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Lahnufer: Kommt bewaffnete Stadtpolizei?

Kriminalität Lahnufer: Kommt bewaffnete Stadtpolizei?

Nach der Massenschlägerei an den Lahnterrassen und den vermehrten Sicherheitsbedenken in Marburg fordert die FDP einen Teil-Umbau des Ordnungsamts zur Stadtpolizei - samt Bewaffung für mehrere Mitarbeiter.

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Die Lahnterrassen und das umliegende Gebiet sind nach vier Jahren relativer Ruhe erneut zum Problempunkt geworden. In der laufenden Sicherheitsdebatte will der Magistrat als einen Präventionsschritt eine neue Beleuchtung installieren. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Ordnungsamt soll in Teilen zu einer Stadtpolizei umgewandelt werden, zwei Mitarbeiter 24 Stunden von montags bis sonntags in Marburg-Mitte eine Permanent-Präsenz, etwa Container, Fahrzeug oder Mieträume beziehen. Das fordert die FDP in einem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung als Reaktion auf die Massenschlägerei zwischen Flüchtlingen und Asylbewerbern an den Lahnterrassen am vergangenen Montag. Eine Ordnungamts-Präsenz auch nachts sei zwingend erforderlich: „Um aus den Unzulänglichkeiten und Planungsfehlern der Oberstadtwache zu lernen“, so die Liberalen. Zudem sollen künftig mindestens sechs Ordnungsamtsmitarbeiter einen neuen Ausbildungsgrad erlangen, der ihnen das Tragen von Waffen zum Selbstschutz erlaubt. Als Beispielstädte um den „massiven Kriminalitätsschwerpunkt“ sollten Frankfurt und Bremen dienen.

Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) will jedoch zunächst anders gegensteuern, für eine bessere Beleuchtung des Areals soll gesorgt werden. Auf beiden Seiten des Lahnufers zwischen Phil-Fak-Unterführung und Rudolphsplatz sollen Lampen installiert werden. „Helligkeit ist eines der besten Präventionsmittel für Kriminalität“, sagt Stötzel, zudem diene sie dem Abbau von Angsträumen, etwa dunklen Tunneln.

Kostenpunkt: 80.000 Euro

Der Fokus des geplanten Baus liegt laut des Bau- und Ordnungsdezernenten zwar auf dem Treff- und Brennpunkt auf der gegenüberliegenden Seite (Fußweg zu Gerhard-Jahn-Platz und Hängebrücke), jedoch solle es auch Beleuchtung zwischen Mensa und Phil-Fak-Tunnel sowie eine Helligkeits-Anpassung der bestehenden Lahnterrassen-Lampen geben. Kostenpunkt für diesen ersten Sicherheitsschritt rund um die Lahnterrassen: 80 000 Euro. Grundsätzlich sei eine Verhinderung von Massenschlägereien wie vergangenen Montagabend aber „fast unmöglich“, sagt Stötzel. Angesichts der zum Tatzeitpunkt noch laufenden Innenstadtkirmes habe es weit mehr Beleuchtung, Passanten und Polizeipräsenz gegeben als gewöhnlich.

Der SPD-Ortsverein Nord schlägt indes neben einer Ausdehnung der Polizei- und Ordnungsamtspräsenz am Abend sowie verstärktem Einsatz von Sozialarbeitern eine zeitliche Begrenzung des Zugangs zu den Lahnterrassen vor. Eine entsprechende Vorschlagsliste - samt dem vom Magistrat bereits angestoßenen Alkoholverkaufsverbot - schlägt der Ortsverein der Verwaltungsspitze vor.

"Bärendienst" für die Stadt

Die Linke kritisiert indes die aufkommende Migrantenkritik. Angesichts verbreiteter rechts-populistischer Stimmungen sei es „politisch verantwortungslos“ sich in der Sicherheitsdebatte „lautstark und aufgeregt zu Wort zu melden“, von „Angsträumen“ zu sprechen und „Gefahrensituationen herbeizureden“, sagt Hennig Köster, Stadtverordneter. So etwas erweise dem Ruf der Stadt „einen Bärendienst“. Eine wie von Stötzel bereits angekündigte Ausdehnung der Polizei- und Ordnungsamtspräsenz sei praktisch kaum möglich. Die Ausbildung der Ordnungspolizei und die „äußerst dünne Personaldecke der Polizei lassen weitere Einsätze in der Nacht gar nicht zu.“ Videoüberwachung halten Linke und SPD ebenso wie die Grünen für ungeeignet.

Köster fordert aber, dass aus den jüngsten Geschehnissen in den anstehenden Haushaltsberatungen Konsequenzen gezogen werden und über die Einrichtung neuer Planstellen gesprochen wird.

von Björn Wisker

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