen schicken Mercedes im Wert von rund 70 000 Euro, den er nach Ablauf der Leihfrist nicht zurückbrachte­ und erst einmal untertauchte. Den Wagen schaffte er nach Sachsen, wo er einige Zeit lebte. Nachdem die Eigentümer das Auto orten lassen hatten und der Täter auch noch in eine Radarfalle geraten war, wurde sein Aufenthaltsort bekannt. Eine Fahrerlaubnis hatte er ­indes nicht, muss sich ebenfalls wegen zweifachen Fahrens ­ohne Führerschein verantworten. Dieser wurde nach einer früheren Straftat bereits eingezogen, der Mann ist mehrfach vorbestraft. „Ich und das Gesetz waren uns nicht immer einig“, teilte er lässig vor Gericht mit.

Auch nachdem die Polizei bei einer ersten Hausdurchsuchung Falschgeld gefunden hatte, war ihm das anscheinend keine Lehre, er kaufte weitere Blüten im Netz. Wie anhand der Seriennummern ermittelt wurde, stammen die gefälschten Scheine wahrscheinlich von einer Fälscherbande aus Italien, gegen die seit vergangenem Jahr Ermittlungen laufen.

Spur der Scheine zieht sich durch gesamte Republik

Weitere Verfahren gegen den Angeklagten folgten. Die Polizei verfolgte die Spur der Scheine quer durch die Republik, überall tauchten weitere Blüten auf, „mit ihren Fingerabdrücken darauf“, warf Staatsanwältin Sarah Otto dem Mann vor.
Als Grund für die verursachte Kette an Straftaten, angefangen beim Falschgeld, gab der Leiharbeiter eine finanzielle „Notsituation“ an. Er verlor seine Arbeit, fand keine neue Stelle, „dann ist alles in die Brüche gegangen“. Mit seinem letzten Geld beschaffte er sich die Blüten. Bereits angesammelte­ Schulden konnte er nicht zurückzahlen und meldete Privatinsolvenz an. Wie sich herausstellte, mit falschen Angaben – denn er verschwieg dem Gerichtsvollzieher mehrere Bankkonten.

Auf seinem Kerbholz landete daher auch noch die falsche eidesstattliche Versicherung. Die Konten sah er als unwichtig an, „ich dachte nicht, dass da noch so viel drauf ist“, gab der Mann an. Zudem hoffte er dabei auf Kreditkarten, die ihm die Bank verwehrte.

  • Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

von Ina Tannert

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Blüten gekauft, Bankkonten verschwiegen, ein Auto unterschlagen und ohne Führerschein gefahren – wegen diverser Taten bestrafte das Schöffengericht einen Marburger.

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