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Kaufpreis entthront führendes Konzept

Lokschuppen Kaufpreis entthront führendes Konzept

Das Auswahlgremium empfiehlt dem Parlament beim Lokschuppen-Verkauf zwei Konzepte – dabei gibt es einen klaren Ausschreibungssieger. Entscheidend ist der Kaufpreis, etwas, das der Magistrat vermeiden wollte.

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Der Lokschuppen nahe des Hauptbahnhofs gilt als Kulturdenkmal.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Firma Schneider soll nach OP-Informationen der Sieger des Privatisierungs-Wettbewerbs sein. Auf der von der Stadt in der Ausschreibung festgelegten Bewertungs-Matrix ­erhielt die Bietergemeinschaft, die unter anderem den Christus Treff als Nutzer vorsieht, die meisten Punkte.

Dieser Kriterienkatalog umfasst Denkmalschutz und ­Nutzungsart inklusive städtebauliche Aspekte, Wirtschaftlichkeit, Umsetzungszeitraum, Energiekonzept und Kaufpreis (OP berichtete). In der ersten Runde, in der drei der vier eingereichten Konzepte weiterkamen, wurden maximal 85 Punkte vergeben, das Gros für Denkmalschutz und Nutzungsart (je 30 Punkte).

Der Kaufpreis, der weitere 15 Punkte ausmacht, spielte erst in der zweiten Runde eine Rolle. In dieser Runde scheiterte der Lokschuppenverein, der von den drei Investoren die geringste Summe bot (rund 600 Euro). Bei Christmann+Pfeifer sollen es nach OP-Informationen rund 6000 Euro, bei der Firma Schneider etwa 100 000 Euro gewesen sein. Der höchste Kaufpreis erhielt aufgrund der Bewertungs-Matrix die meisten Punkte, das Maximum von 15. Das ist offenbar ein Vielfaches mehr an Punkten als der zweithöchste und der niedrigste Betrag erhielten.

Denn vor der Einbeziehung des Kaufpreises sollen sowohl  C+P als auch Lokschuppenverein auf Augenhöhe mit der Firma Schneider gelegen haben. Mehr noch: C+P führte laut Bewertungsmatrix mit zwei Punkten vor Schneider, der Lokschuppenverein wiederum hatte acht Punkte Rückstand auf die seinerzeit zweitplatzierte Bietergemeinschaft. Die Führung wechselte nach Einbeziehung der Angebote, C+P lag dann mit etwa 13 Zählern zurück.

Problem Bebauungsplan: Wohnungen unzulässig

Im Vorfeld der Ausschreibung, im Oktober 2016 kündigte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) an,  dass der „Erlösgedanke“ nicht das entscheidende Kriterium bei dem Verkauf sein solle – doch die Höhe­ des Kaufpreises ist aufgrund des Punktvergabe-Systems nun offenbar doch der entscheidende Faktor geworden.

Ende 2011 kaufte die Stadt das gesamte Waggonhallenareal für 700 000 Euro, einen Einzelpreis für den Lokschuppen gab es laut Stadtverwaltung nicht. Nach eigenen Angaben investierte die Kommune zudem bis heute mehr als 200 000 Euro in den Erhalt des Kulturdenkmals.

Der Förderverein Lokschuppen ist „maßlos enttäuscht“ über die ausbleibende Empfehlung durch das Auswahlgremium, sagt Manfred Velte vom Verein zur OP. Dass die „in vielerlei Hinsicht denkmalgerechteste Variante“ am Thema Geld scheitern könnte, sei angesichts der gesicherten Finanzierung „nicht hinnehmbar“, eine Klage sei bereits geprüft worden, um Teil der Endausscheidung zu werden.

Indes droht für den Ausschreibungs-Sieger der Bebauungsplan zum Problem zu werden: Für ein Hotel, ein Gästehaus wie C+P es vorschlägt, wäre keine Änderung des aktuellen Bebauungsplans nötig. Dieser lässt auf dem Waggonhallenareal nur Kultur, Sport und Gewerbe zu – das vom Investor geplante sogenannte Boarding House, eine­ Unterkunft etwa für Gastwissenschaftler oder Handwerker, die längere Zeit auf Montage sind, würde als Gewerbebetrieb gelten.

Eine Wohnbebauung wie die von der Firma Schneider angedachten Studenten-Appartements, sind hingegen auf dem Gelände unzulässig. Erhält hingegen die Bietergemeinschaft den Zuschlag, wäre vor einer Umsetzung die Änderung des Bebauungsplans zwingend; und das dauert erfahrungsgemäß zwei Jahre. Eine Zeitspanne, die dem Plan des Magistrats,  die zuletzt betonte Einsturzgefahr des Kulturdenkmals zu mildern, entgegensteht. „Eine zeitnahe Vergabe innerhalb des bestehenden Verfahrens ist wegen des baulich sehr schlechten Zustands geboten“, teilt die Stadt gestern auf OP-Anfrage mit.

Die  Stadtverordnetenversammlung soll daher am 30. Juni entscheiden, welches Konzept umgesetzt wird. Eine rechtliche Bindung für ein Votum vor der parlamentarischen Sommerpause gibt es jedoch nicht, teilt die Stadt auf OP-Anfrage mit.

von Björn Wisker

Bürger-Info
Die von der Stadt angekündigte Bürgerinformations-Veranstaltung zum anstehenden Lokschuppen-Verkauf beginnt am Dienstag, 6. Juni um 19.30 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal (Barfüßerstraße 50). Das gab die Stadt auf OP-Anfrage bekannt.
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