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Jetzt spricht der „Christus Treff“

Waggonhalle Jetzt spricht der „Christus Treff“

Der „Christus Treff“ will – als Teil der Bietergemeinschaft mit Optik Schneider – den Lokschuppen kaufen, mehr als zwei Millionen Euro in die Sanierung des Werkstattgebäudes stecken. Der Co-Investor erklärt das Vorhaben.

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Das Werkstattgebäude will der „Christus Treff“ für 2,2 Millionen Euro sanieren, die Räume sollen teils selbst genutzt, aber vor allem an Privatinteressenten vermietet werden.

Quelle: Patricia Grähling

Marburg. Das Lokschuppen-­Nachbargebäude soll „der Knotenpunkt des CT werden“, heißt es in der Konzeptbeschreibung. Fünf Gruppenräume und ein Kreativraum sollen demnach im Werkstattgebäude eingerichtet werden. Diese­ würden wochentags an Privatinteressenten vermietet. Das Konzept sieht Kindergeburtstage, Eltern-Treff, Bandproben, Hausaufgabenhilfe und Kinderkulturarbeit – etwa Theater oder Sport – sowie einen Außenspielbereich vor.

„Die Nutzung ist aber keine exklusive CT-Angelegenheit, wir nisten uns da nicht ein“, sagt Professor Tobias Faix, CT-Vorstandsmitglied, mit dem Verweis auf den Büroraum-Verzicht. „Gehirnwäsche liegt uns fern“, ergänzt Reinhard Schindler, CT-Geschäftsführer. Man selbst habe auf dem Waggonhallengelände lediglich einen „speziellen Bedarf“, der am Hauptstandort nicht mehr abgedeckt werden könne, „wir wollen das Gelände nicht okkupieren“.

Jeden Sonntag kommen nach CT-Angaben mehr als 400 Besucher zum Doppelgottesdienst in den Saal des Christhauses in der Georg-Voigt-Straße – plus rund 100 zum Kindergottesdienst. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Schindler. Selbst die Videoübertragung in Nebenräume reiche angesichts des Andrangs nicht aus, die Kinder- und Jugendräume im Untergeschoss würden regelmäßig von Dutzenden zeitgleich genutzt. „Unangenehm eng“ sei es mittlerweile geworden.

Das ehemalige Kurhotel am Ortenberg bezog die Glaubensgemeinschaft 1994. Dort finden Kinder- und Jugendaktivitäten wie Theater, Konzerte und Sport ebenso statt wie Freizeitveranstaltungen für Erwachsene. In der CT-Präsenz am Steinweg befänden sich nur Büros und eine Kapelle, der Standort am Richtsberg beschränke sich auf den Stadtteil. „Das Waggonhallenareal ist für uns wegen der Zentralität, der Erreichbarkeit und unserer Verwurzelung in der Nachbarschaft total passend“, sagt Schindler.

„Sachlich und fachlich ist nichts zu beanstanden“

Plan sei es, „ein vom Verfall bedrohtes Anhängsel des Lokschuppens zu sanieren und nach Jahren endlich einem Zweck zugunsten aller Marburger zuzuführen“, sagt Schindler.

Formal habe das Angebot alle Anforderungen erfüllt, die Bietergemeinschaft Firma Schneider und Christus Treff habe die Ausschreibung – bei der die Angebote in einem Auswahlgremium im Detail beraten und bewertet wurden – gewonnen.

„Wir haben uns an das Verfahren, in dem es klare Regeln gab, gehalten. Sachlich und fachlich ist nichts zu beanstanden, das darf jetzt nicht von einem Politikum verdeckt werden“, sagt Mathias Schäfer vom CT-Leitungsteam. Man hoffe, dass die Stadtpolitik vernünftig sei und „sich mehr mit Zahlen, Daten und Fakten als mit plötzlichen und organisierten Einmischungen und Randale beschäftigt“.

