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Mehr Recht auf Mitbestimmung

Lebenshilfe-Werkstättenräte tagen Mehr Recht auf Mitbestimmung

Die Werkstättenräte der Lebenshilfe haben sich über neue gesetzliche Veränderungen informiert. Schirmherrin der Tagung war Verena Bentele, die als Bundesbeauftragte Belange behinderter Menschen vertritt.

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Verena Bentele sprach bei der Tagung der Lebenshilfe-Werkstättenräte.

Quelle: Patricia Grähling

Marburg. Einige Dinge haben sich seit Anfang des Jahres für Werkstättenräte geändert. Seitdem gibt es die neue Werkstätten-Mitwirkungs-Verordnung (WMVO). Damit die Räte selbst auch gut über die Änderungen Bescheid wissen, hat die Lebenshilfe zu einer zweitägigen Tagung nach Marburg eingeladen. Rund 140 Menschen mit und ohne Behinderung aus ganz Deutschland waren bei der Konferenz dabei und sprachen nicht nur über Gleichstellung und mehr Mitbestimmung, sondern auch über den Missbrauch von Pflegebedürftigen, den ein Reporterteam erst Ende Februar in einer Fernsehsendung dokumentiert und aufgedeckt hat.

Zur Begrüßung erklärte Dr. Jeanne Nicklas-Faust, die Geschäftsführerin der Bundesvereinigung Lebenshilfe, dass die Fernsehsendung und die Enthüllungen sie betroffen gemacht hätten. „Wie kann so etwas passieren? Das ist eine Frage, die auch wir als Lebenshilfe uns stellen müssen.“ Sie biete etwa Qualitätssicherung, sorge für eine gute Ausbildung der Mitarbeiter. „Es muss eine unabhängige Beschwerdestelle geben, damit Menschen keine Angst haben, dass sie nach einer Beschwerde schlechter behandelt werden“, schlug Nicklas-Faust eine Lösung vor. Darüber hinaus sollten die Menschen, die etwa als Werkstättenräte schon mehr Verantwortung tragen, den Rücken gestärkt bekommen, damit sie „miteinander aufeinander gucken“ und keine Angst haben, Probleme und Missstände anzusprechen. „Wir bereiten gerade verschiedene Möglichkeiten vor“, erklärte die Geschäftsführerin. „Denn wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr passiert.“

Weibliche Ansprechpartnerin für Frauen

Mehr Verantwortung für Werkstättenräte gibt aktuell schon die WMVO. Verena Bentele, die selbst in Marburg die Blista besucht hat und seit 2013 Beauftragte für die Belange behinderter Menschen bei der Bundesregierung ist, stellte einige Neuerungen in ihrem Grußwort vor. „Die neue Verordnung bringt einige positive Dinge mit“, erklärte sie. So bekommen die Werkstattbeschäftigten mehr Recht auf Mitbestimmung, zugleich aber auch mehr Pflichten – etwa die Pflicht, „sich für Dinge einzusetzen, die nicht so gut laufen“. Werkstättenräte bekommen durch die WMVO das erste Mal ein verbrieftes Recht auf Mitbestimmung, etwa bei den Löhnen und der Arbeitsplatzgestaltung, aber auch bei der Planung von Betriebsausflügen. „Wir wollen, dass Menschen mit Behinderungen in alle Dinge, die sie betreffen, einbezogen werden“, sagte Bentele unter großem Applaus.

Neu an der Verordnung sei nun unter anderem auch, dass jede Werkstatt künftig auch eine Frauenbeauftragte haben müsse. „Mädchen und Frauen sind häufiger von Gewalterfahrungen bedroht und haben besondere Bedürfnisse“, sagte Verena Bentele.

Daher sei es wichtig, dass die Frauen auch eine weibliche Ansprechpartnerin hätten. Zudem bekämen die Räte Anspruch auf 15 Schulungstage im Jahr und bessere Möglichkeiten, sich deutschlandweit untereinander zu vernetzen und Erfahrungen auszutauschen.

Im Anschluss referierte unter anderem Hans-Peter Schell vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales über das neue Gesetz, die Änderungen und die Aufgaben der Frauenbeauftragten. Zum Tagungsprogramm gehörten auch Arbeitsgruppen, in denen die Werkstättenräte sich unter anderem mit Entlohnung, Mitbestimmung und Mitwirkung auseinandersetzten.

von Patricia Grähling

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