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Konzept-Veränderungen zeichnen sich ab

Lokschuppen Konzept-Veränderungen zeichnen sich ab

Die geplante Nutzungsänderung des Lokschuppens in Marburg ruft die Kritik von Eisenbahnern hervor. Indes könnte die Schadstoffbelastung des Bodens noch vor der Sanierung Probleme bereiten.

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Der Marburger Lokschuppen diente der Firma Märklin, einem Modelleisenbahn-Unternehmen, als Inspiration für ein Modell eines Ringlokschuppens samt Drehscheibe. Foto: Björn Wisker

Marburg. Bei den Eisenbahnfreunden Treysa herrscht Unverständnis über die Privatisierung samt Nutzungsänderung des Gebäudes. Dort, in Treysa, existiert ebenfalls ein maroder Lokschuppen, wird aber derzeit von einem Verein saniert und „für den Zweck weiter genutzt, für den er einst gebaut worden ist“, sagt Marc Nemeti im OP-Gespräch. Man habe sich den Erhalt der Maschinen, der Industriekultur und Verkehrsgeschichte zum Ziel gesetzt, damit habe man alleine in den vergangenen zwei Jahren immerhin so viel Geld erwirtschaftet, dass man - mit Zuschuss der Deutschen Bahn - die 300000 Euro teure Modernisierung von Dach und Toren bezahlen könne. Das Interesse an Vorführungen von und Fahrten mit historischen Schienenfahrzeugen, etwa alten Dampfloks sei „ungebrochen sehr groß“. Man könne „nur mit dem Kopf schütteln“, wie schnell das Konzept des Marburger Lokschuppenvereins seitens des Auswahlgremiums verworfen worden sei. „In Treysa funktioniert, was in Marburg angeblich nicht funktionieren würde“, sagt Nemeti.

Unterdessen rückt die Schadstoffbelastung des Bodens in den Fokus. In der Ausschreibung zum Lokschuppen-Verkauf wurde seitens der Stadt darauf hingewiesen, dass sich aufgrund der ehemaligen industriellen Nutzung des Gebäudes Schadstoffbelastungen im Boden befinden. Das könnte nach Einschätzung von Baufachleuten zu Problemen führen - gerade beim im Konzept des Ausschreibungssiegers Optik Schneider vorgesehenen Wohnungsbau.Die Stadt teilt auf OP-Anfrage mit, dass „in Bezug auf den Wirkungspfad Boden-Grundwasser Einschränkungen hinsichtlich der Nachnutzung der sanierten Flächen nach heutigem Kenntnisstand nicht zu erwarten sind“. Werde aber in aktuell unbefestigte und befestigte Flächen eingegriffen, etwa Bodenaushub, seien diese hinsichtlich des Wirkungspfades Boden-Mensch und entsprechend der vorgesehenen Nutzung zu untersuchen und zu bewerten. Bisherige Altlasten-Gutachten gehen demnach von einer Fortführung gewerblicher Nutzung auf dem Gelände aus.

Investor Schneider stellt der Stadtverwaltung daher offenbar bereits einen Verzicht auf Wohnungsbau in Aussicht, würde den Fokus stattdessen auf Veranstaltungen und Gewerberäume richten. Christmann + Pfeiffer, in deren Mittelpunkt der Mix aus Gewerbeflächen und Hotelbetrieb steht, will indes ein sechs Monate geltendes Rücktrittsrecht in den Kaufvertrag verankern - falls Kosten- und Erlösansätze sich nach detaillierter Begutachtung nicht halten lassen. In diesem Fall würde der Lokschuppen wieder in städtischen Besitz übergehen.

Projektvorstellung: Dienstag, 6. Juni um 19.30 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal (Barfüßerstraße 50) .

von Björn Wisker

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