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Unmut über neuen Namen

Hülsen-Haus Unmut über neuen Namen

Die Umbenennung des Ernst-von-Hülsen-Hauses in „Kunstgebäude“ stieß auf massive Kritik durch den Freundeskreis des Uni-Museums.

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Im Volksmund heißt das Gebäude in der Biegenstraße Uni-Museum. Durch das Uni-Präsidium wurde der Bau von „Ernst-von-Hülsen-Haus“ in „Kunstgebäude“ umbenannt.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. In den vergangenen Wochen gab es noch einmal eine ausführliche Diskussion um den neuen Namen „Kunstgebäude“ für den 1927 eingeweihten Bau der Marburger Universität. Mit der Umbenennung kritisch befasst hatte­ sich der Verein „Freunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Marburg“ (Freundeskreis), erläuterte dessen Vorsitzender Horst Piringer der OP. Das Uni-Museum, für dessen derzeitigen Umbau Mitglieder des Vereins viel Geld gesammelt und gespendet haben, ist neben mehreren Instituten der Marburger Universität der Hauptbestandteil des Gebäudes.

Als phantasielos und lieblos hatten Museumsfreunde den neuen Namen bezeichnet und bei einer Versammlung zahlreiche Gegenvorschläge wie „Haus der Wissenschaft und Kunst“ oder „Kunstmuseum“  gemacht. In einem Brief an die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause hatte Piringer die Kritik zusammengefasst und zudem die Unzufriedenheit des Vereins mit dem Gesamtverfahren bekundet. „Es wäre doch schön gewesen, wenn das Präsidium in den Beschluss seine Freunde eingebunden hätte“, fasst Piringer die Verfahrensschelte zusammen. Ziel des Freundeskreises war es, mit diesem Brief mindestens eine ausführliche Erklärung der Präsidentin und vielleicht sogar eine Modifizierung des neuen Namens zu erreichen. Mitgeteilt hatte die Präsidentin die Entscheidung des Präsidiums im Uni-Senat im September 2016. Die neue Terminologie gliedere sich in die Benennungen für Universitätsgebäude in der Universitätsstraße wie Hörsaalgebäude oder Verwaltungsgebäude, hieß es damals in der Senatsvorlage des Präsidiums (die OP berichtete).

1920 bis 1945 Kurator der Universität

Hintergrund der Umbenennung des Baus war  eine Neubewertung des Wirkens von Ernst von Hülsen, der in den Jahren 1920 bis 1945 Kurator der Universität war, durch das Uni-Präsidium. Zu dieser Neubewertung hatte ein Gutachten des Historikers Albrecht Kirschner geführt, das die Universität bei ihm angefordert hatte. Wegen erheblicher NS-Belastung des Namensgebers soll das ­Gebäude in der Biegenstraße nun nicht mehr Ernst-von-Hülsen-Haus heißen. „Wir sind zu der Auffassung gelangt, dass in einer Gesamtbetrachtung die herausgehobene Ehrung des Kurators Ernst von Hülsen als Namensgeber des Gebäudes nicht mehr tragbar ist“, erklärte Uni-Präsidentin Krause im September vergangenen Jahres.

Sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagte die Präsidentin. Hülsen sei eine ambivalente Figur gewesen mit „viel Licht und viel Schatten“. Aber der Entschluss sei umfassend durch die Studie vorbereitet worden und sie sehe keinen Anlass, die Namens-Aberkennung wieder rückgängig zu machen. Am Gebäude in der Biegenstraße solle allerdings öffentlich sichtbar eine erklärende Tafel zur Geschichte des Gebäudes angebracht werden, die auch die Verdienste des Kurators bei der Entstehung des Baus würdigen solle. Krause gestand im Gespräch mit der OP ein, dass die Entscheidung für eine Umbenennung des Gebäudes vielleicht schlecht kommuniziert gewesen sei und dass sie diese vielleicht auch den Museumsfreunden besser hätte­ erklären sollen.

Dieses holte die Präsidentin jetzt nach. In einem ausführlichen Gespräch mit dem Freundeskreis-Vorstand erklärte sie, wie es zur Findung des neuen Namens gekommen sei. Klar gewesen sei, dass in diesem Namen auf jeden Fall der Namensbestandteil „Kunst“ auftauchen sollte. Denn dieses sei das Bindeglied zwischen dem Museum und einem Großteil der in dem Haus untergebrachten Uni-Institute. Bewusst sollte zudem ein schlichter und bescheidener Name ­gewählt werden. Eine Änderung könnte es allerdings noch geben: Krause kann sich vorstellen, über den im Freundeskreis aufgebrachten Vorschlag, den Bau „Kunstgebäude Marburg“ zu nennen, um so auch den Bezug zur Stadt zu dokumentieren, ernsthaft nachzudenken.

von Manfred Hitzeroth

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