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Lokschuppen-Mieter drohen mit Rückzug

Privatisierung Lokschuppen-Mieter drohen mit Rückzug

Die seitens eines Investors als Ankermieter im Lokschuppen in Marburg vorgesehenen Firmen stellen nach der Änderung der Nutzungspläne ihre Zusagen infrage.

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Das Ringen um den Lokschuppen geht weiter. Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Den Firmen Loop Light, taschner.biz, Goldfisch Art und Splendid Spots ist unklar, ob das bisher skizzierte Neukonzept der Dreier-Bietergemeinschaft „so noch für uns tragbar und umsetzbar erscheint“. Die Unternehmen wollen erst im August entscheiden, „ob die derzeitigen Entwicklungen mit unserem Projekt - Ansiedlung der Kreativwirtschaft auf dem Areal - noch realistische und wirtschaftliche Perspektiven für alle bieten, oder ob wir aus den genannten Gründen nicht mehr an diesem Projekt mitwirken können“.

Man sei im Vorfeld der Entscheidung von Christmann + Pfeifer (C+P) „leider nicht von diesen Plänen informiert worden“, ein Treffen habe es erst nach der OP-Veröffentlichung am Mittwoch gegeben, teilen die Firmen über den Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft mit. Im Juli und August werde man an der Ausgestaltung der Neukonzeptionierung mitwirken, danach eine Entscheidung fällen.

Am Ortenberg herrscht Unverständnis über die Entwicklung. „Wir waren ziemlich schockiert, als wir das erfahren haben. Es verändert die Situation komplett“, sagt Matze Schmidt von der Waggonhalle. Es sei nicht verständlich, dass der „Christus Treff“ (CT) sein Anliegen derart intensiv weiter verfolge, obwohl alle Anlieger sich den Nachbarn nicht vorstellen können. „Warum muss der CT das auf Gedeih und Verderb durchziehen, durch die Hintertür auf das Gelände kommen?“, fragt Schmidt. Das habe etwas von „Jetzt erst recht!“, der CT fühle sich wohl herausgefordert. „Wir sehen die offene, tolerante Atmosphäre, die wir in den letzten 20 Jahren mit Herzblut aufgebaut haben, gefährdet“, sagt Schmidt. Die Kulturszene habe „Besseres verdient“ als das neue Angebot.

Christoph Altfeld vom Vorstand des Alpenvereins, der die benachbarte Kletterhalle betreibt, findet die Entwicklung „nicht so gelungen“. Die Voraussetzungen seien nun ganz andere, die Konzepte hätten „ohnehin schon nicht mehr viel zu tun mit den Konzepten, die die Bieter bei der Ausschreibung eingereicht hätten“. Deswegen müsste das Verfahren „eigentlich neu aufgerollt werden. Auch wenn es aufwendig ist.“ Er habe zudem den Eindruck, dass die jetzige Entwicklung von vielen Stadtverordneten nicht so gewollt gewesen sei. „Und das Thema ist ja auch eine Frage des politischen Willens: Will die Stadt den Lokschuppen auf Teufel komm raus verkaufen? Oder will sie ein vernünftiges Konzept, das auch auf das Gelände passt?“

Die Ortenberggemeinde sieht das ähnlich. „Alle bisherigen Abwägungen werden ad absurdum geführt“, sagt Pit Metz, Vorsitzender der Ortenberggemeinde. Es würden „ganz neue Rahmenbedingungen geschaffen“, das Verfahren müsse „vollkommen neu geöffnet werden“. Das Schreiben von C+P, Schneider und CT an den Magistrat sei „die Absicht der Bieter, von ihren ursprünglichen Geboten zurückzutreten“, ergänzt Heinz Jansen, für den Verein Mitglied im Auswahlgremium. Die angekündigte Neukonzeptionierung berge die Gefahr, dass „der CT das alleinige Sagen über das gesamte Lokschuppenareal hat“. Würde die Präsenz-Garantie für den CT auf dem Waggonhallenareal umgesetzt, habe dieser „sein Ziel erreicht, das er seit Jahren erreichen wollten“, sagt Jansen. Metz: „Den reklamierten Raumbedarf des CT gibt es möglicherweise am Ortenberg, aber nicht in Marburg - die Evangeliumshalle der evangelikalen bewegung in Wehrda hat 2000 Sitzplätze.“ Sollten die Stadtverordneten dem Ansinnen der Neu-Bietergemeinschaft nachgeben, drohe das Bieterverfahren „ausgehebelt“ zu werden, Magistrat und Bevölkerung würden „am Nasenring vorgeführt“, sagt Jansen.

Auch die Piratenpartei bekräftigt indes ihr Nein zu „jedem Konzept, in welchem der CT auf dem Waggonhallenareal Fuß fasst“. Die Gruppen seien „inkompatibel“, und alleine aus „Gerechtigkeitsaspekten müssten die stark limitierten Kreativräume in der Stadt anderen zur Verfügung gestellt werden als jenen, die schon mehrere Standorte hätten.

von Björn Wisker

und Patricia Grähling

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