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„Inklusion fängt im Kopf an“

"Grüne Lounge" „Inklusion fängt im Kopf an“

„Ein Lehrer als Einzelkämpfer ist überhaupt nicht denkbar“, sagte ­Michael Plappert, Mitglied der Schulleitung der Gießener Sophie-Scholl-Schule bei der „Grünen Lounge“ im Kulturladen KFZ.

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Marco Nezi (von links), Mathias Wagner, Charlotte Wolf, Michael Plappert und Werner Wörder bildeten das Podium.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. Dieses Mal hatte der Vorstand der Marburger Grünen für die Veranstaltung das Thema „Schule und Inklusion“ gewählt. Plappert, der an der vom Lebenshilfewerk gegründeten integrativen Grundschule Erfahrung mit inklusivem Unterricht gesammelt hat, berichtete, dass die Klassen jeweils von einem multiprofessionellen Team betreut würden. Nur so sei man den unterschiedlichen Anforderungen der Schüler gewachsen.

Mathias Wagner, Fraktionsvorsitzender und schulpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion, erklärte, mit inklusiven Schulbündnissen, die derzeit am Start seien, wolle die Landesregierung die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Schüler mit besonderem Förderbedarf an Regelschulen integriert werden könnten. Dazu seien neue Lehrerstellen geschaffen worden und sonderpädagogische Ressourcen, die bisher Förderschulen vorbehalten gewesen seien, könnten nun auch an allgemeine Schulen gehen.

„Inklusion fängt im Kopf an und ist nicht nur eine Frage der äußeren Bedingungen“, erklärte Schulleitungsmitglied Plappert. Eine Elternvertreterin der Bettina-von-Arnim-Schule aus dem Publikum erklärte, sie habe mit ihrer autistischen Tochter im Kindergarten das Gefühl gehabt, nicht willkommen zu sein. Daher habe sie sich danach für eine Förderschule entschieden. Wagner erklärte, es sei wichtig, die Wahlfreiheit für oder gegen eine Regelschule beizubehalten. „Viele Eltern sind derzeit nicht sicher, was der beste Förderort für ihr Kind ist.“ Daher sei er dagegen, einen Stichtag festzusetzen, ab dem es keine Förderschulen mehr geben solle.

„Unser Ziel: jede Schule richtig für jedes Kind“

„Inklusion ist im Referendariat am Gymnasium, wenn überhaupt mal, ein Stichwort“, erklärte Werner Wörder, Schwerbehindertenvertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Lehrer an der Martin-Luther-Schule. Lehramtsstudentin Charlotte Wolf erklärte, dass Lehreinheiten zu Inklusion an der Marburger Uni keine Plicht-, sondern Wahlveranstaltungen seien. „Was Inklusion in der Praxis bedeutet, wird sehr wenig diskutiert.“

Der Großteil der Schüler habe einen Förderbedarf im Bereich Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, erklärte Wagner. „Ressourcen für eine Intensivpflege vorzuhalten, wird man vielleicht nur an einer Schule im Kreis schaffen.“ Trotzdem sei anzustreben, beispielsweise möglichst an allen Schulen auch Menschen mit Sehbehinderung beschulen zu können. „Unser Ziel ist, dass jede Schule richtig ist für jedes Kind.“

Wörder gab Wagner zum Schluss den Wunsch nach mehr Personal mit auf den Weg: „Es fehlt nicht nur an Lehrern, sondern auch an Sozialarbeitern, Psychologen und ausgebildeten Assistenten“.

Bisher hätten Negativbeispiele dafür gesorgt, dass es Lehramtsstudierenden beim Thema ­Inklusion kalt den Rücken herunterlaufe, erklärte Studentin Charlotte Wolf. „Ich würde mir wünschen, dass Inklusion endlich als das Positive gesehen wird, was es ist.“

von Freya Altmüller

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