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„Ich habe ihn gewarnt“

Aus dem Amtsgericht „Ich habe ihn gewarnt“

Ein Streit zwischen zwei Männern eskalierte: Ein Marburger ist zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

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Ein 39-jähriger Marburger musste sich wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. Dem 39-jährigen Angeklagten wurde vorgeworfen, im Juli 2016 bei einem Streit einen 55-jährigen Marburger mit mehreren Faustschlägen zu Boden gebracht zu haben. Anschließend soll er auf den am Boden Liegenden eingeschlagen haben, sodass dieser eine Platzwunde am Hinterkopf erlitt und von einem Zahnarzt zwei Zähne, die durch die Wucht der Schläge angebrochen waren, später entfernt werden mussten.

Die beiden Männer hatten sich am Tattag wie des Öfteren in der Wohnung eines gemeinsamen Freundes getroffen und dort eine Palette Bier geleert. Mit steigendem Alkoholpegel gerieten die beiden verbal immer heftiger aneinander. „Er hat mich genervt“, sagte der Angeklagte. „Ich habe ihn lange gewarnt, er soll mich in Ruhe lassen.“ Aber der Geschädigte ließ von den Spitzen nicht ab. „Wenn er Alkohol trinkt wird er extrem mutig“, schilderte der Angeklagte.

Der Geschädigte gab an, der wie er arbeitslose Angeklagte habe mit seinen vermeintlichen Besitztümern geprahlt.

Er hätte gesagt, er „hätte ein teures Auto und eine noch teurere Anlage in einer Scheune in Kassel oder so“.

Er habe sich darüber lustig gemacht. „Das waren Sticheleien“. Doch sie reichten aus, um den Angeklagten zu provozieren. Er habe den auf der Couch sitzenden Geschädigten „zwei oder dreimal“ geschlagen.

Der ebenfalls arbeitslose Wohnungseigentümer, der als Zeuge geladen war, sagte aus, er habe den beiden angetrunkenen Streithähnen gesagt, sie sollten nach unten gehen, wenn sie sich schlagen wollen. „Lasst meine Einrichtung ganz“, habe er ihnen gesagt.

Der Geschädigte hätte den Angeklagten zudem als „blöden Hund und Drecksack“ bezeichnet. Aber das seien Dinge, die „man so sagt, wenn man betrunken ist“. Der Angeklagte habe daraufhin den Geschädigten aufgefordert, mit vor die Haustür zu kommen um den Streit „wie Männer auszutragen“.

Ein 22-jähriger Bewohner einer Nachbarwohnung hörte Geschrei im Treppenhaus, das von dem anhaltenden Streit der beiden Männer kam. Als er eine Zigarette rauchen ging, konnte er sie draußen auf dem Bürgersteig sehen. Die beiden hätten am Anfang „Schwinger ausgeteilt“, aber sich dabei nicht getroffen. Erst nach kurzer Zeit gelang es dem Angeklagten, den Geschädigten mit einem Faustschlag zu treffen, nachdem dieser ins Straucheln gekommen war. „Beide haben getorkelt“, sagte der Zeuge. Der Geschädigte sei durch den Schlag rückwärts umgefallen und mit dem Kopf auf den Boden geschlagen.

Zeuge rief sofort einen Krankenwagen

Der Angeklagte bestritt, seinen Kontrahenten geschlagen zu haben, als dieser am Boden lag, doch dem widersprach der Nachbar. „Ich habe geschrien und bin am Fenster ausgerastet, wegen der Schläge.“ Er konnte sehen, dass der Angeklagte „schräg über dem 55-Jährigen stand und zwei- oder dreimal“ auf ihn einschlug. Der Zeuge rief sofort einen Krankenwagen und rannte runter, da kam ihm der Angeklagte schon entgegen, der ihn aufforderte, einen Krankenwagen zu rufen.

Mit dem Krankenwagen kam auch die Polizei. Bei dem Angeklagten wurde später ein Blutalkoholwert von 1,28 Promille festgestellt, doch dieser habe sich nach eigenen Angaben „nicht betrunken gefühlt“. Er trinke öfters, halte sich aber nicht für einen Alkoholiker. Der Geschädigte hatte auf dem Weg in den Krankenwagen mit Koordinationsschwierigkeiten zu kämpfen und wurde mit einer Platzwunde am Hinterkopf und einer Schwellung des Gesichts zunächst ins Krankenhaus eingeliefert, das er aber schnell wieder verlassen konnte. Dass zwei seiner Zähne angebrochen waren, fiel ihm erst ein paar Tage später durch den anhaltenden Schmerz auf.

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung sowie die Erbringung von 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit, da Schmerzensgeld bei dem von Hartz IV lebenden gelernten Maler und Lackierer nicht realisierbar sei. Das Gericht gab dem Antrag statt, darüber hinaus wurde dem Angeklagten, der auf einen Verteidiger verzichtet hatte, ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

von Michael Noll

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