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Jüdische Lebenswelten im Mittelpunkt

Veranstaltungsreihe Jüdische Lebenswelten im Mittelpunkt

700 Jahre Judentum in Marburg: Das ist das Thema einer Veranstaltungsreihe, deren Programm gestern im Marburger Rathaus vorgestellt wurde.

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Die Organisatoren des Jubiläums „700 Jahre Judentum in Marburg“ schauen sich zusammen mit OB Dr. Thomas Spies (Dritter von links) die Synagogen-Reste am Schlosssteig an.

Quelle: Manfred Hitzeroth

Marburg. Jüdisches Leben reicht in Marburg bis weit in das Mittelalter zurück. So wurde die erste Synagoge wohl bereits um 1280 in der Judengasse (Heute­ Schlosssteig/Willy-Sage-Platz) erbaut. Die Fundamente der mittelalterlichen Synagoge sind seit einigen Jahren wieder freigelegt und von einem Glaskubus überdacht zu bewundern.

Den Anlass für das Jubiläumsjahr „700 Jahre Judentum in Marburg“ lieferte aber die ­offizielle Ersterwähnung dieser ­Synagoge in einer Urkunde vom 15. Mai 1317 (die OP berichtete). Initiiert von der Jüdischen Gemeinde Marburg wurden die Veranstaltungen geplant.

Kooperationspartner sind unter anderem das städtische Kulturamt, die Universität, das Staatsarchiv und die Evangelische Kirche sowie zahlreiche weitere Partner. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies erläuterte, dass die Stadt das Jahresprogramm unterstütze.

„Wir wollten nicht in der ­Gedenkschiene bleiben, sondern auch andere Themen aufgreifen“, erläuterte Initiatorin Monika Bunk (Jüdische Gemeinde) das Konzept des Jubiläumsjahres. Schließlich sei das Judentum 700 Jahre lang in Marburg lebendig gewesen.

Ein sichtbarer Höhepunkt in dieser Geschichte sei die Errichtung der repräsentativen Synagoge von 1897 in der Universitätsstraße gewesen, heißt es im Flyer zum Jubiläumsjahr.

Sprengung der Synagoge 1938

Der Tiefpunkt sei dann die Vertreibung und Vernichtung durch den Nationalsozialismus, die mit der Brandstiftung und Sprengung dieser Synagoge 1938 auch in Marburg ­begonnen habe. Erst nach 1946 sei langsam wieder jüdisches Leben in Marburg entstanden.

Ausdrücklich soll es keine Veranstaltung im Jubiläumsreigen­ geben, die sich mit der NS-Zeit befasst, erläuterte Bunk auf ­Anfrage der OP.

Die jüdische Geschichte werde ansonsten immer auf den Holocaust reduziert. Stattdessen solle dieses Mal der Fokus auf die Normalität und die Vielfältigkeit des jüdischen Alltags über die Jahrhunderte gelegt werden, sagte Bunk.

So soll es einen speziellen Neujahrsempfang der Jüdischen Gemeinde am 2. Oktober zum jüdischen neuen Jahr in der Stadthalle geben und wenige Tage später das Laubhüttenfest im Jüdischen Gemeindezentrum in der Liebigstraße. Das Themenspektrum der Vorträge reicht vom Thema der Ersterwähnung der Synagoge (15. Mai) über die jüdische Rechts- und Sozialgeschichte im 16. Jahrhundert (17. August) bis hin zur „Wirtschaftsethik in Judentum, Christentum und Islam“ (1. Juni). ­

Außerdem gibt es kulturelle Beiträge von einem Leonard-­Cohen-Abend (28. Mai) bis hin zu einem Marburger Schlosskonzert mit dem Titel „Hebräische ­Variationen“ (27. August).

Propst Helmut Wöllenstein von der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck freut sich besonders über die „Psalmen-Jonglage“ (23. September), bei der die Kurhessische Kantorei demonstrieren wird, dass die evangelische Kirchenmusik Vorläufer in der hebräischen Bibel hatte.

Wöllenstein bezeichnete es als Glücksfall, dass „700 Jahre Judentum“ im selben Jahr wie „500 Jahre Reformation“ gefeiert werde und sah auch den Vortrag mit dem Titel „War Luther Antisemit?“ von Professor Dietz Bering (4. Mai) als wichtigen Beitrag zu beiden Jubiläen an.

Wöllenstein machte deutlich, dass angesichts der großen Katastrophe des jüdischen Lebens in Deutschland beim Holocaust die Frage nach einer angemessenen Gedenkkultur nachdenkenswert sei.

Eine Ausstellung im Staatsarchiv steht unter dem Titel „Auf dem Weg zu emanzipierten Bürgern. Jüdische Lebenswelten in und um Marburg“ (ab 15. November) stehen am Ende des ­Jubiläumsreigens.

Das Jahresprogramm ist in einem Flyer zusammengefasst und findet sich unter www.marburg.de/juden

von Manfred Hitzeroth

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