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„Ich wollte nur Angst machen“

Aus dem Landgericht „Ich wollte nur Angst machen“

Zu jedem seiner bisherigen Verhandlungstage erschien der Angeklagte sichtlich angeschlagen und unter Medikamenteneinfluss stehend, schlurfenden Ganges mit einer Tüte Gummibärchen im Landgericht.

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Der Angeklagte musste sich vor dem Landgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nur selten war der Marburger in der Lage, über einen längeren Zeitraum den Befragungen der Zeugen zu folgen. Gleich zu Beginn räumte er mit schwacher Stimme ein, dass er die ihm zur Last gelegten Taten wohl begangen habe.

Er habe unter Alkoholeinfluss gestanden und könne sich nicht mehr an Details erinnern. Er stellte aber auch nicht in Abrede, dass sich die Zeugen irren würden.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigte den heute 49-jährigen Mann, im Zustand der Schuldunfähigkeit an drei ­Tagen, zwischen dem 7. Juli und 25. Oktober 2016, insgesamt fünf Taten begangen zu haben – Vorwurf: Misshandlung, Nötigung und Beleidigung. Jedes Mal waren Frauen die Opfer, die in Einzelfällen Prellungen und Hautabschürfungen davontrugen. Und in jedem Fall schien das Handy der Betroffenen eine besondere Rolle zu spielen.

Der Angeklagte soll in allen Fällen wutentbrannt auf die Frauen zugelaufen sein, sie angerempelt, geschüttelt oder gar umgeworfen haben. Ausschlaggebend sei wohl gewesen, dass die Opfer mit ihrem Handy telefoniert oder dieses in der Hand hielten.

„Sonst tanzen mir die Frauen auf dem Kopf herum“

„Ich musste etwas machen. Sonst tanzen mir die Frauen auf dem Kopf herum“, erklärte der Beschuldigte dazu. „Ich wollte­ ihnen nur Angst machen, damit sie das Handy wieder wegstecken.“

Ob er denn auch Männer angegriffen habe, wollte der Vorsitzende Richter Dr. Marco Herzog wissen. Dies bejahte der Marburger, aber die seien „deutlich gesprächsbereiter“ gewesen. So sei keine der Situationen eskaliert.

Danach wurden deutlich mehr als 20 Zeugen zu den einzelnen Vorfällen befragt. Auch wenn die Taten bereits ein Jahr zurückliegen, konnten alle nahezu minutiös nachvollzogen werden. Zum Teil kannten die Betroffenen den Täter vom Sehen, wohnte er doch in unmittelbarer Nachbarschaft.

Am häufigsten wurde nachgefragt, welchen Eindruck der Täter auf die Opfer gemacht habe und ob denn der Täter alkoholisiert gewesen sei. Unterschiedlich die jeweiligen Einschätzungen.

Abschließend fehlt jetzt noch das psychiatrische Gutachten der zuständigen Ärztin, die den Prozess dauerhaft verfolgte, um zu einem Urteil zu kommen.

von Heinz-Dieter Henkel

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