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Großeinsatz für Segelschiff und Burg

Rosenmontagsumzug Großeinsatz für Segelschiff und Burg

Wer beim Umzug am Rosenmontag mit einem Motivwagen mitmacht muss nicht nur eine Reihe von Auflagen beachten, sondern investiert auch viel Zeit und Geld.

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Viel Spaß hat das Wagenbau-Team des Niederwalgerner Karnevalsclubs während des Baus der „Gorch Fock II“. 

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Es wird gesägt und gehämmert, geschraubt und gestrichen – allmählich beginnt die „heiße Phase“, denn die Karnevalswagen müssen für den Rosenmontagsumzug rechtzeitig fertig werden. Während der Niederwalgerner Karnevalsclub (KCN) bereits bekannt ist für seine kreativen Wagen, wartet in diesem Jahr auch das Gefährt des Prinzenpaares mit einer aufwendigen Verkleidung auf.

Dabei müssen die Wagenbauer viele behördliche Auflagen beachten, wenn sie kreative bis politische Motivwagen bauen. Das berichten Vertreter des KCN und des Festausschusses Marburger Karneval (FMK). Es gibt zum einen die gesetzlichen Bestimmungen für Brauchtumsveranstaltungen und damit einhergehend die Bedingungen der notwendigen TÜV-Abnahme (die OP berichtete), und außerdem die Auflagen des städtischen Ordnungsamtes.

Dass diese Auflagen nicht für alle teilnehmenden Vereine leicht zu befolgen sind, hat vergangenes Jahr das Beispiel Niederwalgern gezeigt. Der KCN musste seinen Motivwagen kurzfristig umbauen, um nicht gegen die Auflagen zu verstoßen. Sinngemäß lautete der Vorwurf, sie hätten ein kriegsähnliches Fahrzeug gebaut ( die OP berichtete).

In diesem Jahr hätten sie absichtlich kein politisches Motto gewählt, sagt Stefan Oberhansl, zweiter Präsident des KCN. Er bedauert dies, denn für ihn gehört es zum ursprünglichen Sinn von Fasching, gesellschaftskritische Themen – auch mit den Motivwagen – aufzugreifen. Unter den Vorschlägen wurde sich in der Jahreshauptversammlung für das Thema Segeln entschieden, berichtet Oberhansl. Das Motto zitiert eine Aussage von Christoph Kolumbus: „Ich glaube, ich werde seekrank.“

Gorch Fock II mit einklappbaren Masten

Zwischen 15 und 20 Leute helfen in Niederwalgern beim Bau der „Gorch Fock II“ mit. Den alten Kühlwagen baut der KCN diesmal zu einem großen Schiff um, mit einklappbaren Masten, damit sie beim Marburger Rosenmontagsumzug auch unter Brücken hindurch passen. Seit Mitte Dezember bauen die Männer, teilweise mit Hilfe ihrer Frauen, an dem Gefährt.

Der Bau des Wagens sei laut Oberhansl „ein bindendes Glied“ zwischen den Mitgliedern. Jeden Samstag treffen sie sich, selbst zwischen den Jahren wurde keine Pause eingelegt. Sie haben den Vorteil, dass sie eine Halle angemietet haben, die den Bau auch bei schlechtem Wetter ermöglicht. Stilecht will sich die „Horde wilder Männer“, wie Oberhansl sich selbst und seine Karnevals-Kollegen nennt, daher in Seemannstracht verkleiden.

Auch für das FMK-Prinzenpaar stellt der Wagenbau „etwas ganz besonderes“ dar, sagt Prinzessin Moni I. alias Monika Ostler, zugleich FMK-Vizepräsidentin und Präsidentin des Damenkomitees. Das Prinzenpaar soll eine Burg bekommen, und dabei hilft „der ganze Sommer-Clan“ mit – Mutter, Vater, Schwester und Bruder des Prinzen.

Mit der Vorbereitung des Wagens haben sie bereits Anfang November begonnen, indem vor allem Hofdame Daniela Sommer, die Schwester des Prinzen, zahlreiche Steine auf die Platten malte, die demnächst an den Wagen geschraubt werden sollen.

Nicht nur die Arbeit während ihrer Freizeit nehmen die Wagenbauer in Kauf, sondern auch die Kosten, die im Laufe der Jahre laut Guido Schmitt, Festwagenobmann des KCN, mit den Auflagen gestiegen seien. Mit der notwendigen TÜV-Abnahme in Höhe von 200 Euro lägen die Kosten für den Wagenbau beim KCN zwischen 600 und 700 Euro, schätzt Schmitt. „Das ist für so einen kleinen Verein eine Menge Geld“, betont Oberhansl. Den Wagenbau finanzieren sie durch Mitgliedsbeiträge und den Einnahmen durch ihre Karnevalsveranstaltung, sagt Schmitt.

Rund 1 000 Euro kostet die „Burg“ des Prinzenpaares

Der „Sommer-Clan“ rechnet mit rund 1000 Euro. „Die Materialkosten allein liegen zwischen 400 und 500 Euro“, berichtet Norbert Sommer, Kommissarischer Präsident im Elferrat des FMK und Vater des Prinzen. Eine Aufwandsentschädigung erhalten außerdem der Fahrer, der einen Lkw-Führerschein haben muss, und pro Achse zwei sogenannte „Wagen­engel“, die neben dem Fahrzeug herlaufen, berichten sowohl Ostler als auch Schmitt.

Für das Prinzenpaar sind das Kosten, die es allein tragen muss. Sowohl der KCN als auch das Prinzenpaar hatten auf einen Zuschuss der Stadt für die TÜV-Abnahme gehofft. Und tatsächlich gibt es gute Neuigkeiten: Auf Anfrage des KCN habe Bürgermeister Wieland Stötzel mitgeteilt: Wer für den Marburger Umzug eine TÜV-Bescheinigung braucht, bekommt ­einen Zuschuss.

Das gelte für alle Teilnehmenden, die noch keine Bescheinigung haben. Auch die Pressestelle der Stadt teilte auf OP-Nachfrage mit, dass die Stadt 50 Prozent der Kosten für die TÜV-Abnahme übernimmt.

Für die Umzugs-Teilnehmer ist das eine Entlastung. Und bei all dem Aufwand, den sowohl das Prinzenpaar als auch der KCN betreiben, ist den Umzugs-Teilnehmern vor allem eines wichtig: Den Kindern eine Freude zu bereiten. Und so hat das Prinzenpaar unter anderem 300 Kuscheltiere besorgt, die sie von ihrem Wagen werfen möchten.

von Simone Schwalm

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