Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Licht des Evangeliums nach „dunkler Zeit“

Studium generale Licht des Evangeliums nach „dunkler Zeit“

Im Studium generale geht es im Sommersemester darum, wie die Reformation in den vergangenen Jahrhunderten den gesellschaftlichen Wandel mitgestaltet hat.

Voriger Artikel
Mutmaßliche Täter stellen sich der Polizei
Nächster Artikel
Linke sieht große Koalition kommen

Dieses Bild aus dem 17. Jahrhundert, das Reformatoren und ihre Gegenspieler der katholischen ­Kirche zeigt, schmückt das Plakat, welches auf das Studium generale hinweist.

Quelle: Ruben de Heer

Marburg. Ein Ölgemälde eines unbekannten niederländischen Malers aus dem 17. Jahrhundert zeigt eine Idealdarstellung der Reformation: An einem Tisch versammelt sieht man um Martin Luther die führenden Köpfe­ der Reformation, unter ihnen beispielsweise Luthers Widersacher Calvin. Vor ihnen auf dem Tisch steht eine auf einem Leuchter befestigte Kerze. Diese Kerze symbolisiere das Licht des Evangeliums, das nach dem „dunklen Mittelalter“ wieder zu scheinen begonnen habe, erläutert Professor Wolf-Friedrich Schäufele, Organisator der Marburger Vortragsreihe zum Thema „Reform im Kontext“. Komplettiert wird das Bild im Vordergrund durch einen Bischof, einen Pfarrer, einen Papst und einen Mönch sowie in der Mitte ein schwarzes Tierwesen, das das Dämonisch-Teuflische verkörpert. All diese Gestalten  versuchen vergeblich, das Licht auszupusten.

Für Professor Schäufele zeigt dieses rund 100 Jahre nach dem Siegeszug der Reforma­tion entstandene Bild wie in einem Brennglas, wie sich die Vertreter der Reformation selber sahen. „Gegen die Front der bösen Feinde stehen die Reformatoren wie eine einheitliche Phalanx gegenüber“, meint Schäufele.

Ob dies aber wirklich so war, das ist eines der Themen der Vortragsreihe. „Die Reformation war nicht nur ein bedeutendes kirchliches Ereignis. Sie entfaltete in den verschiedensten Hinsichten nachhaltige Auswirkungen und veränderte das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben“, erläutert Schäufele. Die Reformation sei schließlich Teil eines weitgefassten Transformationsprozesses in allen gesellschaftlichen Bereichen gewesen.

Ausstellung im Landgrafenschloss

Den Referenten hat er für die Vortragsreihe die Aufgabe gestellt, die Reformation in ihre­ unterschiedlichen historischen Kontexte einzuordnen. Es wird beispielsweise gefragt, welche Auswirkungen sie auf Kunst oder Musik, aber auch auf die unterschiedlichen Wissenschaftszweige hatte. Aber auch die Bezüge der Reformation zur katholischen Kirche und den großen Weltreligionen, Judentum und Islam, werden thematisiert.

Bei den letzten beiden Vorträgen wird bilanziert: Überprüft wird die These, dass mit der Reformation die moderne Welt – einhergehend mit dem Sieg von Grundrechten, Demokratie, Aufklärung und Individualisierung – begonnen habe. „Mit welchem Recht führen wir das auf die Reformation zurück? Wie modern war die Reformation?“, fragt Professor Schäufele. Ganz bewusst solle beim „Stu­dium generale“ auf heroisierende Darstellungen verzichtet werden. Ziel sei es, auch die Schwachpunkte der Reformation zu benennen.   

„500 Jahre Reformation“ werden in Erinnerung an den Anschlag von Martin Luthers 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg in diesem Jahr bundesweit und auf der ganzen Welt gefeiert.

Die Gestaltung des „Studium generale“ ist neben einer Ausstellung im Landgrafenschloss Anfang Mai und einem Symposium im Herbst einer der großen Beiträge der Marburger Universität zum Reforma­tionsjahr – und das an einem Standort mit Tradition: Die von Philipp dem Großmütigen 1527 gegründete Hochschule gilt heute als älteste noch bestehende protestantische Hochschulgründung.

Schäufele ist Professor für Kirchengeschichte am Fachbereich Evangelische Theologie der Marburger Universität und ein Spezialist für die Geschichte der Reformation. Ausdrücklich verzichtete er bei der Auswahl der Referenten auf „große Namen“ und lud stattdessen Forscher ein, die ausgewiesene Experten auf ihren Wissensgebieten sind. Das Studium generale findet immer mittwochs jeweils ab 20.15 Uhr im Audimax im Uni-Hörsaalgebäude statt. Folgende Termine gibt es:

  • 19. April: Professorin Luise Schorn-Schütte  (Frankfurt): Die Reformation und ihre Zeit.
  • 26. April: Professor Martin Ohst (Wuppertal): Reformation und Theologie.
  • 3. Mai: Professor Mathias Schmoeckel (Bonn): Reformation und Recht.
  • 10. Mai: Dr. Charlotte Me­thuen (Glasgow): Reformation und Naturwissenschaften.
  • 17. Mai: Dr. Ruth Slenczka  (Berlin): Reformation und Kunst.
  • 24. Mai: Professor Laurenz Lütteken (Zürich): Reformation und Musik.
  • 31. Mai: Professor Ute Gause (Bochum): Die Reformation und die Frauen.
  • 7. Juni: Professor Peter Walter (Freiburg): Die Reformation und die römisch-katholische Kirche.
  • 14. Juni: Professor Dr. ­Karl Pinggéra (Marburg): Die ­Reformation und die Ost­kirchen
  • 21. Juni: Professor Hans-­Martin Kirn (Groningen): Die Reformation und die Juden.
  • 28. Juni: Professorin Athina Lexutt  (Gießen): Die Reformation und die Muslime.
  • 5. Juli: Professor Friedemann Voigt (Marburg): Die Reformation und die Moderne.
  • 12. Juli: Professor Claus-­Dieter Osthövener (Marburg): Was ist Protestantismus?

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Berühmter Name
OP-Praktikantin Milena Luther mit einer Playmobilfigur von Martin Luther. Die 16-Jährige hat ihren ganz eigenen Erfahrungen mit dem Namen gemacht.

Müller, Meier und Schmidt gibt es zu Tausenden. Manche heißen Klein und sind groß, andere haben gleich mehrere Nachnamen. Und dann gibt es noch die berühmten Namensvettern. Wie zum Beispiel Martin Luther.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr