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Marburgs „Mr. Herzchirurgie“ hört auf

Rainer Moosdorf geht in Ruhestand Marburgs „Mr. Herzchirurgie“ hört auf

Professor Rainer Moosdorf war Gründungsdirektor der Herzchirurgie und zeitweise auch Ärztlicher Direktor des Klinikums.

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Professor Rainer Moosdorf steht vor der Erinnerungstafel an die Gründung der Herzchirurgie in Marburg. Das Klinikum hat der Gründungsdirektor auch als Ärztlicher Direktor entscheidend mit geprägt.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Er war „Mr. Herzchirurgie“ und hat zudem noch in der entscheidenden Phase der Umsetzung der Privatisierung das Uni-Klinikum als Ärztlicher Direktor geleitet: Jetzt geht Professor Rainer Moosdorf (65) in den Ruhestand. Die feierliche Verabschiedung findet standesgemäß an diesem Mittwoch in der Alten Aula der Universität statt. Eingeladen sind Kollegen aus der Klinik und dem Fachbereich Medizin ebenso wie ehemalige Patienten und Förderer der Herzchirurgie – insgesamt alle Weggefährten aus Moosdorfs Marburger Zeit.

Er gehe halb weinend und lachend, sagte Moosdorf im Gespräch mit der OP in seinem Büro im Klinikum auf den Lahnbergen. Zwar freue er sich nach 40 Jahren als Herzchirurg auch auf ein etwas entspannteres Leben im Ruhestand. Aber gleichzeitig habe er seinen Beruf auch immer gerne und engagiert ausgeübt. Im März dieses Jahres ist Moosdorf 65 Jahre alt geworden. Zum 1. Oktober, dem Beginn des Wintersemesters, hört er nun auf.

Ursprünglich wollte Moosdorf nach universitären Abschlüssen als Mediziner und Zahnmediziner Kieferchirurg werden. Doch der gebürtige Kasselaner fand seine Bestimmung in der Herzchirurgie in seiner Zeit am Uni-Klinikum Gießen. Besonders reizte ihn daran, dass es ­eine relativ neue ärztliche Disziplin war. Nach einer Zwischenstation in Bonn als stellvertretender Leiter der dortigen Klinik für Herzchirurgie kam er 1994 nach Marburg mit der Aufgabe, am Uni-Klinikum die Herzchirurgie aufzubauen. „Ich war gekommen, um zu bleiben“, erinnert sich Moosdorf.

Er blieb bis heute und war in der Zwischenzeit nach eigenen Schätzungen an mehr als 3 000 Eingriffen am Herzen beteiligt. „Wir haben als Team einen guten Job gemacht und eine Menge Patienten versorgt“, bilanziert Moosdorf im Gespräch mit der OP. Besonders stolz ist er darüber, dass der Marburger Standort auch heute noch, allen Unkenrufen am Start zum Trotz, prosperiert und aus der Landkarte der herzchirurgischen Kliniken in Deutschland längst nicht mehr wegzudenken ist.

„Es war eine bewegte Zeit“

Auch um das Gesamtklinikum hat sich Moosdorf verdient gemacht. Von 2005 bis 2011 lenkte er den „Tanker Uni-Klinikum“ als Ärztlicher Direktor und schon ab 2001 war er als Stellvertreter seines Vorgängers Professor Matthias Schrappe in verantwortlicher Position tätig.

In Moosdorfs Ägide als Ärztlicher Direktor fiel die Zeit, als das Marburger Uni-Klinikum privatisiert wurde und mit dem Gießener Klinikum fusionierte. „Es war eine bewegte Zeit mit vielen Diskussionen in der Bevölkerung“, erinnert sich Moosdorf. „Ich hoffe aber, dass ich in dieser Übergangsphase auch in Hinsicht auf Marburg und den niedergelassenen Ärzten ein bisschen mehr Vertrauen in das Klinikum habe bringen können“, meint er.

Als weiteren Pluspunkt seiner Bilanz nennt er, dass es geschafft wurde, eine Menge guter Mediziner nach Marburg in das Klinikum zu holen. Zudem habe er auch in Sachen Neubau und Strukturierung des Klinikums einiges bewegt.

In seiner Zeit als nicht hauptamtlich tätiger Ärztlicher Direktor leitete Moosdorf „nebenbei“ auch noch die Klinik für Herzchirurgie. Nach seinem Abschied als Ärztlicher Direktor kam er wieder dazu, „wieder Luft zu holen“ und sich verstärkt „seiner“ Klinik zu widmen.

Ab Anfang Oktober wird Moosdorf nur noch als Privatier agieren. Dabei kann er sich aber vorstellen, nach seiner Pensionierung beispielsweise als Gutachter beim Aufbau von Kliniken im Ausland zu arbeiten. In Marburg hat sich Moosdorf in den vergangenen Jahrzehnten aber so gut eingelebt, dass er auf jeden Fall in der Universitätsstadt weiter wohnen möchte.  

von Manfred Hitzeroth

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