Das Investitionsvolumen von 2,2 Millionen Euro setzt sich nach CT-Angaben aus Spenden (500 000 Euro) und zugesagten Darlehen zusammen. Der aktuelle ist dabei nicht der erste Kauf-Versuch des CT. Ab 2007, vor allem 2011 meldete die Organisation bei der Stadt mehrmals konkretes Interesse an.

von Björn Wisker

„Die plötzliche Angst vor uns ist seltsam“

Im OP-Interview verweist der „Christus Treff“ auf seine jahrzehntelange und „unscheinbare Präsenz". Professor Tobias Faix, Vorstandsmitglied des „Christus Treffs“, äußert sich zu den Vorwürfen gegenüber der Glaubensgemeinschaft.
OP: Wie ist die Haltung des Christus Treffs zu Homosexualität?
Professor Tobias Faix: Wir sind eine offene Gemeinde, Ausgrenzung gibt es bei uns nicht, hier herrscht Diskriminierungsfreiheit. Bei uns ist jeder willkommen, niemand stellt Fragen zur sexuellen Orientierung, auch die ethnische oder soziale Herkunft spielt keine Rolle.

OP: Also sollen Homosexuelle auch nicht, wie  Kritiker es Ihnen vorhalten, ‚geheilt‘ werden?
Faix: Das Wort Heilung würden wir in dem Zusammenhang nie verwenden. In unserer Gemeinde sind Homosexuelle aktiv, sie gehören wie jeder andere dazu. Einige gehen offener mit ihrer Sexualität um, andere nicht – wir sind als Gemeinde einfach ein Abbild dieser Stadt, der Gesellschaft insgesamt. Letztlich bringt Gott uns zusammen, Christen sind wir alle und der Fokus liegt auf Glauben, Nächstenliebe und Toleranz.

OP: Inwieweit ist das Missionieren, christliche Überzeugungsarbeit das Ziel auf dem Waggonhallengelände?
Faix: Lautstark aktiv und omnipräsent sind in Marburg andere Gruppen. Natürlich wollen wir unsere Leidenschaft teilen, aber wir stülpen niemand etwas über, wir machen lediglich ein Angebot, das einigen gefällt, anderen nicht. Die Einen bleiben, die Anderen gehen, andere wissen gar nichts über uns. Und im konkreten Fall Lokschuppen: Das Werkstattgebäude war nie als CT-exklusives Ding gedacht, das ist offen für alle Menschen und niemand von uns wird etwa dort stehen und Zettel verteilen. Wir wollen dort etwas Gutes für Marburg machen, Räume etwa für Familienfeiern schaffen, egal ob für CT-nahe oder CT-ferne Menschen – eine jahrhundertelange schlechte Geschichte der Missionierung werden wir sicher nicht fortsetzen.

OP: Erzkonservativ, religiös-fundamentalistisch.
Faix: Das sind nur Kampfbegriffe. Ja, wir nehmen die ­Bibel ernst – aber nicht wörtlich. Zwang herrscht keiner, niemandem wird etwas aufgedrückt. Im Gegenteil, wir wollen ein mündiges Leben in der Gemeinde, Offenheit fördern. Grundsätzlich: Wir sind seit 35 Jahren hier, wir sind Marburger, eher unscheinbar präsent, keine von außen einfallenden Fremden. Die plötzliche Angst vor uns, diese künstlich aufgemachten Gräben, sind seltsam.

 
Studentengruppe gründete den CT
Der „Christus Treff“ ist vor 35 Jahren aus einer Gruppe­ Studenten und Auszubildenden als verbindliche Gemeinschaft entstanden – die Jesus-Gemeinschaft, Keimzelle des CT. In „modernem Format“ werden mehrmals wöchentlich Gottesdienste gefeiert, unter anderem in der Lutherischen Pfarrkirche (an Donnerstagen). Die meisten im CT – einer in die Evangelischen Kirche eingebundenen Organisationen – sind evangelisch, es gibt aber auch Katholiken und Anhänger von Freikirchen. Bis Juli ist Elke Werner Gesamtleiterin, Ulrich Hilzinger wird auf sie folgen.
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