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Irrwitziges Abenteuer durch Marburg

Schnitzeljagd "Scavenger Hunt" Irrwitziges Abenteuer durch Marburg

Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zur letzten Minute - am Mittwochabend um 23 Uhr endet die aufregende Schnitzeljagd quer durch Marburg. Es wurde gebastelt, gefilmt und gerätselt. Nun beginnt für die Teams das große Zittern.

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Annika Neumann (von links), Valerie Henke, Larissa Pitzen und Carina Neuber in der Kneipe Delirium.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. Augen zu, den Kopf in den Nacken. Dann der ­tiefe Schluck, das Brennen in der Kehle und der kurze Gedanke, dass dieses Zeug wirklich nach verrostetem Metall schmeckt. Die Ingwer- und Tabasco-Mischung „Rostiger Nagel“ hat es in sich und ist nicht nur in Studentenkreisen berühmt-berüchtigt. Carina, Larissa, Annika und Valerie stellen die Schnapsgläschen vor sich ab und schauen mehr oder weniger begeistert drein. Aber die Aufgabe ist abgehakt. Das Smartphone-Foto dient als Beweis für den Spielleiter und wird sofort über die App übermittelt.

Es geht gleich weiter mit der nächsten Aufgabe – dem Tresen-Selfie. Ein Leichtes für die vier Studentinnen, die sich unter dem Namen „Arm aber sexy – intim im Team“ für die Marburg-Schnitzeljagd ­„Scavenger Hunt“ angemeldet haben. Zugegeben: Schnapstrinken und ein Selfie machen gehört bei dem 150 Aufgaben umfassenden Programm zu den eher ­unaufwendigen Herausforderungen.

Wesentlich mehr Zeit haben die vier Freundinnen beispielsweise in die ­Neuinterpretation eines Musik-Videos aus dem Film „High School Musical“ gelegt, welches sie komplett nachgestellt haben. Besonders zeitaufwendig sei das Schneiden des Video-Materials gewesen, sagt Carina Neuber. Aber am Ende gab es vom ­Spielleiter ­eine positive Rückmeldung, weil ­besonders kreativ gelöste ­Aufgaben mit Extrapunkten belohnt werden.

Hinter der Spiele-Idee steckt der ehemalige Marburger Student Carsten Schott (29), der in der Unistadt nach einer Möglichkeit gesucht hat, Lokalgeschichte und Stadtgeschehen mit Rätseln und Humor zu verbinden. Besonders um Letzteres, den Spaß in der Gruppe, geht es den vier Freundinnen, erklärt Larissa Pitzen: „Wir haben uns eher die witzigen Aufgaben herausgesucht.“ Hier ein Praxis-Beispiel: „Gehe in einen Drogeriemarkt und kaufe für einen Euro die möglichst schwerste Ware.“ Die Wahl der Mädchen-Gruppe fiel auf in Beutel verpackten Vogelsand. Der ist günstig und bringt ordentlich Gewicht auf die Waage.

Ein anderes Mal sollte das Team ein Foto senden zur Überschrift „Hast du das wirklich angelegt?“. Beim Blick auf das Ergebnis auf einem der Handy-Displays fängt die Gruppe gleich wieder an zu lachen. Und so gibt es ­allerhand lustige Bilder aus den letzten beiden Wochen, an die sich die vier Marburgerinnen noch lange erinnern werden: den „Schubkarren-Gang“ über die Mensa-Brücke, das Basteln der „Aluhüte“, das chaotische Koch-Video oder das Outfit, das ausschließlich aus Panzertape bestand. „Wenn man bei so etwas mitmacht, sollte man sich auf keinen Fall zu ernst nehmen“, meint Annika Neumann.

Obwohl es auch die etwas ernsteren Themen gibt: Punkte gibt es beispielsweise auch dafür, wenn sich jemand sozial engagiert. Etwa durch eine Mitgliedschaft bei der Knochenmarksspenderdatei DKMS. „Ich finde allerdings, dass die Entscheidungen für solche Dinge aus einem selbst heraus kommen müssen“, sagt Carina Neuber und hinterfragt damit den erzieherisch anmutenden Aspekt mancher Aufgaben. Im Großen und Ganzen sei der Ablauf jedoch ziemlich durchdacht und gut.

Das Smartphone ist zwar ein zentraler Bestandteil des Spiels – mit Hilfe der App können die Teams zum Beispiel ihre derzeitige Platzierung einsehen, auch wenn sie den ­genauen Punktestand nicht erfahren –, aber „Scavenger-Hunt“ sorgt auch für viel Bewegung und ist damit eben kein reines Online-Spiel. Die Teilnehmer müssen raus: hoch zum Schloß, zur Lahn oder den Grimm-Dich-Pfad entlang. Sie beschäftigen sich als Team mit der Stadt.

Die Rückmeldungen auf das Spiel seien durchweg positiv, sagt Carsten Schott. Ob es allerdings eine Neuauflage im nächsten Jahr gibt, weiß der Spieleentwickler derzeit noch nicht. Dazu müssten in der Zukunft noch Gespräche mit möglichen Sponsoren geführt werden.

Nachdem das Team „Inteam“ die zwei „Kneipen-Aufgaben“ so schnell erledigen konnte, geht es nun weiter durch die Oberstadt in Richtung Marktplatz. „Uns hat schon ein wenig der Ehrgeiz gepackt. Derzeit sind wir auf Platz 13. Unter die ersten 10 würden wir aber schon gerne kommen“, sagt Carina Neuber. Ein bisschen zittern muss das Quartett noch: Ende dieser Woche wird bekannt gegeben, wer es unter die „Top Ten“ geschafft hat. Ein bisschen träumen ist da natürlich erlaubt: „Wenn wir tatsächlich gewinnen, machen wir zusammen einen Kurzurlaub“, sagt Neuber.

von Dennis Siepmann

  • Die Siegerehrung findet am kommenden Montag, 6. November (14.30 Uhr bis 15.30 Uhr) in der Filiale Rudolphsplatz der Volksbank Mittelhessen statt. Bis zur offiziellen Siegerehrung wissen die zehn bestplatzierten Teams jedoch nichts über die genaue Reihenfolge und demnach auch nicht, wer den Hauptpreis von 500 Euro gewonnen hat.
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