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Kneipenschlägerei: Hauptzeugin fehlt

Aus dem Amtsgericht Kneipenschlägerei: Hauptzeugin fehlt

Ein 29-jähriger Marburger war angeklagt, vor knapp dreieinhalb Jahren einen anderen Kneipengänger brutal verprügelt zu haben. 

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Der Prozess fand vor dem Amtsgericht Marburg statt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Dieser erlitt ein Schädelhirntrauma und zahlreiche Prellungen am Kopf.

Der Angeklagte berichtete von dem Vorfall, dass er bereits alkoholisiert zu später Stunde die Kneipe betreten habe und das als Nebenkläger anwesende Opfer sofort auf ihn aufmerksam geworden sei. Er meinte abfällige Bemerkungen bezüglich seines Berufs als Schrotthändler gehört zu haben und wollte eigentlich gehen. Alles sei eskaliert und er habe zugeschlagen. Mehrfach verdeutlichte er Strafrichter Carsten Fett, dass er nur vorbeugend zuschlug. „Der wollte mit dem Glas nach mir schlagen“, so die Aussage des Angeklagten.

Der Geschädigte selbst hat keinerlei Erinnerung an diese Nacht. Filmriss im volltrunkenen Zustand, so seine Erklärung. Er sei am Morgen im Krankenhaus mit einem Brummschädel aufgewacht. Man habe ihm etwas von einer Schlägerei erzählt.

Ohne ärztliches Einverständnis sei er mittags nach Hause gegangen.

In stabile Seitenlage gebracht

Als dann die ersten Zeugen aussagten, ergab sich ein verändertes Bild. „Ich habe gesehen, wie der Angeklagte auf sein Opfer eingeschlagen hat und ihn vom Stuhl geworfen hat“, berichtete ein groß gewachsener Mann, der herbeigeeilt war, um die Kampfhähne zu trennen. Er zeigte sich etwas überrascht, dass ihm dies auf Anhieb gelungen sei und der Täter sofort von seinem Opfer abgelassen habe. Zu dem Geschädigten konnte er keine Angaben machen. Sein Kumpel, mit dem er die Gaststätte besuchte, habe sich um den am Boden liegenden gekümmert.

Der in Rettungsmaßnahmen geschulte Zeuge habe den am Boden Liegenden in eine stabile Seitenlage gebracht und ihn bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes betreut. Die Rechtsanwälte sowie Richter und Staatsanwältin äußerten sich lobend über so ein zielgerichtetes Zupacken in einer so unklaren Situation. Zum weiteren Verhalten des Angeklagten konnte auch dieser Zeuge keine Angaben machen.

Das war der Zeitpunkt, wo Verteidiger Sascha Marx die Notwehrsituation seines Mandanten bröckeln sah und die Verfahrenseinstellung gegen Auflage anstrebte. Dagegen sprach sich Staatsanwältin Katrin Wiegand aus.

Laut Marx müsse die wohl wichtigste Zeugin, die damalige Bedienung, die nicht vor Gericht erschienen war, unbedingt befragt werden. Da der Zeitrahmen derzeit nicht absehbar sei, wird wohl der gesamte Prozess noch einmal neu starten.

von Heinz-Dieter Henkel

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