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Mehr Gleichberechtigung in 41 Schritten

Aktionsplan zur Gleichstellung Mehr Gleichberechtigung in 41 Schritten

Die Stadt Marburg möchte Vorbild sein und sich stärker für die Gleichstellung von Männern und Frauen engagieren. Dazu hat die Verwaltung einen Aktionsplan mit konkreten Plänen erstellt.

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Stadtverordnetenvorsteherin Marianne Wölk (von links), Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Gleichstellungsbeauftragte Dr. Christine Amend-Wegmann, die persönliche Referentin des OB Elke Siebler, Laura Griese, Referentin für die EU-Charta, und der studentische Mitarbeiter Jannis Löwe stellen den Aktionsplan für Gleichstellung in Marburg vor.

Quelle: Patricia Grähling

Marburg. Noch immer sind es vor allen Dingen die Frauen, die ihre Arbeitszeit reduzieren, um Kinder großzuziehen oder Angehörige zu pflegen – das ist auch in Marburgs Stadtverwaltung nicht anders. „Die meisten Männer nutzen die Elternzeit nicht, weil sie Angst vor einem Karriereknick haben“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD). „Frauen nehmen die Erziehungszeit öfter wahr – und haben teilweise Karriereknicke. Das soll es bei der Stadtverwaltung nicht geben.“

Nicht nur beim beliebten Beispiel Elternzeit will die Stadt sich vermehrt für Gleichstellung engagieren. Auch in der politischen Beteiligung, in der Arbeitsmarktpolitik und dem Bereich Gesundheit will Marburg die Männer und Frauen der Stadtgesellschaft gleichstellen. Dazu hat die Stadt bereits 2011 beschlossen, die EU-Charta für Gleichstellung zu unterschreiben. „Die Herausforderung der Gleichstellung ist eine tägliche Aufgabe, weil wir uns oft selbst im Kopf Fallen stellen“, sagt Spies. Viele Ungleichbehandlungen resultierten aus langer Gewohnheit.

Um dieses Ziel mit Leben zu füllen, hat die Stadt einen Aktionsplan zur Gleichberechtigung entwickelt. Vor allem Dr. Christine Amend-Wegmann, Leiterin des Gleichberechtigungsreferats der Stadt, und die studentische Hilfskraft Jannis Löwe haben viele Stunden an dem Plan gearbeitet. Herausgekommen sind dabei 41 Maßnahmen, welche die Stadt in den nächsten zwei Jahren umsetzen möchte. Fünf davon beziehen sich laut Spies auf die Stadt als Arbeitgeber, die Vorbild sein will, etwa im Bereich Wiedereinstieg.

Es soll eine beleuchtete Laufstrecke geben

Die meisten Pläne betreffen jedoch die Stadtgesellschaft. So soll es eine beleuchtete Laufstrecke geben, damit Frauen auch in der dunklen Jahreszeit joggen können. Konkret benannt werden auch Workshops für Nachwuchs-Politikerinnen und stärkere Beteiligungsmöglichkeiten für Alleinerziehende und Frauen mit Behinderungen. „Auch das Thema Gewaltprävention wird im Aktionsplan stark abgebildet“, sagt Amend-Wegmann. So sollen etwa Gruppen initiiert werden, in denen Männer mit Migrationshintergrund respektvollen Umgang mit Frauen und Werte besprechen – das solle häuslicher Gewalt vorbeugen. „Das betrifft natürlich nicht ­alle Männer. Aber das Problem gibt es und die Augen davor zu schließen, wäre fahrlässig.“

Neben den praktischen Ideen gibt es auch Maßnahmen, mit denen die Verwaltung zunächst Informationen sammeln will. Dazu zählt etwa das „Gender Budgeting“, wonach in den Bereichen Sport und Kultur überprüft werden solle, inwiefern die Haushaltsmittel jeweils Männern und Frauen zugute kommen – und ob sich ­daraus Konsequenzen für den städtischen Haushalt ergeben. „Gerade in Zeiten, in denen wir aufs Geld schauen müssen, ist es wichtig, vernünftige Kriterien für die Ausgaben zu haben“, ­betont Spies.

Laut Amend-Wegmann sei es wichtig zu schauen, wo die Stadt Geld für Arbeitsmarktpolitik ausgibt – und ob das bei Männern und Frauen gleichermaßen ankomme. Auch würde­ viel getan, um Flüchtlingen Sportangebote zu machen. Diese würden aber nur selten von Frauen wahrgenommen. „Wir tun schon viel für die Gleichstellung, aber wir können noch ­besser werden.“

von Patricia Grähling

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