Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -2 ° Regenschauer

Navigation:
Mehr Personal soll Entlastung schaffen

Ausländerbehörde Mehr Personal soll Entlastung schaffen

Seit Stunden schon wartet Muhamed in der Ausländerbehörde an diesem Donnerstag auf die Ausgabe seiner Wartemarke. Für viele Ausländer sind die Wartezeiten im Amt ein Ärgernis.

Voriger Artikel
Fischsoßen-Fabrik aus dem alten Rom
Nächster Artikel
Burschenschafter feiern unter sich

Muhamed Hammad (20) aus Syrien zeigt seine Wartemarke. Jede Woche muss er in der Ausländerbehörde mehrere Stunden warten, sagt er.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Muhamed kommt aus Damaskus, lebt seit drei Jahren in Marburg. Inzwischen hat er eine Deutsche geheiratet – aber in Dänemark. „Das war dort eine Sache von einer halben Stunde“, sagt er. Hier in Marburg auf der Ausländerbehörde müsse er selbst wegen Kleinigkeiten zum Teil mehrmals kommen und stundenlang warten.

So wie dem jungen Syrer geht es vielen Menschen, die hier darauf warten, dass eine Stunde vor Beginn der offiziellen Öffnungszeit der Behörde wenigstens schon einmal Wartemärkchen verteilt werden. Wer zuerst da war, bekommt die erste Wartemarke. Damit ist aber noch nicht gesagt, dass das Anliegen an diesem Tag erledigt werden kann, sondern nur, dass der Betroffene mit einem Mitarbeiter der Ausländerbehörde sprechen kann.

Bis zu 100 in Marburg lebende Ausländer kann die Behörde laut Auskunft von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) täglich bedienen, „wenn wir einen wegschicken, dann sicher nicht, weil wir keine Lust haben, uns um sein Anliegen zu kümmern, sondern weil vielleicht seine Unterlagen nicht vollständig sind“.

Spies über Sicherheitsfirma: Besser, wenn sie hier sind

Im März bereits hat die Stadtverordnetenversammlung zusätzlich fünf Stellen für die Ausländerbehörde beschlossen, erst zum 1. Januar können diese Stellen besetzt werden. „Fachleute sind rar und werden auch in anderen Verwaltungen gebraucht“, sagt Spies zur Begründung. Immerhin helfen demnächst pensionierte Landesbeamte bei der Bearbeitung von Routinearbeiten.

„Die Alternative zu den langen Wartezeiten“, so Spies, „wäre eine Bestellsprechstunde.“ Dann würden die Leute aber bis zu einem Vierteljahr auf einen Termin warten.
Trotz der bedrückenden Enge in dem Raum ist es ruhig. Mitarbeiter einer Security-Firma, die hier jeden Tag sind, wirken entspannt, „dramatische Vorfälle hat es noch nicht gegeben“, sagt Spies, fügt aber hinzu: „Es ist besser, wenn sie hier sind.“

Ausländerbeirat: Situation seit Frühjahr verbessert

Manche der Kunden warten schon seit Stunden, vor Vormittagssprechstunden sei es noch schlimmer, da warte man draußen, auch wenn es kalt und noch dunkel ist.
Spies bezeichnet die Situation in der Eingangshalle als eine Art „Vorsortierung“, bei der geklärt werde, welcher Kunde einen Spezialisten sprechen müsse und welcher keinen Sachbearbeiter brauche. Räumliche Entspannung gibt es im zweiten Quartal 2018, dann zieht die Ausländerbehörde in einen anderen, geräumigeren Gebäudeteil.

„Wenn Leute ab 6.30 Uhr vor der Tür warten, ist das unmenschlich“, sagt die Vorsitzende des Ausländerbeirats, Goharik Garayan, die ansonsten der Stadt aber bescheinigt: „Die Situation ist gegenüber dem Frühjahr schon besser geworden.“

Zum 1. Januar sollen alle Stellen besetzt sein, das schaffe zusätzliche Entlastung, hofft der OB. Er setzt darauf, dass das die Wartezeiten deutlich verkürzt.

In einer „Kundenbefragung“ äußerten sich laut Spies im übrigen mehr als 90 Prozent zufrieden mit der Ausländerbehörde – mit einer Ausnahme: Zwei Drittel der Befragten sind mit der Länge der Wartezeiten nicht zufrieden.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr