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Schon mehr als 400 Patienten bestrahlt

Ionenstrahl-Therapiezentrum Schon mehr als 400 Patienten bestrahlt

Zwei Jahre nach Inbetriebnahme des Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrums (MIT) zieht Professorin Rita Engenhart-­Cabillic ein vorsichtig zufriedenes Fazit.

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 Professorin Rita Engenhart-Cabillic zieht eine positive erste Bilanz.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Von der neuen ­Bestrahlungsmethode versprechen sie sich eine größere Heilungsrate bei bestimmten Tumorarten, erläuterte Professorin Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie.

Seit Oktober 2015 werden im Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum Patienten behandelt. Dabei wenden die Spezialisten eine besondere Technik an, um Krebstumore zu bekämpfen, die man nur schwer erreichen kann. Ausgewählte Tumore werden dabei mit Kohlenstoff- und Wasserstoff-Ionen beschossen. Diese Ionen können gesundes Gewebe durchdringen, ohne dort Schaden anzurichten – erst tief im Tumor entfalten sie ihre zerstörerische Wirkung.

Eingesetzt wird die kombinierte Bestrahlung durch hochbeschleunigte Wasserstoff- und Kohlenstoff-Ionen vor allem bei Tumoren, die relativ unzugänglich tief unter der Körperoberfläche angesiedelt sind.

Das Rhön-Klinikum betreibt das MIT gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg.

Die Therapie wird in Form von klinischen Studien durchgeführt. Das bedeutet, dass die Behandlung besonders eng wissenschaftlich begleitet wird, dass Behandlungserfolge mit anderen Methoden verglichen werden. Ziel ist, die Wirksamkeit einer bestimmten Behandlung oder eines bestimmten Medikaments nachzuweisen.

In Marburg sollen Langfriststudien klären, wie sich die Sterblichkeit bei bestimmten Krebsarten entwickelt, erläutert Engenhart-Cabillic.  Es liegt in der Natur der Sache, dass nach zwei Jahren noch keine verlässlichen Aussagen darüber getroffen werden können, bei welchen Tumoren Patienten eine bessere Überlebenschance haben. Die Strahlentherapeutin verweist aber auf eine 10-Jahres-Studie am Universitätsklinikum Heidelberg, das als erste Klinik in Deutschland Ionenstrahlen eingesetzt hat. Dort zeigte sich bei Patienten, die an bestimmten Tumoren der Speicheldrüse erkrankt waren, ein „Überlebensvorteil“. Eine zweite wesentliche Messlatte für den Erfolg einer Ionenstrahl-Therapie ist die Fragestellung, welche Langzeit-Wirkungen die Bestrahlung hat.  Auch das wird in Langzeitstudien untersucht. Engenhart-Cabillic kann aber schon jetzt sagen, dass sich für Kinder und Jugendliche die Ionenstrahl-Therapie in jedem Fall lohnt.

Die deutlich geringere Strahlenbelastung bei der Bestrahlung mit Ionen oder Protonen gegenüber der herkömmlichen Strahlentherapie führt zu weniger Spätfolgen.

Verbesserte Präzision der Dosis-Verteilung

Bei der Bestrahlung von Hirntumoren wird die kognitive Leistungsfähigkeit des Gehirns gegenüber der herkömmlichen Bestrahlungsmethode besser­ sein: Die Präzision der Dosis-Verteilung ist bei der Protonen- oder Schwerionentherapie deutlich verbessert.

Im ersten Jahr, von Ende Oktober 2015 bis Ende Dezember 2016, sind 170 Patienten am Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrum (MIT) behandelt worden. In diesem Jahr waren es bisher schon 250; Engenhart-Cabillic hofft, dass es bis zum Jahresende 300 werden. Durchschnittlich 21 Mal werden die Patienten bestrahlt.

Schwerpunkte der Anwendungen sind bisher Tumore im ­Gehirn und im Kopf-Hals-Bereich, Weichteilsarkome (das sind Tumore in Muskulatur und Fettgewebe), nicht-operable Pankreas-Karzinome sowie ­alle Tumore bei Kindern und ­Jugendlichen, die noch keine Metastasen entwickelt haben, teilt Engenhart-Cabillic mit. Insgesamt 14 Studien laufen am MIT. Im kommenden Jahr sollen Studien über die Therapie des Bronchialkarzinoms und des kindlichen Hodgkin-­Syndroms hinzukommen.

Weitere ­wissenschaftliche Projekte im Rahmen der Forschungskooperation mit Heidelberg sind im Aufbau und liegen dem Beirat zur Bewilligung vor. ­Spätestens 2018 soll es zellbiologische Untersuchungen geben.

Und die Vision von Professorin Rita Engenhart-Cabillic ist, dass sich die neue Behandlungsmethode durchsetzt: „Ich kann mir vorstellen, dass jedes größere medizinische Zentrum in 15 Jahren über eine Protonen-Anlage verfügt.“

  • Professorin Rita Engenhart-Cabillic spricht am Montag, 6. November um 19.30 Uhr im Gemeindehaus St. Peter und Paul auf Einladung der Malteser in Marburg über die Chancen der Ionenstrahl-Therapie.

von Till Conrad 

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