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„Zu Fehlern bekennen“

Vortrag HR-Intendant „Zu Fehlern bekennen“

Kühl analysieren, statt vorschnell reagieren – das sei in Zeiten, in denen sich die Medien dem Vorwurf der Lügenpresse ausgesetzt sähen, wichtig, ­erklärt der Intendant des Hessischen Rundfunks, Manfred Krupp.

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HR-Intendant Manfred Krupp während seines Vortrags in Marburg.

Quelle: Freya Altmüller

Marburg. In der Lehrveranstaltung „Medien in der Vertrauenskrise“ von Thomas Schernbeck am Institut für Medienwissenschaften sprach Krupp auch darüber, wie Glaubwürdigkeit zurückgewonnen werden könne.

Als Donald Trump in sein Amt eingeführt wurde, habe es geheißen, noch nie hätten so viele Menschen das Ereignis verfolgt. Dabei seien weniger Menschen vor Ort gewesen als bei der ersten Amtseinführung Barack Obamas. Trumps Sprecher jedoch habe auch dessen Follower auf Twitter mitgerechnet, obwohl sich nicht nachvollziehen lasse, ob sie das Ereignis tatsächlich verfolgt hätten. „Deshalb lässt sich nicht sagen, wer Recht hat“, sagt Krupp.
Wenn sich Medien jedoch vorschnell empörten, erreiche Trump genau den Effekt, den er erzeugen wolle, nämlich, dass sie als „Lügenpresse“ dastünden. Der neue US-Präsident habe über Medienmacher gesagt, sie gehörten zu den

„verlogensten“ Menschen weltweit. Der Vorwurf der „Lügenpresse“ sei damit nicht nur ein deutsches, sondern ein internationales Phänomen. Trotzdem seien Fernsehen und Radio hierzulande noch immer die Medien, denen Nutzer die meiste Aufmerksamkeit schenkten. „Öffentlich-rechtlichen Sendern wird die größte Glaubwürdigkeit zugewiesen“, sagt Krupp. Dabei sei das Vertrauen umso höher, je größer die regionale Nähe sei.

Beste Marke seit 20 Jahren für die "Tagesschau"

Durch die Digitalisierung seien Informationen heute weltweit und unbegrenzt verfügbar. Bei vielen Nutzern führe diese Vielfalt zu einer Überforderung, sie wüssten nicht, welchen Quellen sie vertrauen könnten. Das komme Sendungen wie der Tagesschau, der Zuverlässigkeit zugeschrieben werde, zugute. Es habe dazu beigetragen, dass sie nun ihre beste Marke seit 20 Jahren erreicht hat.

Besonders bei tragischen Ereignissen werde die Sendung eingeschaltet. „Sie ist ein zuverlässiges Indiz dafür, dass die Welt noch steht“, sagt Krupp.

Hanns Joachim Friedrichs, ehemaliger Moderator der Tagesthemen, habe gesagt, ein Journalist dürfe sich nicht mit einer Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten. Falsch sei die Aussage, weil sich öffentlich-rechtliche Sender aufgrund ihres Auftrags beispielsweise für Menschenrechte und die Gleichstellung von Mann und Frau einsetzen müssten. Richtig sei aber, dass man sich nicht mit einer Stimmung gemein machen dürfe. „Es birgt die Gefahr, dass man jemanden nicht ernst nimmt, weil er einen als verlogen bezeichnet“, erklärt Krupp.

Wichtig sei auch die Fehlerkultur der Sender. „Wir müssen uns stärker zu unseren eigenen Fehlern bekennen“, fordert der HR-Intendant. Dazu gehöre nicht nur, sich für technische Pannen zu entschuldigen. Der Hessische Rundfunk habe eine Fehlerseite eingerichtet, auf der Nutzer nachlesen könnten, in welcher Sendung von falschen Fakten die Rede war oder ein Aspekt nicht berücksichtigt wurde.

von Freya Altmüller

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